Der Wert einer Griechischen Landschildkröte – eine Antwort

Da haben wir sie wieder, die Diskussion, was eine Schildkröte, die verkauft wird kosten darf, bzw. wie viel sie einem wert ist.
Dieses Mal wurde sie losgetreten von der österreichischen Schildkrötenhalterin und -züchterin Christine Dworschak, die meinen Artikel „Püppis left the building…“ anstößig genug fand, das Thema zuerst in ihrem Forum zu diskutieren, hernach aus gegebenen, aber von ihr nicht näher benannten und doch aus dem Gesamtkontext erkennbaren Gründen auf ihrem Blog einen Beitrag unter dem Titel „Der Wert einer Griechischen Landschildkröte“ zu veröffentlichen und diesen in diverse Facebookgruppen zu streuen. Sie selbst nämlich erwähnt in ihrem Beitrag meinen Artikel nicht, allerdings später in ihrer Forumsdiskssuion.

Da sich die mittlerweile schon wieder abebbende Diskussion im Netz allerdings immer wieder an meinem Beitrag, meinem dort geschilderten Handeln und nicht zuletzt auch an meiner Person reibt und mein Name genannt wird, nehme ich mir das Recht, an dieser Stelle – also auf meiner Seite – einige weitere Gedanken zu dem Artikel von Christine Dworschak und den Netz-Kommentaren dazu zu veröffentlichen. Denn wie so oft im Web 2.0 wird viel über aber wenig mit den Personen (in dem Fall also mit mir) geredet.

Ihr Problem

Christine Dworschak, war, so schrieb sie in ihrem Forum, aufgebracht über den Inhalt des Beitrags, in dem ich freimütig schrieb, Schildkröten billig abzugeben – billiger als manch anderer auf den einschlägigen Online-Anzeigenplattformen. Und ich hoffe, dass dieses Handeln (womit nicht meines allein sondern generell die Billigpreislage) eine schädigende Wirkung auf den Gesamtmarkt zur Folge hat. Dass nämlich, so ihre Argumentation, spiele genau den Leuten Tiere in die Hand, die keine oder eine zu geringe Wertschätzung gegenüber den Schildkröten entgegenbringen und sich jetzt gemüßigt fühlen, Tiere zu kaufen, die es alsbald wieder loswerden wollen, wo hingegen, „der Halter, der mich bezahlt hat, das Tier auch zu schätzen weiß und dass es sehr unwahrscheinlich ist, dass ein solches Tier nach bereits kurzer Zeit den Weg in eine Auffangstation findet.“

Das ist nicht neu. 2015 veröffentlichte Horst Köhler eine ähnliche Streitschrift auf der Testudowelt-Seite unter dem Titel „Züchter schadet dem Hobby“ Die Diskussion taucht alle paar Jahre mehr oder weniger intensiv, aber immer hochemotional geführt, in den sozialen Medien auf und ist nach wenigen Tagen wieder verschwunden – und alles bleibt so, wie es war. Die Preise jedenfalls steigen nicht wieder.

Schon bemerkt?

Immer sind es diejenigen, die sich selbst gern als „seriöse Züchter“ sehen und/oder sich so nennen lassen (s. Forumsdiskussion), die sie mit immer den gleichen Argumenten anschieben und befeuern. Und immer paart sich die Klage über den Preisverfall für Schildkröten mit Vorwürfen gegenüber denen, die die Tiere billiger anbieten, „man schade dem Hobby“. Schnell ist in den Diskussionen vom „Verramschen“ mit all der gewollten negativen Konotation dieses Wortes die Rede.
Gleichzeitig jedoch setzen sich die „Hochpreisverfechter“ dem Verdacht aus, gegen die „Billiganbieter“ eigentlich zu allererst zu Felde zu ziehen, weil sie ihre eigenen Pfründe retten zu wollen. Denn es wird zunehmend schwerer, Landschildkröten zu € 80 oder mehr an neue Halter zu verkaufen, wenn man die Tiere auch für den halben Preis bekommen kann. Die „Billigpreisler“ versauen, den „Hochpreislern“ das Geschäft. Das aber wird vehement bestritten, nicht selten heißt es, ihnen habe noch niemand das Geschäft kaputt gemacht. Warum also schimpft man dann gehörig auf die, die einen unterbieten? Marktübliches Gebaren halt.

Mal ehrlich: Welchen Grund kann es für einen Züchter geben, mehr Schildkröteneier in die Inkubatoren zu legen und Tiere nachzuziehen, als man selbst letztlich behalten will?
Doch wohl nur einen: Diese Schildkröten an später an irgendjemanden zu verkaufen.
Einen anderen Grund für eine Zucht außer für den eigenen Bedarf gibt es nicht. Das Thema Erhaltungszucht ist zumindest im Kontext dieser Diskussion außen vor. Das ist nicht ehrenrührig, illegal schon gar nicht, es ist höchstens unehrlich, wenn man behauptet, lediglich aus Liebhaberei zu züchten, wenn man die Tiere später nicht behalten sondern verkaufen will.

Randnotiz – trotzdem nicht unwichtig

Besonders pikant wird es, wenn in digitalen Diskussionen der Ruf nach gesetzlichen Regelungen und Bestimmungen laut wird, wie und was man zu tun habe und dass der Gesetzgeber das bitteschön zu regeln habe – immer natürlich entsprechend der eigenen Vorstellung. Mal soll dies, mal das verboten werden, mal nur noch dieses oder jenes erlaubt sein. Als ob sich irgendein Gesetzgeber um solche Fragen kümmern würde und nicht gleich in Bausch und Bogen dem Ganzen ein Ende macht. Denn Tierrechtsorganisationen arbeiten darauf hin. Und sobald sich die „seriösen“ Züchter in Angriffen gegen „Billiganbieter“ ergehen, sich selbst als Weizen vom Spreu trennen wollen, liefern sie frei Haus Argumente, um Forderungen für ein generelles Verbot von Nachzucht und Verkauf zu stellen.
Wir wissen alle bzw. könnten wissen, was die eigentliche Intention solcher Organisationen ist und welchen Einfluss sie auf die Gesetzgebung haben können: Konsequente Verbote für alle, egal, ob Spreu oder Weizen.
So könnte sich manche Streitschrift langfristig als ein Eigentor erweisen. Auf Betreiben der Tierrechtler ist es zum Beispiel mittlerweile in Österreich ohne expizite behördliche Genehmigung (edit) verboten, Tiere online zum Verkauf anzubieten – was letztlich allen Züchtern, egal, welches Preisniveau sie haben, mehr schadet als nutzt, also auch den „seriösen“ und denen, die nun wirklich seltene Tiere nachziehen und damit helfen, den Bestand zu sichern. Aber das ist ein anderes Thema.

Was eine Schildkröte wert ist

Christine Dworschak formuliert in ihrem Blogtext sehr richtig: „Der Wert eines Tiers ist, nicht anders als der Wert einer Sache, immer der, den ein Käufer bereit ist zu bezahlen.“ So regelt es der Markt.

Dass seit rund zehn Jahren der Preis für Europäische Landschildkröten rapide gefallen ist und weiter fällt, ist eine Tatsache. Der Grund dafür liegt ohne Zweifel darin, dass das der Markt so geregelt hat. Denn es werden mehr Tiere nachgezogen, als der Markt verträgt.
Generell gilt: Ein Überangebot gegenüber einer stagnierenden Nachfrage führt dazu, dass die Preise sinken, dazu gibt es im Konsumgütermarkt hunderte bekannter Beispiele. Aber anders als bei Industrieprodukten setzt sich der Preis eines Tieres nicht vornehmlich aus kalkulierbaren Fertigungskosten, Materialeinsatz, Arbeitsstunden, Allokation von Lager- und Logistikkosten, Overhead, Markteinführung, Werbung… zusammen. Bei Schildkröten und anderen Tieren wird der übliche Marktpreis vor allem durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Steigt das Angebot, sinkt der Preis. Vce versa.

Um ihre Preise zu rechtfertigen und damit gleichzeitig alle, die diese hohen Preise nicht einhalten wollen und deutlich unterbieten, als „Billiganbieter“ oder wie in den Diskussionen zu lesen, als „Verramscher“ zu diskreditieren, bemühen sich Züchter gerne, ausführliche zum Teil höchst abenteuerliche Rechnungen aufzumachen. Da wird ausführlich argumentiert, wie viel Zeit und Geld sie in die Nachzuchten investiert haben. Da werden von Fotodokumentationen über EU-Bescheinigungen, von Gehegebau und Stromkosten, Tierarztchecks, Frühbeeten, Inkubationen etc. Kosten und Arbeitszeiten aufgeführt. Da werden spätere Nachzuchten mit eingerechnet, das alles, um zu rechtfertigen, was gar nicht gerechtfertigt werden muss.

Warum machen diese Züchter das? Warum meinen sie, sich rechtfertigen zu müssen, dass ihre Tiere das Doppelte kosten als in einer Anzeige weiter drüber?
Weil sie sich nicht dem Verdacht aussetzen wollen, mit der Nachzucht der Tiere Geld zu verdienen? Weil das ja nur „Hobby- und Liebhaberzucht“ ist und keinesfalls nur den Hauch einer Gewerblichkeit haben darf?
Weil man sonst selbst schnell vom „seriösen Züchter“ zum „Vermehrer“ degradiert wird?
Oder warum?

Christine Dworschak hat formuliert „Der Wert eines Tiers ist, nicht anders als der Wert einer Sache, immer der, den ein Käufer bereit ist zu bezahlen“? Stimmt doch. Fertig. Was muss man da noch groß erklären?

Den Markt zerschlagen – und es in die Welt herausschreien?

Süffisant und provokativ zugleich wird von Christine Dworschak in dem bereits erwähnten Forum angemerkt, ich sei losgezogen, den Markt zu zerschlagen – und es in die Welt herauszuschreien. Aus dem Kontext erschließt sich, dass nur ich, mein Püppi-Text und meine dazugehörigen Kommentare gemeint sein können.

Ich kann in meinem Beitrag nicht herauslesen, dass ICH den Markt zu zerschlagen gedenke, das steht da nicht und wurde auch von mir nicht zwischen die Zeilen gesagt. Allerdings vertrete ich die Ansicht, dass ich der Preiserosion durchaus positive Aspekte abgewinnen kann. Und dabei bleibe ich – und ja: Darüber schreibe ich auch öffentlich.
Ob man das als „in die Welt hinaus schreien“ qualifizieren will… Nun ja.
Fakt aber ist, dass die fallenden Preise schon so manchen Züchter zum Aufgeben gebracht haben: Immer wieder liest man in Diskussionen und hört dies auf Tagungen. Und zwar immer mit dem gleichen Grund: „Weil es sich nicht mehr lohnt“ Das gibt zu denken.
Und das sind die Momente, in denen ich mich frage, ob der Billigpreis nicht auch gewisse Vorteile mit sich bringt. Wenn sich nämlich in den sozialen Medien, wie gerade erst geschehen, jemand rühmt, in 20 Jahren über 3.000 Schildkröten vermehrt zu haben (also 150 im Jahr), dann ist für mich klar, wo die Wurzel des Übels liegt: Nämlich in der Überflutung des Marktes mit immer mehr Tieren.
Wenn Züchter allerdings feststellen, dass es sich nicht mehr lohnt, und der eine oder andere die Konsequenzen zieht und die Zucht einstellt, dann ist ein erster Schritt getan. Jeder dieser Züchter, der entnervt aufgibt, ist in meinen Augen ein kleiner ein Mosaikstein, den Markt zurückzuführen zu einem Zustand, in dem das Angebot, der Nachfrage entspricht. Im besagten Fall wären das schon 150 Tiere pro Jahr weniger.

Zwar wird in diesem Zusammenhang gern auch immer auf die „Zuchtfarmen im Ausland“ verwiesen – ich denke aber, die meisten Tiere, die hierzulande angeboten werden, stammen von hiesigen Großzüchtern, von eben diesen Leuten, die hundert oder mehr Tiere jedes Jahr produzieren. Diejenigen, die den Markt nicht den „Zuchtfarmtieren aus dem Ausland überlassen wollen“ und auch das immer wieder als Argument, selbst zu züchten, anführen, müssten überhaupt erst einmal quantifizieren, von vielen Tieren, die aus solchen Farmen stammen und hierzulande angeboten werden, wir überhaupt reden.

Sortimentsbereinigungen

Übrigens sind es nicht nur Züchter, die auf die Billigangebote im Markt reagieren. So hat zum Beispiel der Franchisenehmer von rund 30 Hagebau-Märkten in und um München vor etwa zwei Jahren den Verkauf von lebenden Tieren (bis auf Fische) eingestellt. Das erreicht zu haben, schreiben sich zwar engagierte Tierschützer auf die Fahnen.
Die Wahrheit, spricht man mit den Mitarbeitern in den Märkten, ist allerdings eine andere.
Der Franchisenehmer kalkuliert ganz genau den Umsatz pro Quadratmeter Verkaufsfläche. Lebende Terrarientiere und Kleinnager bringen dabei weniger und weniger Umsatz. Der Verkauf von Tierzubehör wie Hundefutter oder Reiterbedarf, also schnell drehender Ware, ist deutlich lukrativer. Vor allem muss diese Ware niemand betreuen. Tierzubehör darf zudem jeder Mitarbeiter verkaufen. Bei lebenden Tieren ist das anders. Sprich: Hier muss ein Fachverkäufer mit Sachkundenachweis vorhanden sein und so – ein Schelm wer Böses dabei denkt – lassen sich auch mit der Sortimentsbereinigung und dem Aus für Schildkröten, Bartagamen, Kornnattern und Co. im Markt auch Personalkosten einsparen.
In Kurzform heißt das: Die Tiere flogen aus dem Sortiment, weil es sich einfach nicht mehr lohnt. Für Hagebau München ist der Markt ist kaputt.
Und das finde ich persönlich gar nicht schlecht. Denn mit jeder Schildkröte, die nicht im Baumarkt oder Gartencenter verkauft wird, wächst die Chance, dass ein Tier weniger in dem vielleicht gleich mitverkauften Terrarium auf Holzschnipseln oder Kokosfasersubstrat nebst ebenfalls mitverkaufter Wärmematte gehalten wird. Natürlich ist das nicht so, dass alle Tiere, die dort gekauft wurden, auch so gehalten werden. Aber das nicht endende Stöhnen in den sozialen Medien über die schlechte Beratung im Zoohandel ist ein zuverlässiges Indiz dafür, dass es vielfach so war.
Ein Züchter verkauft nämlich i.d.R. den ganzen unnötigen Kram nicht mit – egal ob ein „Seriöser“ oder „Verramscher“ ist. Ich bleibe dabei, die Preiserosion hat auch seine guten Seiten.

Wenn sich jetzt auch die „seriösen“ Züchter darauf verständigen würden, für einige Jahre gar keine Eier mehr zu inkubieren, wäre das nach ihrer eigenen Argumentation ein aktiver Beitrag zum „Wohl der Tiere“, mit dem sie ja selbst immer argumentieren.
Ein frommer Wunsch – ich weiß. € 80 oder mehr für einen Schlüpfling vom Vorjahr – wie auch in Christine Dworschaks Beitrag erwähnt – sind eben auch ein nettes Geschäft. Und da ist ganz sicher trotz aller Preislegitimation, man verdiene ja nichts, eine respektable Marge drin, deutlich mehr vor allem als bei € 40. Da kann man wohl nicht „Nein!“ sagen…

Die Wahl des Käufers

Das zentrale Argument der „seriösen Züchter“ ist, dass der günstige Preis eine Wertschmälerung des Tieres und damit ein Verlust der Wertschätzung einher geht. Weil „was billig ist, eben nichts wert“ ist.
Daraus folgern sie, dass solche Angebote zu einem Impulskaufverhalten führen, vor allem bei denen, die sich mit Schildkröten nicht auskennen, die sich nicht vorbereitet haben, die keine Gehege gebaut haben oder bauen wollen, die die Tiere im Hamsterauslauf in der Wohnung halten.
Woher nehmen sie das profunde Wissen? Woher haben sie die Gewissheit, dass alle Menschen, die lieber eine Schildkröte für € 40 statt € 80 kaufen, so ticken und nicht anders?
Oder: Woher nehmen sie umgekehrt das Wissen, dass sich alle Halter, die sich höherpreisig ein Tier zulegen, per se qualifizieren, dieses auch gut zu halten?
Letztlich beträgt der Preisunterschied auch nicht gerade Riesensummen. Wir reden hier von 30 oder 40 €, selten mehr. Ist das die sichere Trennscheide zwischen guten und schlechten zukünftigen Haltern?

Vollends außer acht aber lassen die Apologeten der Hochpreisangebote, dass jeder (!) Verkäufer die Wahl hat, wem er seine Tiere anbietet und wem nicht – und zwar vollkommen unabhängig von seiner Preispolitik. Man muss Leuten, deren Haltungsbedingungen möglicherweise ungeeignet sind, kein Tier verkaufen. Das aber wird postwendend pauschal unterstellt.

Mir stellt sich viel eher die Frage, ob Massenvermehrer mit 150 Schildkröten im Jahr oder auch gewerbliche Händler nicht schneller Fünfe gerade sein lassen und sie, selbst wenn ihnen der Kunde als wenig geeignet erscheint, trotzdem ein Tier abgeben? Denn der Abgabedruck erhöht sich ständig mit der Zahl der ausgebrüteten Tiere. Und das jedes Jahr.
Noch einmal: Warum soll einer, der seine Tiere für 40 € anbietet die Käufer weniger sorgfältig auswählen als einer, der 80 € oder mehr verlangt? Aber genauso wird es völlig automatisch jedem „Verramscher“ unterstellt.

Und noch etwas: Jeder Verkäufer kann – wenn er will – gut beraten, sich anschließend für Fragen zur Verfügung stellen, kann Käufer vor Ort besuchen. Das hat rein gar nichts mit dem Preis zu tun, für den das Tiere den Besitzer gewechselt hat. Ist die Beratung von jemandem, der € 40 verlangt automatisch schlechter als die eines anderen, der € 80 nimmt oder die eines Zoohändlers, der € 120 nimmt? Wohl kaum. Die Qualität der Beratung durch den Verkäufer hat überhaupt nichts mit dem Abgabepreis zu tun.

Guter Platz vor gutem Preis

Warum überhaupt über die Preise diskutieren? Sollte es uns nicht in erster Linie darum, zum Wohl der Tiere einen guten Platz für seine Nachzuchten zu finden sofern wir denn überhaupt noch welche habe?
Wenn ich mit einem niedrigen Preis zum Beispiel acht Anfragen potentieller Kunden erhalte, dann habe ich als Halter die Wahl, die geeigneten zu finden und anderen abzusagen. Noch einmal: Nicht der hohe Abgabepreis sichert den Babyschildkröten ein gutes neues Zuhause – es ist die Entscheidung des Verkäufers, ob er einen Kunden akzeptiert oder nicht. Jemandem aber zu unterstellen, weil er sein Tier für den halben Preis verramscht, sei es ihm auch völlig egal, wie das Tier dann gehalten wird, und dass es sowieso früher oder später in einer Auffangstation landen wird, ist nicht nur absurd – es ist anmaßend.

Warum nicht verschenken?

Christine Dworschak schlägt vor, statt die Tiere zu Billigpreisen anzubieten, könne man sie doch gleich zu verschenken. Damit aber führt sie ihre eigene Argumentation, was nichts wert ist, wird auch nicht wertgeschätzt vollends ad absurdum: Warum sollte ein Käufer, der sich eine Schildkröte für einen kleinen Preis von € 30 oder € 40 gekauft hat, diese weniger wert schätzen als jemand, der sie von vorneherein geschenkt bekommt, wie Christine Dworschak es vorgeschlagen hat?
Warum soll er diesem Tier nicht die gleiche Liebe, Pflege angedeihen lassen, auch Kosten für Tierarztbesuche übernehmen, wie jemand, der für das Tier erst gar nichts bezahlt hat?
Wenn gilt: dass nichts einen Wert hat, was billig war, dann gilt wohl noch mehr, dass nichts einen Wert hat, was es umsonst gab. Wobei der Effekt für den Markt vermutlich der Gleiche wäre und sich „seriöse Züchter“ über solche Verschenkaktionen möglicherweise erst recht empören würden.

Fazit: Meine Tiere – mein Preis

Treffender als die Formulierung, wie sie Barbara Hentschke in einer Facebook-Diskussion aber auch in ihrem Kommentar zum „Püppis“-Beitrag formuliert hat, kann man es nicht auf den Punkt bringen. Ergänzen könnte man noch

Meine Tiere – mein Preis – Meine Entscheidung, wer ein Tier bekommt und wer nicht

Es liegt allein im Ermessen desjenigen, der die Tiere anbietet, welchen Preis er nimmt oder sie umsonst hergibt. Aber letztlich bestimmt sowieso zuallererst der Markt den Preis, den man für ein Tier erzielen kann und damit, was eine Schildkröte wert (im Sinne eines „Warenwerts“) ist.
Das bestimmen nicht die „seriösen Züchter“ – und schon gar nicht für andere. So gerne sie es vielleicht auch würden.

Meine Meinung. Und dabei bleibe ich!

6 Kommentare


  1. Genau so. Ich züchte seit Jahren nicht mehr, Naturbruten sind bei den Temperaturen jedoch immer möglich. Wenn ich Schildkröten abgebe, dann nur an Personen, welche mir grundsätzliches Wissen vorweisen können. Im weiteren muss die artgerechte Haltung gesichert sein. Ob ich schlussendlich an den abgegeben Tieren was verdiene, geht mir sowas von am A… vorbei. Mir ist das zukünftige Wohl meiner Tiere wichtig und nicht Verdienst. Deshalb sage ich auch bei mehr als 80% der Anfragen – Nein.


  2. Mal ein Kommentar eines Kunden, bzw. Nichtkunden. Für mich gehört der Handel mit Wildtieren generell verboten. Das Züchten sollte nur zur Arterhaltung dienen und einigen Wenigen vorbehalten bleiben. Mein Beitrag um Massen-Vermehrer zu boykottieren: Ich kaufe prinzipiell keine Schildkröten, da mir der Überblick seriös oder nicht fehlt und diese Tiere eigentlich nicht gehandelt werden sollten. So haben 3 Russen-Weibchen aus 15Jahre Wohnungshaltung ein artgerechtes zuhause bei mir bekommen und ich würde nicht im Traum daran denken, mit ihnen zu züchten. Wie gesagt, wir haben genug Tiere, die sich auf Verkaufsplattformen tummeln.
    Der Preis ist für dieses Problem sowas von nebensächlich. Das Übel gehört an der Wurzel gepackt. Unbeabsichtigte Naturbruten ausgeschlossen, sollte die Zucht drastisch reguliert werden. Wenn nötig gesetzlich.
    Wir haben eine Verantwortung gegenüber diesen Tieren und die sollte sich so präsentieren, daß ausschließlich der Fokus auf Arterhaltung gelegt werden sollte.
    Ich muss keine Schildkröte besitzen, um der Faszination der Art zu erliegen.


  3. Ich zitiere aus dem Beitrag von H. Prauser:

    Wenn sich jetzt auch die „seriösen“ Züchter darauf verständigen würden, für einige Jahre gar keine Eier mehr zu inkubieren, wäre das nach ihrer eigenen Argumentation ein aktiver Beitrag zum „Wohl der Tiere“, mit dem sie ja selbst immer argumentieren.

    Genau DAS ist auch meine Meinung.

    Ich selber züchte seit vielen Jahren nicht mehr, was in einem bestimmten Forum – aber nicht hier! – gar nicht gut ankam. Das ist eben MEINE Entscheidung. Im übrigen habe ich meine – ohnehin nur wenigen – Nachzuchttiere grundsätzlich verschenkt, und das nur an sehr gute Bekannte, von denen ich wußte, daß sie die Tiere sehr gut halten würden. An Fremde hätte ich meine Nachzuchttiere niemals abgegeben. (Im Übrigen habe ich sogar 2 sehr schöne, adulte weibliche Thbs aus Platzgründen an andere gute Halter verschenkt )
    Ich frage mich schon, ob es bei diesem großen Angebot an Nachzuchttieren (ja, die Massenvermehrer gibt es eben) überhaupt noch möglich ist, den Tieren wirklich gute Plätze zu sichern? Gut, daß ich mir darüber keine Gedanken mehr machen muß, für mich ist dieses Thema abgeschlossen.


  4. Nach wie vor meine Meinung: Meine Tiere – mein Preis.
    Ich darf bestimmen, ob ich meine Tiere teuer oder günstig verkaufe oder sogar verschenke. Ich habe z.B. schon zwei adulte schön gewachsene Thb-Weibchen und eine kleine verwachsene Thherci gegen eine Spende an eine Auffangstation abgegeben. Drei Frauen und drei Schildkröten haben davon profitiert. Ich war glücklich, dass die Weibchen in ein so schönes Gehege kamen. Die Übernehmerin war glücklich, dass sie für „kleines Geld“ drei Weibchen bekam und die Leiterin der Auffangstation war glücklich, weil sie die Spende gut gebrauchen konnte. Solange man dafür sorgt, dass die Schildkröten in eine naturnahe und artgerechte Haltung kommen, ist der Preis den man dafür erzielt zweitrangig. Und es gibt auch keine Garantie dafür, dass man „teuer“ eingekaufte Schildkröten gut hält. Ich habe eine Spaltenschildkröte hier, die wurde von den Vorhaltern für viel Geld gekauft. Und dieses Tier war gesundheitlich nicht so wirklich gut dran. Bei der Vorhaltung mangelte es an verschiedenen Parametern. Für mich ein Zeichen dafür, es ist egal wie viel man für eine Schildkröte bezahlt, oder ob man sie sogar geschenkt bekommt. Wenn die Haltung nachher nicht stimmt, nutzt der teure Einkaufspreis auch nichts. Wenn ich Tiere abgebe, will ich nicht verdienen, sondern ich will, dass sie das bestmögliche Zuhause bekommen.
    Ich habe aber auch überhaupt kein Problem damit, wenn ein Züchter seine Tiere teurer verkauft. Warum nicht? Jeder macht das so wie er das für sich als richtig und gut empfindet. Und ich denke, man sollte die Meinung des anderen respektieren und tolerant sein.


  5. Danke für die Richtigstellung – wurde soeben in dem Beitrag korrigiert.


  6. In Österreich ist es sehr wohl erlaubt Schildkröten und andere Tiere online zu verkaufen. Dafür benötigt man allerdings eine Zuchtgenehmigung von der Behörde, dann ist dies ohne Probleme möglich.
    Den sogenannten „Massenvermehrern“ ist es also schon möglich ihre Nachzuchten anzubieten. Nur denjenigen ohne Papiere (im Falle von Schildkröten) und fehlender Genehmigung durch die Behörde ist dies nicht mehr möglich – und das ist auch gut so!

    Man sollte sich vorher genau informieren wie das in anderen Ländern funktioniert und eine gründliche Recherche betreiben!

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