Rettet die Bienen – Mit einer speziellen Saatmischung aktiv werden.

„Rettet die Bienen“ war das erfolgreichste Volksbegehren in der Geschichte Bayerns. Rund 1,8 Millionen Menschen unterschrieben Anfang Februar für gesetzlich geregelte Maßnahmen für den Artenschutz im Freistaat. Das Interesse an Natur- und Artenschutz ist so groß wie lange nicht mehr. Allein: Es ist nicht damit getan, ins Rathaus zu marschieren, seine Unterschrift bei dem Volksbegehren zu leisten und damit zu glauben, es sei alles gut. Man kann, man sollte, man muss selbst aktiv werden. Die Palette der Dinge, die jeder selbst tun kann, ist groß.
Ein erster Schritt ist es, im eigenen Garten oder auf dem eigenen Balkon mit geeigneten, nektarhaltigen Pflanzen Insekten ausreichend Nahrung zu bieten.

Gerade Schildkrötenfreunde haben hier einen großen Trumpf in der Hand. Denn nirgendwo im Garten ist dazu die Gelegenheit so gut wie in den Gehegen. Nirgendwo sonst ist (Un-)kraut so willkommen, es kommen kein Gifte zum Einsatz, keine Insektizide, keine Pestizide. Die „Unordnung“ aus Steinen, Holz und Büschen bietet Versteck- und Überwinterungsplätze für Insekten und andere Tiere. Es wächst, blüht und gedeiht. Nun ist nicht jede Bienenpflanze auch eine geeignete Pflanze für die Freilandterrarien. Und nicht jeder weiß, was man sinnvollerweise ins Gehege setzt und was nicht – wie der oben abgebildete Krokus, der nicht ins Gehege gehört.

„Viele Schildkrötenhalter wollen gerade in dieser Hinsicht etwas tun und nicht nur den Tieren geeignete Futterpflanzen bieten sondern auch ein Biotop für die heimische Kleinfauna einrichten“, weiß auch Anita Scheidig vom Testudo Natura Shop. „In Gartenentern, Supermärkten und Baumärkten entdecken sie fertige Samenmischungen für Wildgärten und Bienenweiden.“ Doch die Verunsicherung ist groß. Darf das denn alles in die Schildkrötengehege gesät werden?

„Nein“, rät die Expertin. „Zum einen enthalten diese Mischungen oft Pflanzen, die in Schildkrötengehegen gar nichts zu suchen haben, die aber für Bienen hervorragend geeignet sind. Lupinen wären da ein Beispiel. Das Hauptproblem ist aber, dass auf den Verpackungen oft nur ein Bruchteil der darin enthaltenen Arten angegeben ist. Man weiß also nie, was später im Gehege alles sprießt.“

In den einschlägigen Diskussionsgruppen in den sozialen Netzwerken wird daher regelmäßig vom Kauf bzw. der Aussaat solcher Mischungen in den Tiergehegen abgeraten. Zu Recht. Was aber sollen dann Leute tun, die bei der Gehegegestaltung Pflanzen einsetzen oder säen und gleichzeitig etwas zum Erhalt der heimischen Arten beisteuern wollen? Das hat die Inhaberin des Shops und Leiterin der Schildkrötenhilfe Unterfranken auf eine Idee gebracht.

„Wer Versteckpflanzen einsetzt, hat es relativ einfach. Lavendel, Thymian, Salbei… es gibt zahlreiche Pflanzen zu kaufen, die ein Gehege auch zur Futterweide für unsere heimischen Insekten machen. Die Liste ist schier endlos“, so Anita Scheidig. „Aber was säen?“

Die Lösung lag auf der Hand. Eine eigene Mischung herstellen und anbieten.

„Für alle, die Futterpflanzen in die Gehege aussäen und gleichzeitig etwas für die heimischen Insekten tun wollen, haben wir jetzt eine ganz spezielle Mischung. Bienengarten! Die Mischung enthält rund 40 Pflanzenarten, die von den Schildkröten bedenkenlos gefressen werden können. Einige gehören zu den absoluten Lieblingsfutterpflanzen der meisten Tiere, andere sind vielleicht etwas weniger beliebt. Dazu kommen Pflanzen, die nicht gefressen werden, den Insekten aber von großem Nutzen sind: Lavendel, Dill oder Borretsch zum Beispiel.“

„Schließlich“, so schmunzelt Anita Scheidig, „sollen die Insekten ja auch was davon haben. Es nützt ja nichts, wenn die Bienenweide von den Panzerträgern in kürzester Zeit kahl gefressen wird. Eventuell sollte man daher auch nicht alles so aussähen, dass die Schildkröten sofort zuschlagen können, wenn die Saat aufgegangen ist.“

Die neue, exklusive Bienengarten-Mischung setzt sich unter anderem zusammen aus Schafgarbe, Kornblume, Wegwarte, Wilder Möhre, Weißem und Echten Labkraut, Johanniskraut, Margerite, diverse Malvensorten, Klatschmohn, Wiesensalbei, Kleinem Wiesenknopf, Königskerze, Nachtkerze, Mariendistel, Sommerwicke, Lichtnelken, Flocken- und Ringelblumen und vielem mehr. Selbstverständlich sind auch all die weiteren Pflanzen für die Aussaat im Gehege geeignet.
„Durch die vielen Blüten übt die Mischung eine große Anziehungskraft auf eine Vielzahl von Insekten aus. Die Liste der genauen Zusammenstellung und viele weitere Informationen findet man auf unserem Online-Shop-Portal„, ergänzt Anita Scheidig.
Anders als bei den herkömmlichen Handelsmischungen ist man also auf jeden Fall auf der sicheren Seite.
Natürlich kann man diese Mischung nicht nur in seinen Gehegen aussäen. Wer einen geeigneten Platz im Garten hat, kann damit auch ein wunderbares Wildblumenbeet anlegen. Die Blütezeit der Pflanzen geht von April bis September. Praktisch kann man also vom Frühjahr bis in den Herbst Freude daran haben – und an den Bienen und Schmetterlingen, die so ein Beet anzieht, erst recht.

Und wer jetzt noch Wasserstellen im Gehege und nicht nur in den Gewächshäusern oder Frühbeeten hat, an denen sich in heißen Sommern auch die Insekten bedienen können, hat einen ersten großen Beitrag zum Schutz der heimischen Insektenvielfalt geleistet. Vielleicht siedeln sich neben den Insekten auch weitere Tiere an: Insektenjäger zum Beispiel wie Vögel und Spinnen, Eidechsen oder Blindschleichen. Denn auch hier gibt es viele bedrohte Arten, die um ihre Lebensräume kämpfen müssen.
Mal ehrlich: Gibt es für Schildkrötenhalter etwas Schöneres, als im Sommer am Rand eines Geheges zu sitzen, den Schildkröten zuzuschauen und dabei mehr und mehr weitere Bewohner dieser kleinen Oasen zu beobachten?
Wohl kaum.

PS: Ein kurzes Video von br24 gibt weitere Tipps, was jeder selbst für den Schutz der heimischen Tiere tun kann. Bitte hier klicken.

Text und alle Tierfotos: Lutz Prauser. Bis auf das Krokus-Foto wurden alle Bilder in den Schildkrötengehegen aufgenommen. Produktfotos: Anita Scheidig
Alle Rechte vorbehalten.

1 Kommentar


  1. Danke für diesen tollen Artikel. Wir Schildkrötenhalter wollen unseren Pfleglingen ein naturnahes Außengehege anbieten und wenn diese Gehege auch noch den heimischen Tieren dient, dann macht das doppelt Freude. Danke auch an Anita Scheidig, die es mit ihren Samenmischungen möglich macht, unsere Gehege in wunderschöne kleine Biotope zu verwandeln.

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