Nachwuchs bei den Spaltenschildkröten

Von Torsten Kiefer

In meinen ersten beiden Teilen (Teil 2 unter diesem Link) hier auf Testudowelt durfte ich meine ersten Erfahrungen mit diesen „Pfannkuchen“ beschreiben. Danach folgte noch ein Bericht über das neue Zuhause der Pancake turtle. Seit dieser Zeit hat sich dann doch einiges getan, was dann auch Anlass war, einen weiteren Bericht zu schreiben.

Nachdem sich unsere beiden Mädels an ihr neues Gehege gewöhnt hatten, kam dann die Idee ein Männchen hinzu zu nehmen. Doch hier begannen dann schon die Probleme. Spaltenschildkröten sind nicht so einfach zu bekommen und unser Züchter aus dem Saarland hatte zur Zeit nur Weibchen zum Verkauf. Auch der nächste Züchter, den ich anschrieb, hatte nur Weibchen abzugeben. Eigentlich ungewöhnlich für Landschildkröten, da fast immer nur Männchen zum Verkauf angeboten werden. Also wandte ich mich an meine liebe Schildkrötenbekannte Barbara Hentschke (sie hält u.a. auch Spaltenschildkröten) und fragte sie nach Rat.

Reise nach Wuppertal

Und tatsächlich, wie so soft, Barbara konnte mir weiterhelfen:
Da sie selbst noch ein Weibchen suchte und bereits vorher schon mit dem Aquazoo in Düsseldorf sehr gute Erfahrungen gemacht hatte (von dort hatte sie bereits schon ein Tier)machten wir einen Termin aus.
Also sind wir erst mal zur Frau Hentschke und haben gestaunt über Ihre Haltung der Spaltenschildkröten und der griechischen Landschildkröten. Nach einem netten Plausch sind wir dann anschließend nach Düsseldorf.
Und wir bereuten es nicht! Wunderschöne Tiere und Nachzuchten und eine tolle Anlage! Barbara suchte sich ein wunderschönes Weibchen aus. Auch Männchen waren einige zur Abgabe bereit. Doch wie so oft konnte ich mich nicht entscheiden und überließ diese Entscheidung wie immer meiner Frau Sonja.
Mit „fetter Beute“ ging es dann wieder zurück ins Schildkrötenparadies von Barbara Hentschke. Nach einem Stück Kuchen,einer Tasse Kaffee und langen Gesprächen ging es dann wieder Richtung Hunsrück.

Wieder im Hunsrück

Daheim angekommen, wurde das Männchen direkt ins Innengehege gesetzt. Hierzu möchte ich kurz erwähnen, das normalerweise eine Quarantänezeit von 1 bis 2 Jahre eingehalten werden sollte. Die Tiere im Aquazoo werden aber regelmäßig untersucht, getestet und von einem schildkrötenerfahrenen Tierarzt durchgecheckt, sodass ich das kleine Restrisiko einging. Das sollte aber jeder für sich selbst entscheiden! Aber in diesem Fall fand ich das Risiko minimal.

Wie ja schon in den ersten Teilen erwähnt sind Spaltenschildkröten sehr scheu Tiere und reagieren auf Veränderungen sehr empfindlich. Das Männchen rannte also so schnell es konnte in die nächste, freie Spalte und verharrte dort. Aufgrund ihres weichen, flexiblen Panzers können sich die Tiere bis in die hinterste Ecke verkriechen und können sich bei Gefahr noch zusätzlich in der Spalte verkeilen, indem sie mit den Hinterbeinen den Carapax hoch stemmen. Es ist dann unmöglich das Tier aus der Spalte zu bekommen.
Also lies ich den Neuankömmling in Ruhe und beobachtete nur. Zum Fressen kam das Männchen dann mal raus und rannte dann wieder in sein Versteck, sobald ich mich dann zeigte. Und Spaltenschildkröten können wirklich schnell durch das Gehege wuseln. Es dauerte dann wirklich einige Wochen, bis das Tier dann auch mal sitzen blieb, wenn ich sie beobachtete.

Nachzucht

Natürlich denkt man schon über Nachtzuchten nah, gerade weil diese faszinierende Art noch nicht so oft gepflegt wird. Und Anfang 2018 war es dann auch so weit: Unser Männchen hatte nun die Scheu abgelegt und interessierte sich immer mehr für die beiden Weibchen. Die ersten Aufreitversuche konnte ich beobachten, was ich aber mehr als Imponiergehabe wertete, da ich die dreien für Nachwuchs etwas zu jung fand (zumindest waren das zu diesem Zeitpunkt noch meine Erfahrungen von den griechischen Landschildkröten).
Wochen später wurden die Weibchen unruhiger und sind im Innengehege herumgeklettert. Auch diese Verhalten ist mir ja von ihren europäischen Verwandten bekannt, wenn diese kurz vor der Eiablage sind. Kurze Zeit später fanden dann auch die ersten „Probebohrungen“ statt. Das Verhalten änderte sich dann auch in der Hinsicht, das die Tiere sich nicht in ihre Spalte verzogen, sondern den ganzen Tag (auch Nachts) an dieser Stelle verweilten. Sie fingen wieder an mit ihren Hinterfüßen zu graben aber anschließend auch wieder die Grube zu verschließen. So ging es dann ein paar Tage so. Die Stelle war wohl richtig, aber der Zeitpunkt noch nicht da?

Die erste Eiablage


Zufälligerweise war ich dann eines Abends im Büro und sah, wie das Weibchen wieder dabei war, die Grube zu verschließen. Also fing ich dort an zu graben und tatsächlich: Das Weibchen hatte ihr erstes Ei gelegt. Die Freude war natürlich riesig und ich legte das Ei in den Inkubator (obwohl ich davon ausging, das dieses Ei nicht befruchtet war). Ein paar Tage später war auch das zweite Weibchen am graben und blieb auch dort einige Tage am Platz (bewachte es „sein“ Ablageplatz?). Auch dieses Weibchen legte dann ein Ei (Spaltenschildkröten legen nur eines, maximal zwei Eier) und verschwand nach dem zu schütten der Grube in „seine“ Spalte. Fand ich schon sehr interessant, das beide Weibchen ihren Ablageplatz die ganze Zeit bis zur Eiablage nicht verließen.
Doch wie ich es mir schon gedacht hatte: Die Eier waren nicht befruchtet und auch die Eier, die ca. 3 Wochen später von den Weibchen an der selben Stelle abgelegt wurden, waren nicht befruchtet.
Anfang September dann wieder das selbe Schauspiel: Die Weibchen gingen nervös durch das Innengehege und verweilten dann wieder an den selben Plätzen.
Eines Morgens, Mitte September 2018, sah ich dann, das eines der Weibchen wieder in seiner Spalte saß und ihre Grube wohl kurz vorher wieder frisch verschlossen hatte. Also wieder etwas gegraben und tatsächlich lag wieder ein ca. 4 cm längliches Ei in der Grube. Ich nahm es dann vorsichtig raus und legte es in den Inkubator bei 31, 5 Grad und einer Luftfeuchte von ca. 70 Prozent.

Ein kleiner „Pfannkuchen“!

Am 31.01.2019, knapp 4 Monate später, blickte ich wie jeden morgen in den Inkubator und war freudig überrascht. Sah mich doch tatsächlich eine kleine „Pancake“ an.
Ich nahm den Kleinen und setzte es gleich ins Innengehege zu den adulten Tieren. Ich war überrascht, wie agil das Jungtier war und sich unter der Wärmelampe gleich mal bequem machte. Kurze Zeit später ging es dann auch schon auf Entdeckungstour. Da es ja in ihren Habitaten zur Zeit „Regenzeit“ ist, wollte ich dem Kleinen was gutes tun und ihm ein kurzes Bad gönnen. Schon beim ersten „Regenschauer“ fing das Tier gierig an aus den Pfützen zu trinken. Leider hatte ich an dem Morgen nicht mehr viel Zeit, so dass ich meine Frau beauftragen musste, das Jungtier und die adulten Tiere etwas zu beobachten.

Aus anderen Berichten (Bidmon,Schildkröten im Fokus 02/2012, Dworschak, Schildkröten im Fokus 02/2016) hatte ich schon erfahren, das die Elterntiere sehr behutsam mit ihrem Nachwuchs umgehen. Was ich erhofft hatte, konnte dann auch meine Frau beobachten: Die Elterntiere und das andere adulte Weibchen ließen den neuen Bewohner in Ruhe. Der kleine „Pfannkuchen“ suchte sogar gezielt die Nähe der adulten Tiere und die ließen auch alles mit sich machen was dieses Bild auch gut dokumentiert. Unser Innengehege ist zwar groß genug, aber eine passende Spalte hat der Kleine noch nicht gefunden und rannte dann immer mal wieder von einem Platz zum andere. Ein größere Spalte ist zwar frei, wird aber aus irgendwelchen Gründen von den Tiere als Unterschlupf fast komplett gemieden. Ein Weibchen hat eine Spalte für sich und das andere Weibchen teilt sich eine Felsenspalte mit dem Männchen. Es sind durch die Aufbauten zwar mehrere kleine Ritzen oder Spalten im Gehege, aber für den Winzling noch nicht passendes dabei zu sein. Also hatte ich unter einem Schieferstein etwas Erde weggenommen und kurze Zeit später verkroch sich die kleine Nachzucht schon darunter. Scheint wohl genau richtig zu sein, denn das Tier blieb dann auch dort und geht seither regelmäßig nach dem Fressen oder Trinken unter den Stein.

Durch das Innengehege im Büro habe ich, im Gegensatz zu den europäischen Verwandten im Freigehege, natürlich auch wesentlich mehr Zeit und Möglichkeiten die Tiere zu beobachten (was besonders in den Wintermonaten sehr schön ist) und ich bin positiv überrascht, wie sich der kleine „Pfannkuchen“ bisher eingelebt hat und auch die adulten Tiere den neuen „Mitbewohner“ bisher akzeptieren. Es ist immer wieder beeindruckend, wenn solch ein kleines Lebewesen aus dem Ei schlüpft und sich dann gleich eigenständig auf den Weg macht um das Abenteuer „Leben“ zu beginnen.

 

Text und alle Bilder: Torsten Kiefer. Alle Rechte beim Autor

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