Franziska Biedenweg und Ricarda Schramm im Interview zu ihrem neuen Buch

Nahezu zeitgleich kamen Anfang des Monats zwei Bücher über die Haltung Ägyptischer Landschilskröten auf den Markt. Eines vom Autorengespann Franziska Biedenweg und Ricarda Schramm, eines von Christine Dworschak. Beide Bücher möchten wir Ihnen etwas ausführlicher vorstellen – den Autorinnen haben wir sieben Fragen gestellt. Ihre Antworten lesen Sie in zwei separaten Beiträgen auf der Seite Testudowelt.de, die zeitgleich veröffentlicht wurden.
Hier nun die Antworten von Franziska Biedenweg und Ricarda Schramm. (Die Antworten von Christine Dworschak finden Sie hier).


1. Wie seid Ihr auf die Idee gekommen, ein Buch über Ägyptische Landschildkröten zu schreiben?

Franziska Biedenweg: Bevor die ersten Ägyptischen Landschildkröten bei mir einzogen, habe ich mich ca. ein Jahr lang intensiv informiert und vorbereitet, dabei musste ich feststellen, wie schwierig es ist, möglichst viel Wissen über diese Art zusammenzutragen, zumal es darunter nur sehr wenige Haltungsberichte gab. Bereits 2015, als schon Testudo kleinmanni bei mir lebten, entstand die Idee, anderen Interessierten durch ein ausführliches Buch den Einstieg zu erleichtern und ich begann ein Manuskript zu erstellen. Am Ende wurde das endgültige Buch dann wesentlich umfangreicher mit mehr informativem Inhalt durch meine eigenen Erfahrungen und durch Ricardas Mitarbeit.

Ricarda Schramm: Nicht immer glaube ich an Zufälle, es sollte so sein. Ich hatte mich schon längere Zeit für Testudo kleinmanni interessiert und den Wunsch gehegt, diese Art zu halten. Dafür ist es für mich selbstverständlich und Voraussetzung, sich zunächst ausführlich über die Lebensweise und die Bedürfnisse dieser Art zu informieren, wobei es sich hier schwierig gestaltet, aufwendig und mühsam ist, Informationen und Literatur zu finden. Am Ende nach mehr als einem Jahr intensiver Vorbereitungen zogen bei mir 5 Ägyptische Landschildkröten ein. Während dieser Zeit lernte ich Franziska kennen, die eine sehr informative Seite auf Facebook betreibt, schon mehrere Jahre Testudo kleinmanni hält und bereits Nachzuchten hat. Sie erzählte mir von ihrer Idee, ein Buch darüber für Neueinsteiger zu schreiben. Aus dieser Idee wurde unser Gemeinschaftsprojekt, an dem wir dann etwa 9 Monate sehr intensiv zu zweit gearbeitet haben. Sehr viel Arbeit haben wir in die Literaturrecherche investiert. Für mich als Biologin ist dies eine ganz selbstverständliche Voraussetzung beim Schreiben eines Sachbuches, bevor man das durch eigene Erfahrungen und Beobachtungen ergänzt.

2. Haltet Ihr die Art selbst? Seit wann habt Ihr die Tiere?

FB: Seit 2014 halte ich Ägyptische Landschildkröten und seit zwei Jahren schlüpfen bei mir vitale Nachzuchten, was eine ganz besondere Freude und Erfahrung ist.

RS: An dieser Stelle möchte ich auf Grund einiger Diskussionen im Vorfeld des Erscheinens unseres Buches etwas ausführlicher antworten. Denn hier möchte ich zunächst fragen, wie man wohl am besten „Erfahrung“ bewertet? Nur anhand der Anzahl der Jahre, die man bereits eine Schildkrötenart gehalten hat? Wann hat jemand genügend Erfahrung und Kompetenz, um ein Buch über eine Schildkrötenart zu schreiben, nach 10, 20, 40 Jahren? Kann man jemandem völlig die Kompetenz absprechen, Wissen und Erfahrung weiterzugeben, nur weil er/sie diese Art noch nicht jahrzehntelang hält? Grundsätzlich bleibt doch die Entwicklung durch neuere Erkenntnisse und unerlässliche Weiterbildung nicht an einem erreichten Punkt stehen. Ich kenne auf der einen Seite (leider) Halter Europäischer Landschildkröten die über 40 Jahre „Erfahrung“ haben, jedoch auf dem Wissenstand von damals stehen geblieben sind, immer noch Katzenfutter und in Milch eingeweichte Brötchen verfüttern und Neueinsteigern vermitteln, dass in den ersten Jahren keine Winterstarre nötig ist, mit dem Argument „…was 40 Jahre gut war, kann jetzt nicht schlecht sein…“. Auf er anderen Seite wiederum lerne ich immer wieder auch Neueinsteiger durch meine vielen Beratungen kennen, die innerhalb kürzester Zeit auf dem neuesten Wissensstand sind, ihre Schildkröten absolut artgerecht und naturnah halten und diese Erfahrungen weitergeben können.
Ich selbst halte noch nicht lange Testudo kleinmanni. Wenn wir jedoch schon über Erfahrung sprechen, wird mir jeder langjährige Schildkrötenhalter bestätigen, dass es mit einiger Erfahrung in der Haltung anderer Arten einfacher ist, sich auch mit der Haltung einer neuen Art zurechtzufinden. Hier konnte ich deshalb auch bei unserem Buch sehr viel aus meiner 45-jährigen Erfahrung mit der Haltung Europäischer Landschildkröten und einiger Jahre Spaltenschildkröten einbringen, denn Physiologie, Körperbau, Ernährung, Vermehrung, Inkubation und Erkrankungen sind praktisch bei allen gleich, sie unterscheiden sich lediglich in ihrer Lebensweise als Anpassung an ihre natürliche Umwelt. Meine diesbezüglichen Erfahrungen habe ich bereits in 2 eigenen erfolgreichen Büchern zum Thema Landschildkröten seit 2010 zu Papier gebracht.
Nicht zuletzt war gerade mein „Anfängerstatus“ in Sachen Testudo kleinmanni sehr hilfreich bei der Arbeit an unserem gemeinsamen Buch, denn alle Fragen, die sich mir bei der Vorbereitung und in den Anfängen der Haltung stellten, stellen sich jedem Neueinsteiger und diese Fragen werden konkret in unserem Buch beantwortet.

3. Welche besonderen Erfahrungen habt Ihr gemacht?

Wir haben beide die Erfahrung gemacht, dass die Ägyptische Landschildkröte vielleicht zu Unrecht heute noch als so heikel in der Haltung gilt. Diese immer wiederkehrende Einschätzung beruht eventuell noch aus den Anfängen der Haltung dieser Art, als zum einen die ersten Tiere als Wildfänge in menschliche Obhut gelangten, dadurch sehr heikel waren, und zum anderen weder ausreichendes Wissen noch entsprechende Technik vorhanden und verfügbar waren. Mit dem heutigen Wissen und der modernen Technik ist es ohne Weiteres gut möglich, diese faszinierenden kleinen, lauffreudigen Schildkröten zu halten und ihre Bedürfnisse zu erfüllen.
Im Vergleich mit anderen Landschildkrötenarten ist die Ägyptische Landschildkröte in der Gruppe sehr verträglich und harmonisch.
Eine besonders interessante Erfahrung ist es, die instinktiven Veränderungen im Verhalten dieser Schildkröten zu beobachten, wenn man im Terrarium den jahreszeitlichen Verlauf des Klimas und der Lebensbedingungen möglichst nah an den natürlichen Gegebenheiten gestaltet. Die natürliche Reaktion bestätigt uns dann auch, dass unsere Bemühungen einer naturnahen Haltung Erfolg haben.

Nicht zuletzt ist auch das eine unserer Erfahrungen, wie sehr uns diese „Marathonschildkröten“ von Anfang an begeistert haben, wie viel Freude es macht, sie zu beobachten. Im Grunde verliebt man sich sofort in sie. Die geringe Körpergröße, ihr hochgewölbter Körperbau sowie ihre Anpassung an so extreme Lebensräume machen sie so faszinierend.

4. Könnt Ihr uns zwei Fotos von Eurer Haltung zeigen, damit sich die Leserinnen und Leser ein Bild davon machen können?

RS: Gerne zeigen wir Fotos der Gestaltung unserer Terrarien, die jeweils eine Grundfläche von 200 x 100 cm haben. Geplant sind Erweiterungen, so zum Beispiel ein großes Gehege in meinem Schildkrötenhaus.

FB: Auch ich plane bereits eine größere Terrarienanlage mit mehr Platz für meine lauffreudigen Pfleglinge.

5. Konntet Ihr die Art schon in ihren natürlichen Lebensräumen beobachten?

RS: Leider nein. Auf Grund der politischen Wirren in den Herkunftsländern ist es nur schwer möglich, die Verbreitungsgebiete aufzusuchen. Allerdings haben wir Kontakte zu Menschen, die in den Herkunftsländern Libyen und Israel leben und die uns freundlicherweise Fotos von wildlebenden Ägyptischen Landschildkröten im Habitat für das Buch zur Verfügung stellten. Diese Fotos geben einen wunderbaren Eindruck von der Beschaffenheit des direkten Lebensraums.

FB: Ein großer Wunsch und ein Ziel für die Zukunft ist für mich schon die konkrete Planung einer Reise in eines der Herkunftsländer meiner Pfleglinge. Die Verwirklichung wird allerdings einige Zeit der intensiven Vorbereitung und Organisation benötigen.

6. Welchem Konzept folgt Euer jeweiliges Buch?

Ziel unseres Buches ist es, neben eigenen Erfahrungen auch Erfahrungen aus den wenigen Haltungsberichten anderer zu erwähnen, dabei verschiedene Haltungsmöglichkeiten aufzuzeigen, möglichst vollständig verfügbare Literatur aufzulisten und zu erörtern, kontroverse Meinungen zu diskutieren, klar und verständlich die notwendige Technik mit verschiedenen Variationsmöglichkeiten zu erläutern und am Ende dem Einsteiger einen Pflegeplan an die Hand zu geben. Zum Beispiel beim schwierigen und kontrovers diskutierten Thema „Licht im Terrarium“ bietet das Kapitel im Buch zunächst einen Einstieg in die Grundlagen, es werden verschiedene Lampenarten vorgestellt, die Vor- und Nachteile aufgelistet und Empfehlungen gegeben, wobei auch ganz aktuelle und neue Literatur Verwendung findet. Gerade die Wahl der geeigneten Lampen ist sehr häufig Gegenstand von Fragen interessierter Neueinsteiger. Hier gibt das Buch konkret Hilfestellung und Auskunft, wie auch bei der weiteren technischen Ausstattung, Einrichtung und Bepflanzung des Terrariums, der Steuerung des Jahreszyklus, der Ernährung, Vermehrung, Inkubation usw., um nur einiges zu nennen. Daneben wird ausführlich über die Lebensweise in den natürlichen Verbreitungsgebieten mit Klimadiagrammen und Fotos von wildlebenden Testudo kleinmanni, über den Gefährdungs- und Schutzstatus mit einer Verbreitungskarte, über Besonderheiten des Körperbaus als Anpassung, über Ernährung mit wertvollen Tipps für die Versorgung im Winter und vieles mehr informiert. Einen genauen Überblick über die Themen gibt das Inhaltsverzeichnis bei den Leseproben.

7. Was ist das ganz Besondere an Eurem Buch?

Ein Highlight und damit die herausragende Besonderheit des Buches ist der heraustrennbare Jahrespflegeplan hinten im Buch. Diesen kann sich jeder Leser z. B. laminieren und direkt am Terrarium aufbewahren, damit er immer zur Hand ist. Damit bietet er eine große Hilfestellung bei der monatlichen Anpassung der Umgebungsparameter.
Eine weitere Besonderheit ist die Zusammenstellung und Zusammenfassung des Inhalts möglichst vielfältiger Literatur zu jedem einzelnen Thema – es dürfte sich hierbei um die erste derart umfangreiche Sammlung verfügbarer Literatur über Testudo kleinmanni handeln. Damit gibt unser Buch nicht nur die eigenen Erfahrungen weiter, sondern bietet interessierten Lesern mit Verweisen auf weiterführende Literatur die Möglichkeit, sich noch eingehender mit bestimmten Aspekten zu beschäftigen.
Eine Fülle von anschaulichen Fotos ergänzt den Inhalt, wobei bei manch einem der Leser auch einmal schmunzeln wird, aber diese Fotos zeigen wir hier nicht vorab.

Vielen Dank für die Antworten.

Bilder: Rudolf Schramm, Ricarda Schramm, Franziska Biedenweg

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