Auf Schildkrötensafari mit Elke Wallrapp (Folge 61)

Das sechste Jahr unserer Schildkrötensafari startet in Halle/Saale.
Hier werden wir uns zwei unterschiedliche Schildkrötendarstellungen anschauen und machen danach einen kleinen Abstecher nach Bad Harzburg bevor wir dann unsere sechsmonatige „Schildkrötenreise durch Paris“ beginnen.
Ausklingen wird das Jahr mit drei weiteren Schildkröten im Osten Deutschlands.
Vielleicht kann ich Sie auch im neuen Jahr wieder begeistern und mit einigen Schildkrötendarstellungen überraschen.

Manchmal ist es ungeheuer schwierig einen Anfang zu finden – bei dieser Schildkrötendarstellung war es so – ich frage mich nur warum.
Die Informationen auf verschiedenen Webseiten waren nicht sehr ausführlich und für unsere Safari nur bedingt brauchbar. Also kam nur eine Kontaktaufnahme mit dem Künstler „Christoph Weihe“ (* 5.3.1954, Steinbildhauer und Medailleur) aus Halle/Saale in Frage.
Zwei sehr nette und ausführliche Gespräche folgten!

Ich wurde mit unendlich vielen Puzzleteilchen konfrontiert, die zusammengesetzt einen besonderen Brunnen auf einem kleinen Platz in der Geiststraße in Halle/Saale ergeben.

Angefangen hatte alles zu Zeiten der DDR.
Noch vor der Wende wurde der Künstler Christoph Weihe von der Stadt Halle beauftragt, einen Trinkbrunnen zu entwerfen. Dieser Brunnen sollte die Neugestaltung eines Platzes beleben, zu einem geplanten Blumenladen passen und mit wenig fliessendem Wasser den Betrachter ein großes Erlebnis bieten.

Geplant war auch, dass der Platz komplett mit Natursteinen gepflastert werden sollte.
Errichtet wurde der Brunnen dann im Jahr 1992, also nach der Wende. Zum Glück, denn viele Kunstprojekte aus der Zeit davor wurden gar nicht mehr ausgeführt.
Hier wurde nur die Platzgestaltung etwas geändert – die geplanten Natursteine wurden weitestgehend durch Verbundpflastersteine ersetzt.

Christoph Weihe wollte etwas schaffen, das gleichzeitig Erwachsene und Kinder berührt. Sein Brunnen sollte verblüffen und viele Details zum Entdecken bieten. Es machte ihm ungeheuer Spaß sich vorzustellen, wie alles aussehen und das Wasser seinen Weg finden wird. Alles ist Handarbeit!

Inspiriert von den Findlingen in der Ostsee bildet ein großer Brunnenstein (aus der stillgelegten Braunkohlengrube in Delitzsch stammend) den Mittelpunkt des Brunnens. Ein Bronzebügel mit einem Chamäleon, einer Blätterranke und einem Frosch krönt diesen bearbeiteten Granitstein. Von hier läuft ein zarter Wasserstrahl in ein kleines Becken und wird durch eine schmale Rille labyrinthähnlich den Stein hinunter und durch den ganzen Brunnen geführt.
Der im Boden verlegte Wasserlauf führt an einer Sumpfschildkröte, einer Ratte und einem Krokodil vorbei und endet letztlich in einem Ablauf aus Messing.
Viele weitere kleine Details können wir erkennen, wie zum Beispiel eine Muschelschale und viele kleine Biegungen und Wellenverläufe in der Wasserführung.
Auch wechselt unmittelbar auf der eigentlichen Brunnenfläche immer wieder die Größe, Farbe und die Art der Natursteine – die Gesamtfläche erinnert an einen Teppich.
Alles in allem ein wirklich perfektes und gut durchdachtes Kunstwerk!

Natürlich stellte sich mir auch hier wieder die Frage, warum wurden diese Tiere ausgewählt.
Zum einen sollte die Verbindung zum Wasser hergestellt werden und zum anderen sollten die Tiere auffallen oder eben verblüffen (siehe oben).
Christoph Weihe, so erzählte er mir, hatte als Kind den Wunsch Zoodirektor zu werden, seine Affinität zu den Tieren war schon immer sehr groß.
Weihe stellte den Anspruch an sich, die Bronzetiere sehr lebensecht zu gestalten und deren Ausdruck „genau rüberzubringen“.
Das Krokodil und das Chamäleon zum Auffallen, die „Europäische Teichschildkröte“ (wie Christoph Weihe sie nannte) und die Ratte als eher „versteckte Tiere“ – die eine lebt im Wasser und die andere in den Kanälen.

Leider wurde die hier fotografierte Bronzeratte im Jahr 2018 entwendet und eine neue Ratte wird derzeit gefertigt.
Diese Ausführung wird jedoch etwas einfacher ausfallen. Denn auch bei der „alten Ratte“ gab es ein besonderes Detail zu entdecken, nämlich den Spruch „In der Stadt wird die Ratt immer satt“.

Und noch eine Schildkröte gibt es in der Innenstadt von Halle zu entdecken. Jeder kann das für sich und ohne Wertung tun. Es ist asiatisches Restaurant in der Reilstraße und benutzt den Namen „Goldene Schildkröte“. Ob unsere „Brunnenschildkröte“ das Restaurant zur Namensgebung inspiriert hat, konnte nicht geklärt werden.

Gerne möchte ich mich bei Herrn Nils Fischer bedanken, der mir die Kontaktdaten des Künstlers gab und natürlich bei Christoph Weihe selbst. Es hat Spaß gemacht mit Ihnen zu telefonieren. Ich könnte Ihren Ausführungen ewig lauschen und hoffe natürlich nichts vergessen zu haben.

Text und Fotos: Elke Wallrapp. Alle Rechte bei der Autorin.

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