In eigener Sache: #Blogswirken – und was uns das angeht

Es folgt heute der zweite Beitrag in eigener Sache – es geht heute auch gar nicht um Schildkröten. Es geht um uns, um unsere Arbeit, um Wertschätzung und unseren derzeitigen Erfolg.
Wenn Sie mögen, dann schauen Sie mit uns ein wenig hinter die Kulissen und erfahren Sie, was uns antreib, und wie wir uns im achten Jahr unserer Existenz in der digitalen Welt positionieren:

Die Münchner Journalistin Kartin Hilger hat eine Kampagne ins Leben gerufen: #blogswirken. Begleitet wird das Ganze mit der Blogparade für mehr Wertschätzung von Blogs. „Bloggen wird oft als Tätigkeit unterforderter Hausfrauen abgetan, die, gierig auf Produktproben, laienhaft geschriebene Reviews ins Netz blasen. Was für ein schräges, böses Bild“, so Katrin Hilger über Blogs. „Die sind nämlich unendlich viel mehr als Laienspielwiese oder reine Werbeplattformen. Blogs ergänzen die Presselandschaft, erweitern sie, setzen Trends und leisten unschätzbare Debattenbeiträge.“ Und weiter: „Blogs sind nachhaltig. auch nach Jahren sind gut verschlagwortete Artikel auffindbar und bleiben relevant. Sie sind nicht so schnell konsumierbar wie ein Foto, das gesehen wird, Like drunter, fertig. Blogs müssen gelesen werden. Aber ihr Angebot, ihre Tipps bleiben auch nachhaltig im Netz.“

Was geht uns das an?

Was haben wir in unserer Nische groß zum Thema #blogswirken beizutragen? Was können wir erzählen, vor allem, wenn die Kampfansage Hilgers hauptsächlich die Influencer auf Instagram und deren Bilderflut ins Visier nimmt?
Vergleichen wir hier nicht Äpfel mit Birnen?
Und wissen die Leser der Testudowelt-Seite überhaupt, dass sie eigentlich auf einem Blog sind?

Allerdings stehen wir wirklich gut da, wir können uns sehen lassen, wir können diesen Diskurs durchaus mit einer Erfolgsgeschichte bereichern. Warum also nicht auch mal von unseren Erfahrungen erzählen?

Schon gewusst? Das hier ist ein Blog

„Tagebuch“artig folgt Woche für Woche ein Beitrag (gelegentlich auch öfter) zu einem Thema: Schildkröten. Unsere Leserinnen und Leser finden hier Wissenswertes, Amüsantes, Interessantes, Denkanstöße, Gewinnspiele, Tagungsprogramme, Nachrichten, Erfahrungen. Ein Blog eben, das unterscheidet uns von statischen Seite, die nur gelegentlich aktualisiert werden.

Testudowelt.de hat sich längst etabliert. Das Portal ist eine feste Größe als Informationsquelle unter den deutschsprachigen Schildkrötenhaltern. Gewachsen ist das Ganze 2011 in einer Zeit der aktiven Internet-Foren, lange bevor Facebook die Relevanz hat, die es heute besitzt (oder meint, zu besitzen).
Wir sehen uns als digitales Special Interest Magazin. Über 130.000 Besucher hatten wir im vergangenen Jahr, weit über 250.000 Aufrufe sind bei dieser sehr spitzen Zielgruppe Zahlen, die beweisen, dass es uns gelungen ist, eine auf einem Blog basierende Plattform über Jahre lebendig zu halten und ihr eine gewisse Relevanz zu geben. Wir wachsen langsam aber beständig seit 2015 (ältere Zahlen liegen wegen eines Serverumzugs leider nicht vor), und das noch immer obwohl der Blog-Hype längst vorbei ist, obwohl mittlerweile endlos viele statische Seiten über Schildkröten im Netz sind und weitere Blogs entstanden sind.

Und wir sind zuversichtlich, dass wir 2019 gegenüber dem Vorjahr auch wieder deutlich zulegen können.

Man kann nicht meckern. Aber das tut auch niemand.

Aber ist das nachhaltig?

Jein. Denn die Besucherzahlen verlaufen seit Jahren in wellenförmigen Bewegungen – im Winter ist keine Saison. In der Zeit, in der die meisten Europäischen Landschildkröten in Winterstarre befinden, brechen die Zahlen seit Jahren ein. Sie halbieren sich nahezu – dabei ändern sich Inhalte und vor allem der Themenmix übers Jahr verteilt nicht wirklich.
Kommt dann Frühjahr und die Tiere sind wieder aktiv, suchen die Eigentümer intensiver im Netz nach Informationen und stoßen auf diese Seite. Es wird mehr und mehr gelesen, der Peak ist immer im Mai, danach sinken die Zahlen langsam wieder ab.

Konstanz oder Kontinuität sucht man vergebens. Es gibt Beiträge, die funktionieren hervorragend, andere wieder weniger. Das ist das ganze Jahr über so. Alles ist zwar contentabhängig, aber gute Inhalte alleine reichen nicht aus, um die Zugriffszahlen aus ihrer saisonalen Abhängigkeit zu befreien.

Wirkt so ein Blog?

Ja. Dieser hier schon. In vielen Begegnungen auf Tagungen und Workshops, auf Vorträgen und Stammtischen treffen wir Leute, die unsere Beiträge gelesen haben, die sich vieles, was dort geschrieben wurde, zu eigen machen, darüber nachdenken und Rückfragen haben. In Facebookgruppen (und mittlerweile seltener) in Foren werden über Inhalte aus dem Blog diskutiert, es wird kommentiert, es werden Rückfragen gestellt. Viele Beiträge, die die praktischen Fragen des Alltags der Schildkrötenhalter betreffen, werden wieder und wieder verlinkt. Für mich bedeutet das: Das Blog hat den, der einen Link streut, erreicht, es hat einen Multiplikator gefunden. Das ist toll.
Das Blog zeigt Wirkung. Und zwar seiner Inhalte willen – und nicht nur der schönen Bilder wegen, aber die gibt es manchmal auch:

Das war nicht immer so. Vor fünf oder sechs Jahren war die Seite Testudowelt.de auf Tagungen oder Workshops nur wenigen ein Begriff, obwohl es sie bereits ein paar Jahre gab. Das ist heute anders. Die Bekanntheit der Seite hat enorm zugenommen, damit die Reichweite und die Relevanz.
Trotzdem. Es braucht permanent einen

Call to Action

Die Zugriffszahlen erreichen jeden Montag einen Peak, wenn hier ein neuer Beitrag online geht. Das Veröffentlichen alleine reicht aber bei weitem nicht aus. Streuen wir Links in die einschlägigen Facebook-Gruppen, dann verdoppelt oder verdreifacht sich die Zugriffszahl.
Als Gegenprobe und als weiteres „Click baiting“ setze ich manchmal Links älterer, aber zur Zeit oft aufgerufener Beiträge in verschiedene Gruppen. Es gibt dort immer Leute, die diese Texte noch nicht kennen. Und auch das wirkt. Eine solche „Zweit- oder Drittverwertung älterer Texte“ verdoppelt oder verdreifacht in der Regel die Klickzahl. Es ist ein gutes Mittel, den Beiträgen weitere Leserinnen und Leser zuzuführen. Aber ohne einen regelmäßigen Call to Action, also immer wieder Leserinnen und Leser hierher zu locken, sähe es um die Zugriffszahlen bescheiden aus.
SEO allein macht nicht glücklich. Und funktioniert auch nicht nachhaltig.

Authentizität – Ehrlichkeit

Haben Sie sich schon mal gefragt, wie das Ganze hier eigentlich funktioniert? Und/oder wie sich das finanziert?
In dieser Seite steckt enorm viel Arbeit, Zeit und zum Teil auch Geld. Dem steht was gegenüber?
Richtig: Nichts.
Beziehungsweise sehr viel: Denn ohne die freiwillige Leistung, das Engagement unserer Stammautorinnen und -autoren wie Elke Wallrapp, Dietmar Meinel, Barbara Hentschke, ohne die Unterstützung durch Christine, Ricarda, Regina, Gunda, Torsten, Thorsten und die vielen anderen stände ich ganz schön blöd da. Niemand bekommt Geld für irgendetwas. Jeder stellt seine Texte und Bilder kostenlos zur Verfügung, auch auf die Gefahr hin, dass diese dann von irgendwem aus dem Netz geklaut werden. So füllen wir seit Jahren die Seite mit Inhalten und sind froh und dankbar, dass sich immer wieder Menschen finden, die dabei helfen.

Für manchen Beitrag investieren wir neben Zeit und Arbeit auch Geld. Manche Investition wäre nicht getätigt, mancher Umweg nicht gefahren worden, wenn nicht im Hinterkopf gleich der Gedanke an ein weiteren Testudowelt-Beitrag existiert hätte.
Wenn wir über Produkte schreiben, über Bücher, Tagungen etc. dann tun wir das, weil wir das wollen, weil wir das für wichtig erachten und nicht, weil uns irgendjemand irgendetwas dafür bezahlt hätte. Es gibt keine versponsorten Beiträge, keine Werbung, keine bezahlten Produktplatzierungen. Für uns steht die Information im Vordergrund – nicht die Einflussnahme auf Ihr Kaufverhalten. Wir wollen keine Influencer sein und sind auch keine. Wir greifen nichts ab (was auch?), schnorren uns nicht durch (wo auch?) und empfehlen nur, was wir aus eigener Erfahrung für empfehlenswert halten. Wir nennen das ehrlich und authentisch.

A propos authentisch: Jeder schreibt hier so, wie er es kann und mag, in seiner Sprache, mit seinen Worten, in seinem Stil. Auch das ist authentisch und ehrlich. Das zeichnet uns aus. Finden wir jedenfalls. Und jeder schreibt nur über das, über das er wirklich gerne schreiben will. Jeder liefert seine eigenen Fotos zu den Beiträgen ab, nicht immer sind alle hochprofessionell, wir zeigen sie trotzdem. Auch das ist Authentizität, wie auch die Tatsache, dass sich immer mal Fehlerchen in die Beiträge schmuggeln, die wir beim Lesen übersehen haben.

Wertschätzung?

An mangelnder Wertschätzung durch unsere über die Jahre steigende Zahl der Leserinnen und Leser können wir nicht klagen – im Gegenteil. Wir haben mit dieser Seite nicht nur eine Nische besetzt sondern halten uns seit Jahren sehr stabil – und sind immer wieder überrascht, dass wir es schaffen, Woche für Woche einen Beitrag zu Themen zu präsentieren, die entweder ganz neu ist oder wenn sie schon mal hier behandelt wurden, dass es dann einen anderen Blickwinkel gibt. Es braucht einen langen Atem, viel Engagement und Begeisterung, seit mittlerweile acht Jahren über 600 Beiträge ins Netz gestellt zu haben. Aber die Reaktionen der Leserinnen und Leser beweisen: die Seite funktioniert. Und das spornt uns an, weiterzumachen.

Aber es gibt auch Geringschätzung: Oben im Elfenbeinturm bei einigen Fachverlagen rümpft man bisweilen die Nase. Was nicht zwischen Buchdeckeln steht sondern im Internet veröffentlicht wird, kann ja nur von minderer Qualität sein. Internet kann ja jeder (stimmt leider auch), es wird nichts korrigiert, nichts lektoriert. Jeder kann über alles schreiben – kompetent oder nicht.
Wir kennen alle die Vorbehalte gegen das Online-Medium. Und wir kennen die Motive, die dahinter stecken. Zum Teil ist es die pure Existenzangst, wenn immer mehr Content im Netz kostenlos angeboten wird. Mancher in einem Verlag mag fürchten, auf den Büchern, die vorfinanziert werden mussten, sitzen zu  bleiben. Und wenn seit Jahren Content im Netz kostenlos erscheint und das mit wachsender Reichweite und großer Akzeptanz, kann das für die Kollegen vom Print zum Problem werden. Wir können schneller reagieren, punktgenau und alles, was veröffentlicht wurde, jederzeit korrigieren oder „verschwinden lassen“, ohne dass es ein Lager voll gedruckter Bücher gibt. Und wir erreichen Woche für Woche wesentlich mehr Leserinnen und Leser als manches Fachbuch jemals an Druckauflage erreichen wird.

Dabei geht es gar nicht darum, mit dem klassischen Buchmarkt in Konkurrenz zu treten. Das können und wollen wir gar nicht leisten. Wir wollen schließlich nicht Äpfel mit Birnen vergleichen.

Dazu noch eine kleine Anekdote am Rande: Ein Referent, der gelegentlich in Fachzeitschriften Beiträge veröffentlicht hat, fühlte sich vor einigen Jahren auf einer Tagung gemüßigt, seine Geringschätzung über diese Seite öffentlich kund zu tun. Wenn er morgens mal schlechte Laune habe, dann lese er gerne die Testudowelt-Seite, weil das dort veröffentlichte Halbwissen der Hausfrauen bestens geeignet sei, sein Gemüt wieder aufzuhellen. So sein süffisanter Seitenhieb.

Nun: Wir nehmen das sportlich und freuen wir uns, dem Mann aus seinem Frust beim Frühstück haben helfen können. Das alleine beweist schon: #Blogswirken.

Danke, liebe Leserinnen und Leser, dass Sie uns die Treue halten. Danke, dass Sie uns zeigen: Blogs wirken.

Bleiben Sie uns Bloggerinnen und Bloggern wohlgesonnen, dann bleiben wir Ihnen auch erhalten.

Fotos: Lutz Prauser, Elke Wallrapp, Dietmar Meinel

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