Zeus- eine griechische Landschildkröte auf Reisen im Hunsrück – Teil 2

Von Torsten Kiefer

Teil 1 lesen Sie hier.

Und dann passierte das, was passierten musste: Wie jeden Abend schaute ich an einem Herbstabend nach, das alles Tiere im Frühbeet bzw. Schildkrötenhaus waren. Die meisten gehen von selbst rein, der/oder die andere hat einen Lieblingsplatz, wo ich das Tier auch meist antreffe. Zeus ist ein Kandidat, der von sich aus die Wärme im Frühbeet gegen Abend aufsucht. An diesem jedoch war er aber nicht drin. Ich suchte im Gehege alles ab, konnte ihn aber nicht finden. Auch am Tag drauf, nachdem ich alles links gemacht hatte, keinen Spur von ihm. Nun machte ich mir doch richtig Sorgen und suchte außerhalb des Geheges. Wir wohnen direkt am Wald mit viel Wiese Drumherum. Die Chancen eine Schildkröte außerhalb des Geheges zu finden gehen bei uns gegen Null. Zeus war nicht auffindbar! Ich habe die Nachbarn informiert und mehr konnte ich nicht machen. Es wurde kälter und der Winter zog ein. Von Zeus keine Spur mehr.
Im April des folgenden Jahres rief mich meine Frau ganz aufgeregt auf der Arbeit an. Auf der Terrasse unseres Nachbarn, zwei Häuser weiter, würde sich eine Schildröte ganz gemütlich sonnen. Die Nachbarn haben sich aber nicht getraut das Tier anzufassen und da bei uns ja einer ausgebüxt ist, haben sie gleich meine Frau angerufen. Sie also hin und tatsächlich…saß dort Zeus und sonnte sich ausgiebig. Knapp 8 Monate nach dem Verschwinden tauchte er wieder auf! Nachdem ich dann daheim war, musterte ich ihn gründlich und stellte ihn auf die Waage. Nichts abgenommen! Im Gegenteil, er hatte paar Gramm zugenommen! Das kann natürlich sein, da die Tiere in der Starre Feuchtigkeit aufnehmen. Auch sonst sah er super aus. Keine Kratzer, Schramme, klare Augen. An diesem Samstag ließ ich ihn dann wieder in sein Gehege und beobachte ihn. Nachdem er sich die anderen Männer begrüßt hatte, begann er tatsächlich wieder unruhig im Gehege zu laufen. Unsere Gehege sind komplett übernetzt und daher habe ich Pfosten in den Gehegen stehen, über die das Netz gespannt ist. Zeus rannte an den äußeren linken Pfosten und ich traute meinen Augen kaum. Er quetschte sich zwischen Pfosten und Pflanzstein und robbte so hoch! Das war also die Stelle! Daraufhin habe ich den Pfosten etwas nach innen gesetzt und zusätzlich in diesem Gehege Steinplatten als Überhang auf die Pflanzsteine gelegt.
Hier kommt er nicht mehr raus!
Aber auch hier sollte er mich eines Besseren belehren!
Mir war klar, dass dies für Zeus keine Dauerlösung sein konnte. Er versuchte immer wieder raus zu kommen bzw. rüber zu den Mädels. „Schlafmütze“ konnte ich nicht in die Männer-WG umsiedeln und zwei Männer auf drei Weibchen ist auch keine günstige Zusammenstellung. Regel: 1 Männchen auf drei Weibchen oder besser sogar vier! Obwohl diese Regel auch ad Acta gelegt werden kann, wenn ein Männchen sich nur für ein Weibchen interessiert! Eine homogene Gruppe zusammenzustellen ist daher nicht immer einfach. Dann sollte natürlich das Freigehege groß genug und gut strukturiert sein. Hier sah ich eine Möglichkeit! Gehege war groß genug, viel Struktur mit Steinmauern, Wurzeln und Höhlen. Und „Schlafmütze“ wäre ein zweites Männchen vielleicht auch egal. Ich müsste es also einfach mal wagen und Zeus zu den dreien setzen.
Doch dazu kam es nicht! An einem Abend im Sommer war Zeus wieder verschwunden! Ich konnte nicht glauben, dass er wieder abgehauen ist und machte das Gehege also wieder „links“. Dieses „Mistvieh“ war wieder nicht auffindbar! Als der erste Ärger verraucht war, fingen die Sorgen wieder an. Am Tag darauf erst mal außerhalb des Gehege alles abgesucht und die Nachbarn informiert! Während ich beim letzten Ausbruch aufgrund der Temperaturen im Herbst leise Hoffnung hatte, dass er sich außerhalb vergraben hatte (was er auch dann so war), hatte ich diese Hoffnung im Hochsommer nicht. Er könnte bei seinem Tatendrang überall sein und immer weiter laufen. Doch wie heißt es: Die Hoffnung stirbt zuletzt!
Nur zwei Tage später klingelte bei mir auf der Arbeit das Telefon und (mal wieder) meine Frau ganz aufgeregt: Zeus wurde eine Straße unter uns im Garten entdeckt! Ich war sprachlos! Er ist aus dem Gehege hinter unserem Haus vor das Haus gewandert, über die Straße! Durch den Garten des Nachbarn von uns gegenüber, unter der Hecke und dann bei Renate (Die heißt wirklich so!!) im Garten aufgetaucht! Renate ist eine langjährige Bekannte meiner Eltern und wusste natürlich, dass der Ausreißer nur aus der obersten Straße kommen konnte.
Auf die Gefahr hin, dass ich für „Schlafmütze“ ein eigenes Gehege bauen musste, gab ich Zeus klein bei. Ich setzte ihn also gleich ins Gehege zu den Damen und verfolge das Treiben:
Wie erhofft, war es „Schlafmütze“ egal und auch Zeus machte keine Anstalten den Macker raus hängen zu lassen. Sie beschnupperten sich und gingen ihre Wege. Während „Schlafmütze“ zum fressen ging, wandte sich Zeus den Mädels zu. Ich bzw. meine Frau beobachten Zeus und die Gruppe mehrere Tage und konnten dann aufatmen:
Zeus war viel entspannter. Die Mädels, die viel größer sind als der „Gartenzwerg“, werden auch nicht großartig von ihm belästigt und „Schlafmütze“ ist eh alles egal. Uns fiel dann wirklich ein Stein vom Herzen, das diese Kombinationen mit gemischter Gruppe und reine Männer-WG (die ich aber nicht unbedingt weiter empfehlen würde) so gut funktionieren.
Im Jahr 2016 bekam ich von Amine Fehr aus der Auffangstation Aachen ein THB-Weibchen aus sehr schlechter Haltung. Lilly (hat meine Frau so genannt, ich musste halt wieder im Ordner nachsehen) hat sich nach ein paar Monaten Eingewöhnung wunderbar in die Gruppe intrigiert, so dass nun das Verhältnis 4:2 steht. Auch unsere 3 Männer im anderen Gehege bekamen 2014 noch einen Mitbewohner. Hier habe ich mich von meinen lieben Schildkrötenfreunden aus Wuppertal und Umgebung breit schlagen lassen und ein Männchen aus schlechter Haltung aufgenommen. Nach der Quarantäne setzte ich das Männchen zu den dreien. Doch während sich „Schlafmütze“ alles gefallen ließ, biss der neue Bewohner auch mal zurück. Seither ist Ruhe und alle leben ganz entspannt miteinander. Notfalls hätte ich hier auch ein eigenes Gehege bauen müssen.
So leben diese Kombinationen (2.4 und 4.0) friedlich zum Teil seit mehreren Jahren nun zusammen. Zeus hat seither auch keinen Ausbruchversuch gestartet und auch schon für Nachwuchs gesorgt. Zumindest gehe ich davon aus, das der Nachwuchs von ihm ist, denn „Schlafmütze“ scheint kein Interesse für die Mädels zu haben (oder für irgendwas anderes außer Fressen).
Das also die Geschichte von Zeus, dessen Namen ich mit Sicherheit nicht mehr vergessen werde!

Text und alle Bilder: Torsten Kiefer. Alle Rechte beim Autor.

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