Schildkrötensafari mit Elke Wallrapp (Folge 66)

Diesmal sind wir im 5. Arrondissement unterwegs.

Auf dem Weg zum „Muséum National d‘ Histoire Naturelle“ (Naturkundemuseum), bekannt durch seine große Galerie der Evolution und dem „Jardin des Plantes“, einem ehemaligen mittelalterlichen Kräutergarten mit über 10000 Pflanzen und mehr als 6500 Arten, kommen wir an einem außergewöhnlichen Brunnen vorbei.

Dieser, im Jahr 1840 errichtete Brunnen, liegt an der Ecke der heutigen Rue Linné und Rue Cuvier und ist dem Naturforscher und Paläontologen Georges Cuvier (1769-1832) gewidmet.

Es lohnt sich ihn näher anzuschauen, denn er ist sehr aufwendig und einzigartig gestaltet und hält einige Besonderheiten bereit.

Als erstes sticht uns ein halbrunder circa drei Meter hoher Sockel, verziert mit einem Fries aus dreizehn Köpfen, ins Auge.
Dargestellt werden unterschiedliche Tierköpfe, wie z.B. ein Kamel, ein Widder, ein Puma, ein Löwe, ein Büffel … und auch ein Menschenkopf. Eingerahmt wird dieser von dem Kopf eines Wolfes und eines Affen.
Wird hier (laut Mutmaßungen) eine eigene Spezies dargestellt, nämlich die des Naturforschers?

Am Fuße des Sockels befinden sich drei, aus Gusseisen gefertigte, Wasserspeier. Sie werden durch Schlangenköpfe dargestellt und von Muscheln, Fische, Hummer und Seesterne begleitet. Das Wasser fließt in ein kleines, ebenfalls halbrundes, Becken aus Bronzeguss.

Unser Blick wandert weiter nach oben – denn auf dem Sockel befindet sich eine fast überladene Szene.
Auf einer Riesenmuschel sitzt, flankiert von einer Eule und einem Löwen, ein weibliche Gestalt. Sie trägt einen Lorbeerkranz auf ihrem Haupt und verkörpert bildlich die Naturgeschichte.
In der einen Hand hält sie eine Tafel mit Cuvier’s Leitspruch (nach einem Vers von Virgil) „Rerum cognoscere causas“, was so viel bedeutet wie „Gesegnet sei, wer die Ursache der Dinge kennen könnte“.
Weitere Tiere tummeln sich zu ihren Füßen. Wir können eine Robbe oder eher einen großen Fischotter (mit Ohren!) erkennen. Einen Hummer, Fische und ein Krokodil, dass seinen Kopf nach hinten zu einer Schlange herumdreht (diese Drehung des Kopfes ist bei einem Krokodil anatomisch nicht möglich), Muscheln, eine Kröte und ganz in der Ecke, etwas versteckt, sitzt eine Landschildkröte.

Aber auch die Nische, die von zwei geriffelten ionischen Säulen mit Ammonshörnern begrenzt wird und in der sich die Statue befindet, ist mit einer Bordüre, die die Artenvielfalt der Natur darstellt, verziert.
Ein Storch, ein Reiher, verschiedene Ähren, Blüten, Reben, Blätter und Kleingetier können wir erkennen. Mittig, über dem Frauenkopf, befindet sich ein davonfliegender Adler – in seinen Krallen ein Lamm. Unerbittlich ist die Natur…!
Darüber, unter dem Namenszug „À Georges Cuvier“, ist ein weiteres Fries mit vier verschiedenen Bukranien zu sehen. Hier wird nicht der sonst übliche Rinderschädel gezeigt, sondern vier verschiedene Schädel – ein Hinweis auf die vergleichende Anatomie von Cuvier.

 

Und erst jetzt, bei meiner Recherche zu diesem Brunnen, habe ich einen Hinweis gefunden, dass darüber weitere Schildkröten zu sehen sind.
Ist das nicht ein Grund diesen außergewöhnlichen Brunnen noch einmal zu besuchen?

Gebaut wurde die „Fontaine Cuvier“ unter der Leitung des Architekten „Alphonse Vigoureux“
(1802-1854). Die Gestaltung übernahmen die beiden Bildhauer „Jean-Jacques Feuchère“ (1807-1852) und Pierre-Jules Pomateau.
Im Jahr 1984 wurde die „Fontaine Cuvier“ unter Denkmalschutz gestellt.

 

Text und Fotos: Elke Wallrapp. Alle Rechte bei der Autorin.

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