Schildkrötensafari mit Elke Wallrapp (Folge 64)

Endlich Paris – Sehnsuchtsziel, die Stadt der Liebe; ja und vielleicht auch der Schildkröten. Viele öffentliche Gebäude, Parks und Brunnen sind mit Schildkröten verziert. Auch in den unzähligen Museen können wir sie finden. Manchmal auch nur in der Darstellung einer Lyra (Chelys/Schildkrötenleier).

Sechs Monate lang schauen wir uns in Paris um und besuchen einen Teil der Schildkrötendarstellungen.

Schon in meiner Jugend war ich oft in Paris unterwegs, immer begleitet von meinem Vater.
Damals fuhren wir für 19,00 DM mit dem Bus über Nacht hin, verbrachten einen Tag in Paris und fuhren dann nachts wieder nach Hause. Heute benutzen wir den Zug und verbringen die Nächte im Hotel.
Unser Ziel waren immer die abwechslungsreichen Flohmärkte und das Auffinden neuer Schildkröten. Oft mussten wir lange suchen und liefen so manchen Umweg. Aber bis auf wenige Ausnahmen kamen wir letztendlich immer zum (Schildkröten) Ziel.
Bis heute hat sich daran nichts geändert – vielleicht sind wir nur etwas langsamer geworden.

Unser erster Spaziergang führt uns mitten ins Zentrum von Paris, zum ältesten Teil, auf die „Ile de la Cité“. Und hier begegnen wir gleich zwei Schildkrötendarstellungen.

Wir besuchen die atemberaubende „Sainte Chapelle“ und den etwas nüchternen Justizpalast, denn sie beide gehörten in vergangenen Zeiten zusammen und beherbergten französische Könige (circa 10. bis 14. Jahrhundert).

Um das Areal betreten zu dürfen, müssen wir eine umfassende Sicherheitskontrolle in der „Bd du Palais“ passieren und gelangen dann von hinten zur heiligen Kapelle.

In nur sechs Jahren (1242-1248) wurde sie, unter anderem als Aufbewahrungsort für besondere Reliquien, gebaut und besteht aus einer Ober- und Unterkirche, deren Eingang jeweils durch eine Veranda geschützt ist.
Im Jahr 1846 wurde sie restauriert.

Die nüchterne Unterkirche war für das Palastpersonal bestimmt, die in farbiges Licht getauchte Oberkirche für den Adel, Klerus, den König und seine Vertrauten.
Der Adel und der Klerus gelangten über eine Wendeltreppe in die obere Kirche, der König und sein Gefolge kamen direkt über die Außengalerie (Galerie des Merciers), die mit dem Palast und den königlichen Gemächern verbunden war.

Für uns ist nur das obere Portal von Bedeutung. Denn die Steinbasis dieses Portals ist auf beiden Seiten mit biblischen Reliefs verziert.
Unter anderem können wir Szenen aus dem Buch Genesis (Kapitel 6-9/ Noah und die Sintflut) entdecken.
Ein Bild zeigt, wie die unterschiedlichsten Tiere, immer paarweise, auf dem Weg zur Arche sind und diese betreten. Rechts unten können wir auch zwei kleine Landschildkröten ausmachen – auch sie befinden sich auf den Weg hinein.

Um in den Justizpalast zu gelangen, müssen wir die „Sainte Chapelle“ verlassen und ein paar Meter laufen. Über eine breite Treppe und einen Gang gelangen wir in eine große, etwas dunkle Halle, den „Salle des Pas Perdus“. An den Seiten des Raumes können wir einige Figurengruppen ausmachen und eine davon schauen wir uns nun näher an.

Auf einem Steinpodest entdecken wir eine majestätische Männergestalt mit erhobenem Kinn, offener Robe und einer Hand auf dem Herzen. Es handelt sich um „Pierre-Antoine Berryer“ (1790-1868), wie uns ein Schriftzug zeigt. Er war ein bekannter Anwalt und Politiker seiner Epoche.
Über ihm prangen die Worte „Forum et Jus“ (öffentlicher Platz und Gerechtigkeit), die sein politisches und juristisches Leben beschreiben.
Seine Gestalt ist von zwei sitzenden Frauen umgeben. Die linke stellt die Beredsamkeit dar und die rechte Frauengestalt die Gerechtigkeit.
Ihr linker Fuß ruht auf einer, aus weißem Marmor gefertigten, Landschildkröte.
Ihre Anwesenheit hier ist symbolisch zu sehen. Zum einen weist sie auf die Weisheit der Justiz hin und zum anderen aber auch auf die heutige Langsamkeit genau dieser.

Diese Statue wurde von dem Bildhauer „Henri-Michel-Antoine Chapu“ (1833-1891) gefertigt.

 

Text und Fotos: Elke Wallrapp. Alle Rechte bei der Autorin.

1 Kommentar


  1. Das sind ja tolle Suchbildchen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Wenn Sie einen Kommentar hinterlassen, speichert das System automatisch folgende Daten: Ihren Namen oder Ihr Pseudonym (Pflichtangabe / wird veröffentlicht)

1. Ihre E-Mail-Adresse (Pflichtangabe / wird nicht veröffentlicht)
2. Ihre IP (Die IP wird nach 60 Tagen automatisch gelöscht)
3. Datum und Uhrzeit des abgegebenen Kommentars
4. Eine Website (freiwillige Angabe)
5. Ihren Kommentartext und dort enthaltene personenbezogene Daten

Achtung: Mit Absenden des Kommentars erklären Sie sich damit einverstanden, dass alle eingegebenen Daten und die IP-Adresse nur zum Zweck der Spamvermeidung durch das Programm Akismet in den USA überprüft und gespeichert werden. Weitere Informationen zu Akismet und Widerrufsmöglichkeiten.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.