Schildkrötensafari mit Elke Wallrapp (Folge 65)

Unserer nächsten Schildkrötendarstellung in Paris begegnen wir an einem eher ungewöhnlichen Ort, nämlich auf dem Friedhof „Père Lachaise“.

„Père Lachaise“ ist mit 44 Hektar der größte Friedhof von Paris, ist parkähnlich gestaltet und entstand Anfang des 19. Jahrhunderts.
Mehr als 4000 Bäume soll es hier geben und an sonnigen Tagen dient dieser Friedhof als Erholungsort für die Städter.
Sie genießen ihre Mittagspause in der Ruhe dieser schönen Anlage, sitzen auf den schattigen Bänken oder erfreuen sich an dem wunderbaren Blick auf einen Teil der Stadt.
Die Touristen dagegen, laufen die Friedhofsstraßen ab und suchen die letzten Ruhestätten des einen oder anderen Prominenten. Und davon gibt es hier viele, wie z. B. Jean de la Fontaine, Oscar Wilde, Georges Cuvier, Edith Piaf oder Jim Morrison.

Viele alte und verfallene Gräber werden inzwischen durch neue ersetzt, doch ein großer Teil bleibt erhalten, so auch das Grab mit den Schildkröten.

Auch wir suchten vor langer Zeit dieses eine Grab. Wir liefen durch große Friedhofsstraßen, folgten schmalen Wegen und kreuzten enge Gassen, immer den Blick auf die unzähligen Grabsteine und kleinen Mausoleen gerichtet. Diese sind aus den unterschiedlichsten Materialien und in jedem denkbaren Stil gestaltet, da es diesbezüglich keine genauen Vorschriften gibt.
Wir verbrachten mehrere Stunden in dem „Gräbergewirr“ – nur das mit den Schildkröten war nirgendwo zu entdecken.
Mehrfach fragten wir nach, doch auch die Friedhofsangestellten kannten das Grab nicht und wir hörten oft, dass es dieses Grab vielleicht gar nicht mehr gibt.
Kurz vor dem Aufgeben und in Richtung der „Avenue Principale“ unterwegs, fanden wir es dann doch noch!

Es wäre so einfach gewesen, wenn wir von Anfang an, den Friedhof durch das Hauptportal betreten hätten…!

Denn dort, in der „Avenue Principale“ befindet sich das Grab von „Joseph Joachim da Gama Machado“ (1775-1861), einem angesehenen Ornithologen und Naturforscher. Er wurde in Portugal geboren, dort zum Kommandant des Ordens Christi ernannt, war Mitglied der Lissabonner Akademie der Wissenschaften und lebte als Gesandtschaftsberater in Paris.

Sein recht schlichtes Grabmal wird von einer Steinpyramide verziert, die von vier Landschildkröten getragen wird. An den Seiten der Pyramide entdecken wir eingravierte Tiermotive und eine Sonne. Diese Gestaltung orientiert sich stark an orientalischen Monumenten.

Auch wenn die vier Schildkröten inzwischen von Moos bewachsen und mit Erde verschmiert sind, können wir sie gut erkennen. Sie symbolisieren die Ewigkeit und eine gewisse Stabilität.
Ganz oben an der Spitze der Pyramide sehen wir ein steinernes Ei, welches für die Fruchtbarkeit steht.
Die Beschriftung des Grabes lautet wie folgt: Le Commandeur Da Gama Machado, 9.Juni 1861.

Vielleicht handelt es sich bei diesen Schildkröten nicht um die schönsten von Paris, aber der Friedhof „Père Lachaise“ ist auf jeden Fall einen Besuch wert und nur wer ihn besucht hat, kann unsere fast verzweifelte Suche nachempfinden.

 

Text und Fotos: Elke Wallrapp. Alle Rechte bei der Autorin.

1 Kommentar


  1. Es fasziniert mich in jedem Beitrag von Elke Wallrapp, wo überall sie auf Schildkröten trifft. Diese Tiere haben scheinbar die Menschen immer schon sehr fasziniert. Nur eben anders als heute vielfach. Sie sind auf dem besten Weg, nichts Besonderes mehr zu sein. Ob sie in künftigen Generationen irgendwelche Künstler noch inspirieren, sie in Skulpturen, in Säulen und Treppengeländer, in Brunnen und an Hausfassaden oder als Träger unseres Planeten zu verewigen?

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