Ein schwächelndes Monster

Berthold

Geierschildkröte Berthold in der Münchner Reptilienauffangstation
 Beeindruckend: 38 kg schwer – über einen Meter lang! Ein Schädel wie ein Dinosaurier mit messerscharfem Geierschnabel!  Ein perfekter Lauerjäger in den Sümpfen Amerikas! Doch was wurde er durch die jahrelange falsche Haltung in Menschenhand: Ein träges, muskelschwaches, kaum mehr bewegungsfähiges Tier: die Geierschildkröte Berthold!
Die Leidensgeschichte von Berthold begann vor über 53 Jahren, als er als Baby von einem Schildkrötenliebhaber gekauft wurde. Die Haltung von Geierschildkröten (Macrochelys temminckii) war damals in Deutschland noch nicht verboten. Das Tier konnte legal erworben werden. Seither wurde er in einer Plastikwanne gehalten, wöchentlich mit Fleisch gefüttert und sein Schicksal nahm einen tragischen Verlauf. So wurde aus der kleinen Geierschildkröte im Laufe der Jahre ein immer größerer, 38 Kilogramm schwerer Koloss.

Auch als sich Berthold endlich nicht mehr in seinem zum engen Gefängnis gewordenen Bottich umdrehen konnte, wurde ihm von seinem Halter kein größeres Gehege zur Verfügung gestellt. Berthold ist mit 53 Jahren aber noch immer eine relativ jugendliche Geierschildkröte im besten Alter. Tiere dieser Art können über 150 Jahre alt werden.

Ein Dauergast in München

Im Gegensatz dazu konnte der mittlerweile vom Alter gezeichnete Besitzer von Berthold die Pflege nicht mehr bewerkstelligen. Die Behörden wurden auf das Tier und seine Lebensumstände aufmerksam. Berthold musste vom Besitzer abgegeben werden. Über den Deutschen Tierschutzbund und die Akademie für Tierschutz sowie über die Umweltministerien der Länder wurde eine Bleibe für das riesige Tier in ganz Deutschland gesucht und schließlich in der Auffangstation für Reptilien, München gefunden.

Mitarbeiter des Tierheims Berlin brachten Berthold in die Auffangstation, wo mit Entsetzen festgestellt wurde, dass Berthold nur noch atrophierte Muskulatur besaß, nicht richtig schwimmen oder umherlaufen und seinen schweren fußballgroßen Kopf außerhalb des Wassers kaum noch heben konnte. Das Tier leidet unter extremem Muskelschwund.

Nur durch gezielte Physiotherapie, eine „behindertengerechte“ Unterbringung und viel Fürsorge für das „schwächelnde Monster“ gelang es, ihm langsam wieder Kraft und Bewegungsvermögen zurück zu geben. Mittlerweile kann er sich in 12 qm und 50 cm tiefem Wasser bei angenehmen 26°C Wassertemperatur und kleinen Barschen als Mitbewohnern tummeln, verstecken und Besucher der Auffangstation erschrecken, wenn er langsam seinen massigen Schädel an die Wasseroberfläche streckt und sie mit seinen kleinen Augen fixiert. Berthold hat bereits einen neuen Zeitvertreib gefunden, indem er Einrichtungsgegenstände seines Bassins umher schiebt und so täglich sein Gehege umgestaltet

Das Schicksal hat es mit Berthold bisher nicht gut gemeint. Die Mitarbeiter der Auffangstation hoffen aber, ihm nach über 50 wenig angenehmen Lebensjahren eine gute dauerhafte Haltung bieten zu können. Hierfür benötigt die Station dringend Sponsoren und Förderer. Kontakt über: www.reptilienauffangstation.de.

Quelle: Pressemeldung der Reptilienauffangstaiton München

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