Auf Schildkrötensafari mit Elke Wallrapp (Folge 60)

Knaben (Putten) und jungen Mädchen auf Schildkröten begegnen wir in der Kunst (besonders in der zweiten Hälfte des 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts) häufiger. Meistens werden sie zusammen mit Riesenschildkröten dargestellt, denn diese eignen sich als „Reittier“ besonders.

Auch wir sind solchen Darstellungen schon einige Male begegnet – in Berlin, in Wien, in Düsseldorf und in Leipzig.

Auch in diesem Monat begegnen wir einem Mädchen auf einer Schildkröte. Streng genommen sogar zweimal. Beide Kunstwerke sind jedoch aus einer jüngeren Zeit.

Nicht ganz in der Stadtmitte und doch zentral, am Place d’Austerlitz in Strasbourg, befindet sich eine runde Brunnenschale mit einer zarten Mädchengestalt auf einer Schildkröte (la jeune fille à la tortue).

Diesmal wird keine Riesen-, sondern eine Sumpfschildkröte dargestellt. Auch „hockt“ das Mädchen eher auf der Schildkröte, als dass sie sitzt. Ihr rechtes Bein ist angewinkelt und das linke kniet auf dem Panzer.
Sie hält ihren Kopf leicht schräg, schaut verträumt nach unten und streichelt mit der rechten Hand die Unterseite des Schildkrötenhalses.
Für den Betrachter sieht es so aus, als würde es beiden gefallen.

Diese anmutige Bronzestatue wurde von dem Straßburger Bildhauer Jean-Paul Henninger (1916-1994) geschaffen und im Mai 1963 aufgestellt.
Auch wenn sich der Platz im Laufe der Zeit mehrfach gewandelt hat, so blieb die Statue unverändert an dieser Stelle.
Sie steht dort als Symbol für die Liebe und die Geduld.

Und noch ein zweites Mal begegnen wir diesem jungen Mädchen auf der Schildkröte.
Wir finden sie mitten in München, vor einem Gebäude der Straße „Oberanger 28“.
Auch sie wurde von Jean-Paul Henninger geschaffen, allerdings erst im Jahr 1971.
Seit 2008 steht sie an dieser Stelle und in wärmeren Monaten fließt Wasser aus dem Maul und den Nasenlöchern der Schildkröte.
In Strasbourg dagegen konnte ich beobachten, dass das Wasser nur aus den Nasenlöchern spritzt.

Mit diesem 60. Beitrag beenden wir das fünfte Jahr der Schildkrötensafari.
Keine der bisher beschriebenen Schildkrötendarstellungen gleicht einer anderen.
Wir begegneten alten und modernen Kunstwerken, naturgetreuen aber auch abstrakteren Abbildungen, und nach wie vor finde ich sie sehr sehenswert.

Auch im nächsten Jahr widmen wir uns wieder unseren Lieblingstieren im öffentlichen Raum.
Wir machen nochmals eine Reise in den Osten Deutschlands und „jetten“ dann nach Paris, der Stadt der Liebe und der Schildkröten.
Seien Sie gespannt und natürlich freue ich mich, wenn Sie meinen Safaris weiterhin folgen.

Text und Fotos: Elke Wallrapp. Alle Rechte bei der Autorin.

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