Zucht Europäischer Landschildkrötenarten bald verboten?

Ungemütliche Zeiten kommen auf die Halter Europäischer Landschildkrötenarten zu, zumindest auf die, die die Tiere nachzüchten. Denn nach dem Jahrhundertsommer 2018 mit den weit über 10.000 Nachzuchten hierzulande, will das Bundesumweltministerium nun die Nachzucht verbieten.

„Ein Großteil dieser Tiere landet in Tierheimen und Aufzuchtstationen“, informierte Jochen Flaschberg, Staatssekretär im Umweltministerium in einer Pressemitteilung. „Die Kosten für die Unterbringung dieser Tiere sind rapide angestiegen. Sie werden in der Regel von den Kommunen und den Bundesländern getragen, jetzt haben sich die ersten Länder mit der Bitte um Hilfe an uns gewendet.“ Flaschberg zitiert aus einem Schreiben aus Bayern, in dem es heißt, dass die Länder nicht mehr fähig und willig seien, diese Kosten für diese unsinnige, hemmungslose Vermehrung zu übernehmen, von denen auszugehen sei, dass sie in den kommenden Jahren die zweistellige Millionengrenze bei weitem übersteigen wird. Das ist ein Schlag ins Gesicht und ein Schock für alle Schildkrötenhalter.

„Da mussten wir handeln“, so Flaschberg. „Bundesumweltministerin Svenja Schulte plant jetzt nach dem Gesetz zum erleichterten Abschuss des Wolfes auch einen Gesetzesentwurf zur Eindämmung der intensiven Schildkrötenhaltung und -nachzucht. Dieses Gesetz könnte bereits im Sommer dieses Jahres ratifiziert werden – die Zustimmung anderer Länder innerhalb der EU vorausgesetzt. Denn auch unsere Nachbarn kämpfen die Behörden mit dem gleichen Problem.“ Vor allem in Skandinavien ist die massenhafte Nachzucht ein Riesenproblem. Die klimatischen Bedingungen machen dort die Unterbringung der Tiere, die ursprünglich aus den Mittelmeerländern stammen, zu einem immensen Kostenproblem. „…ganz abgesehen von dem riesigen Energiebedarf, den die Tiere auch in privater Haltung haben. Der Verbrauch an Strom für Licht und Heizungsanlagen ist enorm. Aquaristik und Terraristik wird angesichts des Klimawandels zunehmend unverantwortlich“, so heißt es im scharfen Ton aus dem SPD geführten Ministerium.

Im Rahmen der Jahrestagung der BG Schildkröten vor zwei Wochen in Bad Wildingen war diese neue Bedrohungslage für Schildkrötenhalter ein heiß diskutiertes Thema.
„Genau wissen wir noch nicht, wie dieser Gesetzesentwurf aussieht“, verriet cght Präsident Markus Meinzel, der extra nach Bad Wildingen gekommen war, dem heftig empörten Auditorium. „Wir gehen aber davon aus, dass wie bei den Rotwangenschmuckschildkröten ein kategorisches Nachzuchtverbot für alle Testudo-Arten geplant ist. Die Naturschutzbehörden werden dann keine Neuanmeldungen von Tieren mehr akzeptieren. Im Gegenteil. Jede Nachzucht wäre illegal und würde mit einem Bußgeld geahndet.“

Meinzel versprach, bei Inkrafttreten des Gesetzes umgehend Klage einzureichen: „Unsere Kriegskasse ist noch nicht so gut gefüllt, aber ich bin sicher, wir werden für diese Klage auch genügend Spendengelder generieren können, dass wir die Klage finanzieren können. Das Problem kann uns alle ja betreffen. Zu Nachzuchten kann es ja auch ohne aktives Zutun der Halter kommen. Man denke nur an die vielen Naturbruten. Und man kann schlechterdings niemanden für etwas bestrafen, was er nicht aktiv getan hat. Am Ende erhält er ein Bußgeld von etwa 350 Euro pro Tier, nur weil er die Gelege in seinem Gehege nicht gefunden und rechtzeitig entfernt hat. Das kann ja wohl nicht angehen. “

So sieht es auch Mario Lunge, Leiter der AG Schildkröten: „Was, wenn die Tiere nun mal da sind? Verkaufen darf man sie nicht mehr, weil es sie ja eigentlich gar nicht gibt. Anmelden und behalten darf man sie auch nicht. Werden die dann nicht erst recht im Schutz der Dunkelheit vor den Tierheimen abgestellt? Oder gleich illegal bei Nacht und Nebel ausgesetzt? So etwas kennen wir ja bereits von den Wasserschildkröten.“

Widerstände gegen das Gesetzesvorhaben erwarte man vor allem aus den südeuropäischen Ländern, in denen es viele Nachzuchtstationen für Auswilderungsprogramme gäbe. „Diese wären im Zweifelsfall nämlich von der Schließung bedroht.“

In Berlin allerdings läge auch ein Plan B in der Schublade. „Falls die EU das Gesetz kippt, bleibt uns immer noch die Einführung einer Exotenhaltungssteuer auf nationaler Ebene, um die Kosten zu kompensieren,“ hört man aus dem Umweltministerium.

In der Münchner Reptilienauffangstation hingegen gibt man sich gelassen. „Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird“, kommentiert der Leiter Markus Saur. „Und in Bayern schon zweimal nicht.“ Er glaubt ebensowenig, dass es zu einem solchen Gesetz kommen wird wie zu einer Schwemme illegaler Tiere in den Stationen. „Da haben wir schon ganz Anderes erlebt und organisiert“, erinnert er an das Absammeln hunderter von ausgesetzten Wasserschildkröten im Münchner Westpark. „Aber warten wir’s ab. Bekanntlich ist nicht nur das Universum grenzenlos, auch die Dummheit der Menschen.“

„Auf alle Fälle haben wir von der AG-Schildkröten schon einmal eine Online-Petition vorbereitet. Wir fordern alle Schildkrötenhalter auf, diese zu unterzeichnen“, will Mario Lunge die Halter möglichst früh mobilisieren. „Für viele Züchter geht es ja um mehr als um eine Handvoll Naturbruten, die sie überraschend im Gehege finden. Viele betreiben die Nachzucht ja gewerblich, ein solches Gesetz würde sie in ihrer Existenz bedrohen. Wir haben auch schon das Wirtschaftsministerium kontaktiert. Die Signale, die von dort kommen, sind jedoch nicht besonders ermutigend.“

Also werden wir selbst aktiv. Gern kommen wir er Bitte um Verbreitung der Petition nach.

Sie finden Sie hier unter dem Link – dort auch viele weitere Informationen.

Bitte unterstützen Sie dieses Ansinnen.

5 Kommentare


  1. Ein bischen was ist da evtl. doch dran. Wer jedes Jahr noch
    50 – 100 THB Nachzuchten ausbrütet, ist meiner Meinung nach selber Schuld.
    Es gibt einfach zuviele Nachzuchten von normalen Testudo Arten.
    Ein vernünftige Züchter bebrütet auch nur die Nachzuchten, für die
    ein Markt vorhanden ist, ansonsten landen die meisten nämlich
    tatsächlich in den Auffangstationen.
    Ich habe schon desöfteren potentielle Käufer ohne Schildkröten wieder
    weggeschickt, wenn ich nicht von der wirklichem Interesse an den
    Tieren überzeugt war.


  2. Wow!
    Da bin ich Euch ja hübsch auf den Leim gegangen und ich gestehe, ich bin nur über Markus Sauer gestoßen und habe das mal als Tippfehler hingenommen. ;o))))
    Ich nehme es mit Humor und trage hier gern die Narrenkappe, denn das Thema selbst sollte und muss auf kurz oder lang diskutiert werden, denn es ist ein reales Problem.
    Für dieses Mal jedoch Glückwunsch, ich habe es echt nicht gemerkt!
    Weiter so, dann machen Eure Beiträge noch mehr Spaß!
    Liebe Grüße
    Carsten


  3. Liebe Schildkrötenfreunde,

    natürlich ist oben genannte Meldung komplett frei erfunden, wie das Veröffentlichungsdatum 01.04. schon einige bei der Verlinkung in den sozialen Medien hat richtig vermuten lassen.

    Alles nichts als ein Aprilscherz. Es freut uns natürlich, dass uns einige auf den Leim gegangen sind, offenbar ist in der aktuellen Politik nichts so abstrus, dass es nicht, wenn es gut verpackt ist, glaubwürdig erscheint.
    Dank an alle, die den Scherz für bare Münze genommen haben – es ist auch ein kleines Kompliment an die Glaubwürdigkeit unserer Seite.

    Besonders aufmerksamen Leserinnen und Lesern ist nicht entgangen, dass nicht ein einziger Name im Text stimmt. Wir lösen auf:

    Die Umweltministerin heißt Schulze (nicht Schulte), der Referent Flasbarth (nicht Flaschberg).

    Es gibt auch keine cght, wohl aber eine dght. Und deren Präsident heißt nicht Meinzel sondern Monzel.
    Die besagte Tagung fand nicht in Bad Wildingen statt sondern in Bad Wildungen und der Leiter der AG Schildkröten heißt auch nicht Mario Lunge sondern Mario Herz.

    Last not least leitet die Münchner Auffangstation niemand anderes als Markus Baur und nicht Markus Saur.

    Wir bitten, diesen groben Unfug als das zu verstehen, was es war: Ein Aprilscherz.


  4. Liebe Schildkrötenfreunde,
    das ist ja mal ein Aufmacher und jedem echten, interessierten und engagierten Schildkrötenhalter könnte sich bei dieser Schlagzeile der Magen umdrehen. Könnte… denn nüchtern betrachtet gibt es ein Problem mit unkontrollierter und gedankenloser Zucht von Europäischen Landschildkröten und da dreht sich mir der Magen um. Vorsichtig formuliert möchte ich mich übergeben, wenn ich Schildkrötenbabies in Baumärkten, Gartencentern oder auch im sogenannten „Fachhandel“ unter erbärmlichen Umständen dahinvegetieren sehe und die blanke Wut packt mich, wenn ich im Netz Tiere für mittlerweile 35 Euro angeboten finde.
    Der Grund ist meiner Ansicht nach der, dass wir zu viele Schildkröten züchten. Waren es wirklich 10.000 Nachzuchten allein in Deutschland in 2018? Wer braucht so viele Tiere, gibt es überhaupt genügend versierte Halter oder wenigstens welche, die es werden wollen?
    Ich vermute, nein!
    In dieser Masse produziert fällt eben auch der Wert der Tiere und das Tierheime allmählich ein Problem bekommen, ist nur zu offensichtlich.
    An dieser Wahrheit kommen wir eben auch nicht vorbei.
    Es wird auf den Energiebedarf in der Terraristik hingewiesen und in Zeiten des Klimawandels finde ich diesen Aspekt durchaus bedenkenswert. Klar, eine Wärmelampe ist kein alter Diesel, keine weggeworfenen Autobatterie oder kommt einer Flugreise in den Süden gleich, von der Industrie will ich gar nicht reden. Aber jeder Einzelne muss umdenken und vor seiner eigenen Türe kehren. Überdies spart ein hochwertiges Frühbeet nicht nur Energie, sondern kommt auch unseren Schützlingen zugute. Eine win-win-Situation!
    Die Politik droht hier mit einem generellen Verbot der Nachzucht.
    Oder alternativ sogar mit einer Exotensteuer! Als Halter von vier Hunden können Sie sich sicher vorstellen, wie ich darüber denke…!?
    Eine Strafsteuer wäre sicherlich der schlechteste Weg, denn dann sind Tierheime und Auffangstationen ruck zuck voll.
    Nachzuchten generell verbieten wird den Schwarzmarkt und das wilde Absammeln in den Habitaten befeuern, also bitte nicht!
    So bleiben kann es aber auch nicht.
    Mein Vorschlag wäre folgender: In Bochum zahle ich je Vermarktungsgenehmigung, so ich noch züchten würde, was ich aber aus oben genannten Gründen nicht mehr tue – 20 Euro je Papier. In manchen Kommunen zahlt man aber nur 5 Euro. Dann erklären sich auch die Dumpingpreise. Da lohnt es, ordentlich zu produzieren und günstig zu verkaufen. Die Masse macht`s! Was später mit den Tieren passiert, tritt in den Hintergrund.
    Ich wünschte mir bundesweit eine Gebühr von einheitlich 30 Euro je Papier; 15 Euro für die Verwaltung und 15 Euro für das Tierheim.
    Dann steigen auch wieder die Preise und jeder überlegt sich genau, ob er wirkliches Interesse an der Haltung, am Erwerb und/oder an der Zucht hat. Das gilt dann auch für Naturbruten. In 36 Jahren Landschildkrötenhaltung hatte ich überdies noch nie Naturbruten, ich kontrolliere meine Tiere sehr engmaschig, will aber zugestehen, dass das mal passieren kann. Drohen 30 Euro je Vermarktungsgenehmigung, mag das zu genauerer Kontrolle animieren und ist dennoch nicht existenzbedrohend.
    Das ganze Existenzen der gewerblichen Züchter bedroht sein sollen, halte ich für verkraftbar, da sich hier meine Sympathie doch sehr in Grenzen hält. Wer für Baumärkte billig produziert und tausendfach Tierleid in Kauf nimmt, bedarf meiner persönlichen Ansicht nach keines besonderen Schutzes.
    Dieser ganze Kommentar stellt meine persönliche Meinung dar und ich erhebe nicht den Anspruch, allwissend zu sein. Aber ich halte meinen Vorschlag für bedenkenswert im Sinne der echten Schildkrötenliebhaber, der überforderten Kommunen und nicht zuletzt der Tiere, die doch auch dann wieder eine höhere Wertschätzung erfahren würden.
    Liebe Grüße
    Carsten

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