Schildkrötensafari mit Elke Wallrapp (Folge 67)

Im „Schatten“ der bekanntesten Sehenswürdigkeit von Paris – dem Eiffelturm – befindet sich ein weiteres Kunstwerk von Ivan Theimer. Genau genommen steht es im Park „Champ de Mars“, an der Avenue Charles-Risler.

Es handelt sich hierbei um das „Monument des Droits de l’Homme et du Citoyen (Denkmal der französischen Erklärung der Rechte des Menschen und des Bürgers)“ und ist hauptsächlich aus Bronze und Sandstein gefertigt.

Errichtet wurde das Denkmal 1989 im Auftrag der Stadt Paris, anläßlich des zweihundertsten Jahrestages der französischen Revolution (Bauzeit ab 1988, Fertigstellung in 1992).

So wie in Bordeaux (siehe Schildkrötensafari Folge 59) besteht auch dieses Kunstwerk aus mehreren Elementen, ist aber bedauerlicherweise nicht so populär. Vielleicht liegt es an seinem geheimnisvollen Aussehen und den vielen versteckten Symbolen, die nirgendwo erläutert werden.

Auf dem ersten Blick ähnelt das quadratische Sandsteingebäude einem Grabmal (von den ägyptischen Mastabas inspiriert), das auf einem erhöhten Podest, zwei Stufen über dem Boden, steht. Die glatten Außenwände sind mit vielen kleinen versteckten Details (z.B. eine Echse), Wörter und Texte verziert.

Aber auch Formen, wie Dreiecke, Kreise und umgekehrte Pyramiden können wir entdecken – sie werden immer wieder als freimaurische Symbole gedeutet, da der damalige „Großmeister des Grand Orient “ den Bau überwachte.

Zwölf Steine mit 12 Bronzesiegeln der Mitgliedsstaaten der Europäischen Gemeinschaft von 1989 und die Namen ihrer Hauptstädte (Lissabon, Madrid, Paris, Brüssel, London, Dublin, Rom, Luxemburg, Bonn, Amsterdam, Kopenhagen und Athen) sind auf zwei Gebäudeseiten zu finden.

Und wie soll es auch anders sein – Schildkröten dürfen bei einem Kunstwerk von Ivan Theimer nicht fehlen!

Sie sind an vielen Stellen, oft erst auf den zweiten Blick, zu sehen. Ihre Beständigkeit und Langlebigkeit kann hier als Symbol für das dauerhafte Bestehen der Menschenrechte gewertet werden.

Schauen wir uns das Gesamtwerk weiter an.

Hoch oben befinden sich einige Reliefs, die an kleine Gemälde erinnern. Auch hier finden wir viele geometrische Formen, menschliche Figuren und unsere erste Schildkröte, die ein quadratisches Gebäude – ähnlich unserem – auf ihrem Panzer trägt.

Interessant ist für uns auch die „Nordfassade“ dieses Bauwerks, denn hier befindet sich eine, von zwei Säulen eingerahmte Bronzetür. Ähnlich wie in Bordeaux ist sie mit vielen plastischen Reliefs und Bildern von historischen Dokumenten der Revolutionszeit verziert.

Auf den beiden, wahrscheinlich falschen Türgriffen, befinden sich jeweils zwei Landschildkröten, die sich gegenüber stehen.

Ein Stück über dieser Tür ist eine kreisförmige Öffnung mit einer Schlange zu sehen. Sie beißt sich in ihren Schwanz und bildet so einen geschlossenen Kreis. Diese Darstellung wird „Ouroboros“ genannt und ist ein Bildsymbol aus dem alten Ägypten, mit dem die ewige Wiederkehr dargestellt wird.

Vor dem Gebäude stehen zwei hohe Bronzeobelisken, die mit einer Fülle von detaillierten Symbolen, menschlichen Figuren und Texten verziert sind. Sie alle stehen im Zusammenhang mit der Geschichte zur Förderung der Menschenwürde und Freiheit – nicht nur die französische Revolution betreffend. Auch hier entdecken wir bei näherer Betrachtung Landschildkröten. Im Vordergrund des Monuments steht eine Gruppe menschlicher Bronzestatuen – zwei Männer und eine Frau mit Kind. Zu den Füßen des einen Mannes „sitzt“ ebenfalls eine Landschildkröte, etwas stilisierter als die anderen.

Ganz zum Schluß fallen uns die vier bronzenen Feuertöpfe ins Auge, die sich an jeder Ecke des Podestes befinden und ein bisschen an Urnen erinnern. Auch sie sind mit mehreren Schildkröten verziert. Zum einen werden sie von Landschildkröten getragen und zum anderen verstecken sie sich auf der Oberseite der Feuertöpfe. Mal an einem Griff und mal unter einer Schlange…!

Leider war dieses Kunstwerk öfters dem Vandalismus ausgesetzt. Ich besuchte es einige Male in einer größeren Zeitspanne und die Schildkröten und Verzierungen der Feuertöpfe wurden teilweise gewalttätig entfernt.

Bei meinem ersten Besuch saß auf jedem Gefäßdeckel eine große Landschildkröte – diese gibt es schon lange nicht mehr. Sie wurden auch 2016 bei der Restaurierung des Monuments nicht ersetzt.

Diese besondere und eigenwillige Installation von Ivan Theimer übt durch seine Schlichtheit, gepaart mit unendlich vielen Symbolen aus der ägyptischen Kultur, der Bibel, der Natur und der Freimaurerei, eine große Faszination aus. Immer wieder neue Details warten darauf entdeckt zu werden. Und doch spielt das Kunstwerk in diesem Park eine eher untergeordnete Rolle.

Text und Fotos: Elke Wallrapp. Alle Rechte bei der Autorin.

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