Calciumernährung (#13) Algenkalk – was ist das eigentlich?

Immer wieder wird in den sozialen Medien über Calciumernährung von Schildkröten gesprochen, immer wieder kommt da auch das Thema Algenkalk zur Sprache. Das nämlich, so empfehlen viele Halter, eignet sich ganz besonders und vor allem für Jungtiere. Und das ist sicherlich nicht falsch.
Als Bezugsquellen werden Onlineshops, Gartencenter und Zoofachhandel benannt. Und schon geht das große Rätselraten los. Denn das Angebot an Produkten ist groß und unübersichtlich. Dabei – soweit kann man schon im Vorgriff sagen – sind es gar nicht so viele unterschiedliche Präparate, die Produkte ähneln sich inhaltlich gesehen enorm. Unterschiedlich sind nur vor allem Verpackungen, Packungsgrößen, Preise und natürlich die Markennamen.
Und so tauchen in endloser Folge in diesen Diskussionen Fotos vieler unterschiedlicher Produkte auf. Und immer lautet die Frage: „Ist das geeignet?“
Das ist Grund genug, auf dieser Seite noch einmal alle relevanten Informationen zusammenzustellen und Hilfestellung zu geben. Zwar haben wir das Thema 2013 schon einmal auf dieser Seite zur Sprache gebracht, aber wir möchten das gern noch einmal wiederholen. Bitte lesen Sie aber auch den alten Artikel noch einmal, er enthält eine Menge weitere Informationen.‘

Was ist Algenkalk?

Algenkalk – das klingt im ersten Moment verwirrend. Kalk, also Calciumcarbonat ist doch ein „tierisches“ Produkt. Algen aber sind Pflanzen.
Sind sie doch… Oder?
Ja, das sind sie – und auch sie liefern große Mengen an Calciumcarbonat, den Algenkalk. Algenkalk wird aus Ablagerungen von Rotalgen hergestellt, enthält ca. 70-80 % Calciumcarbonat, ca. 6-10 % Magnesiumcarbonat, ca. 3-4 % Kieselsäure sowie eine Vielzahl von Spurenelementen wie Bor, Iod, u. a. informiert Wikipedia. Diese mineralisierten Ablagerungen werden in gemahlener Form unter der Bezeichnung Algenkalk in den Handel gebracht, für den Biogartenbau ebenso wie als Calcliumcarbonatpulver, wie es unter anderem im Tierhandel angeboten wird.

Produktvielfalt

Die Produktvielfalt macht es nicht einfach, das Richtige zu wählen. Generell unterscheiden wir zunächst in zwei Produktgruppen:

  • Algenkalkpräparate für Pflanzen

Viele Algenkalkprodukte im Handel sind ursprünglich für Pflanzen gedacht. Entsprechend findet man sie in den Regalen der Gartencenter oder Gartenabteilungen der Baumärkte in Kilodosen oder gleich als 25kg-Säcke.
Vergleicht man die Inhaltsstoffe mit den Produkten, die für die Tiere gedacht sind, dann stellt man schnell fest, dass diese zumeist identisch sind: Hauptsächlich oder ausschließlich Algenkalk.
Der Unterschied liegt zum einen im Preis, denn die Produkte für Pflanzen sind erheblich günstiger. Und er liegt in der Körnung. Algenkalk für Pflanzen ist wesentlich grobkörniger gemahlen.
Das war es dann meistens auch schon.

Oft wird Algenkalk auch speziell für Buchsbäume angeboten. Das ist zusätzlich verwirrend, weiß man doch, dass Buchsbäume in Schildkrötengehegen nichts zu suchen haben. Das wirft Fragen auf.
Buchsbäume?
Das Präparat – will man es genau nehmen – ist jedoch nicht für Buchsbäume gedacht, sondern soll eher gegen den Buchsbaumzünsler helfen. Denn dieser Kleinschmetterling richtet bei Buchsbäumen erhebliche Schäden an, die Ausbreitung der Schmetterlingsraupen kann aber mit Algenkalk bekämpft werden. Wenig überraschend: Es ist trotzdem das gleiche Präparat, sofern nicht auf der Verpackung andere, zusätzliche Inhaltsstoffe angegeben werden.
Um das zu dokumentieren werfen wir einen Blick auf die Inhaltsstoffe zweier Präparate, nämlich die Zusammensetzung des Algenkalks für Buchsbäume und die Zusammensetzung des Oscorna-Algenkalks.
Vergleichen Sie mal:

Fällt Ihnen etwas auf? Beide Produkte stehen zu etwa 82% aus Calciumcarbonat.
Was also soll das?
Das lässt sich schnell erklären: Compo Buchsbaum-Algenkalk kostet etwa 9,90 € pro 1.000g (Stand 17.05.2019), der 25kg Sack Oscorna-Algenkalk kostet rund 37 € (Preise schwankend)., also 1,48 € pro 1.000g. Da kann man schon mal stutzig werden. Finden Sie nicht?

  • Und die vielen anderen Produkte?

Viele Kalk-Präparate, die im Handel angeboten werden, basieren nicht auf Algenkalk sondern auf gemahlenem Kalkstein. In der Regel handelt es sich um Dolomit. Hier ist allerdings Vorsicht geboten, denn die Produkte enthalten oft zusätzliche Substanzen, die sie als Nahrungsmittelergänzung für Schildkröten ungeeignet machen.
Zwar ist die chemische Zusammensetzung des Kalksteins und des Algenkalks identisch, zwar sind die prouentualen Anteile relativ gleich, aber bei Gartenkalk-Produkten lohnt sich immer ein genauer Blick auf die Produkteschreibung und die Zusammensetzung. Manche sind mit Nitrat angereichert und werden Düngekalk genannt, der Azet Gartenkalk von Neudorff hingegen wurde um Azetoacter-Bodenbakterien angereichert.

  • Algenkalkpräparate für Tiere

Algenkalk für Tiere kostet i.d.R. nicht nur erheblich mehr, es wird auch in wesentlich kleineren Gebinden angeboten. Zudem ist dieser Algenkalk oft so fein gemahlen, dass er auf den ersten Blick mit Puderzucker verwechselt werden kann. Und was ist hier geeignet.
Gerade hier ist ein genauer Blick auf die Inhaltsstoffe notwendig. Denn oft sind die Präparate angereichert mit Vitaminen (D3), Calciumcitrat und anderen Substanzen. Je nach Tierart, für die diese Produkte in den Handel gebracht wurden, können auch Hefen, Bakterien, andere Mineralien und Spurenelemente enthalten sein. Aber nicht alle Zusatzstoffe sind für alle Tiere geeignet. Für Schildkröten empfiehlt sich möglichst reiner Algenkalk oder eine geringe Anreicherung mit D3, keinesfalls aber eine Anreicherung mit Multivitaminen oder gar Hefen.

Bitte schauen Sie sich vor dem Kauf im Handel nach solchen Produkten, die möglichst viel Calciumcarbonat enthalten und die nicht besonders angereichert sind.
Noch einmal: Reiner Algenkalk setzt sich, wie bei den Präparaten für Pflanzen, i.d.R. aus 70% bis 80% Calciumcarbonat (CaCO3), rund 10% Magnesiumcarbonat und anderen mineralischen Bestandteilen (s.o.) zusammen. Soweit Ihr Produkt, das sie kaufen wollen, dem entspricht, sind sie immer auf der sicheren Seite.

  • „Knochenkalk“präparate für Tiere

Neben Algenkalk findet sich auch „Knochenkalk“ im Handel, ein Produkt, das speziell für Hundehalter auf den Markt gebracht wurde und als Nahrungsergänzungsmittel für die Vierbeiner gedacht ist.
Zwar geben die Hersteller dieser Produkte auf der Rückseite der Verpackung die Inhaltsstoffe an, selten aber, woher den nun das Calciumcarbonat stammt.
Ist das nun Algenkalk für Knochen? Oder ist das tatsächlich Knochenkalk aus Knochen, denn auch das wäre möglich.
Interessant ist der Warnhinweis auf der Rückseite. Dort wird nämlich wegen des Vitamin D3-Zusatzes ausdrücklich vor einer Überdosierung gewarnt. Gerade die fettlöslichen Vitamine wie Vitamin D3 können bei einer Überdosierung, weil sie nicht einfach über die Nieren ausgeschieden werden können, zu Leberschädigungen führen.

Im Zweifel also ist es immer besser, von solchen Produkten die Finger zu lassen und reinen Algenkalk zu kaufen.

 

  • Warum Produkte für Tiere kaufen, wenn die für Pflanzen doch den gleichen Inhalt haben?

Letztlich liegt das im Ermessen des Kunden – es ist bei gleichem Inhalt eben in erster Linie eine Frage der unterschiedlichen Körnungsgröße und des Preises.

Und noch etwas Mathematik: Was drin ist Calciumanteil vs. Carbonatanteil 

Dass ein Calcium-Nahrungsergänzungsmittel möglichst viel Calcium enthalten sollte, versteht sich von selbst. Nun ist es allerdings etwas schwierig, in Erfahrung zu bringen, wie viel Calcium nun wirklich im Präparat enthalten ist, wenn das nicht explizit angegeben wird. Noch schwieriger wird es, wenn man zwei Präparate vergleicht, und das eine den reinen Calciumanteil, das andere aber den Calciumcarbonatanteil ausweist. Denn oft wird bei Produkten für Tiere der reine Calciumanteil, bei Produkten für Pflanzen aber der Calciumcarbonatanteil ausgewiesen.
Generell gilt: Je höher der Calciumcarbonatanteil ist, um so höher ist letztlich auch der Calciumanteil. Wie bereits oben beschrieben, besteht Algenkalk zu rund 75% aus Calciumcarbonat. Diese Angabe findet sich in der Regel auf den meisten Algenkalk-Produkten. Bei Nahrungsergänzungsmitteln für Tiere steht oft aber „Enthält 33% reines Calcium“. Ist das nicht viel weniger?

Nein. Denn Calciumcarbonat besteht ja nicht nur aus reinem Calcium, sondern ist eine Verbindung, in der auch Kohlenstoff und Sauerstoff enthalten sind. Bei CaCO3 kommen pro Molekül Calcium drei Moleküle einer Kohlenstoff-Sauerstoff-Verbindung hinzu („Kohlensäure“). Damit sinkt der reine Calciumanteil insgesamt natürlich deutlich.
Vereinfacht an einem Beispiel erklärt: Wenn ein Eiersalat zu 77% aus Eiern besteht (analog Calciumcarbonat), dann besteht der Salat vielleicht zu etwa 40% aus dem „Eiweiß“ und zu 37% aus „Eigelb“ (analog Calcium). Hinzu kommen 23% aus anderen Bestandteilen.  Der Eieranteil also 77%, der Eigelbanteil aber nur 37%.
Bei Algenkalk ist das genauso: Wenn dieser zu 77% aus Calciumcarbonat besteht, dann sind das etwa 35% reines Calcium und 65% Kohlenstoff, Sauerstoff sowie den anderen natürlichen Bestandteilen wie Magnesium etc.. Die Zahlen sind hier gerundet, eine exakte Berechnung anhand der Molmassen der einzelnen Elemente ersparen wir uns.

Übrigens: Knochen bestehen auch „nur“ zu rund 65% aus Calciumcarbonat und anderen Calciumsalzen (Calciumphosphat, Calcliumfluorid, Calciumchlorid). Der Anteil an reinem Calcium liegt also in den Knochen liegt auch bei rund 30 bis 35%. Allerdings benötigt der menschliche Organismus rund 99% des aufgenommenen Claciumsanteils für den Aufbau und Erhalt stabiler Knochen. Das ist bei anderen Wirbeltieren nicht viel anders. Auch die Wunderwaffe „Sepiaschulp“, die man ja reiben und zu Kalkpulver zermahlen kann, besteht nicht zu 100% aus Calciumcarbonat., allerdings ist der Anteil hier mit rund 95% sehr hoch – also auch höher als der Calciumcarbonat- und damit der Calciumanteil von Algenkalk.

Bei Rückfragen

Wenn Sie sich selbst unsicher sind, ob das Präparat, das sie zu kaufen planen oder bereits gekauft haben, geeignet ist und sich in den sozialen Netzwerken erkundigen: Bitte fotografieren Sie nicht nur der Verpackungsvoerderseite. Viel wichtiger ist, die Inhaltsstoffe ebenfalls zu fotografieren und diese der Frage anzuhängen. Das erleichtert denen, die Auskunft geben wollen, die richtige Antwort ungemein. Denn nicht jeder ist immer willens, via Google anhand des Produktnamens erst zu recherchieren, was denn eigentlich darin enthalten ist, um dann zu antworten. Ein Bild mit den Inhaltsstoffen erhöht die Chance, eine gute Antwort zu bekommen, ungemein.

Schildkrötenfotos: Bettina Pelzel und Martina Schindler. Herzlichen Dank dafür, dass wir die Bilder hier nutzen dürfen

2 Kommentare


  1. Klar, kann man machen. Letztlich liegt das im Ermessen des Kunden – es ist bei gleichem Inhalt eben in erster Linie eine Frage der unterschiedlichen Körnungsgröße und des Preises.


  2. Vielen Dank für die Zusammenfassung der Kalkprodukte. Ist denn nun der Algenkalk für Pflanzen/Buchsbaum der in ihrem Artikel aufgeführt wird, für griechischen Landschildkröten geeignet zum Verfüttern?
    Viele Grüße
    Julia

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