Neue Chance für ausgestorbene Schildkröten

Ein Mischling von Wolf- und Floreana-Riesenschildkröte, mehr als 200 Kilometer von Floreana entfernt. Foto: Yale University

Walfänger und Piraten haben unwissentlich vielleicht die Basis für die Wiederbelebung einer verschwundenen Schildkrötenlinie gelegt. Entsprechende Resultate hat eine groß angelegte Untersuchung im Galapagos-Archipel erbracht. Auf der größten Insel leben demnach mehrere unmittelbare Nachfahren von Galapagos-Riesenschildkröten, die auf der kleinen Insel Floreana heimisch waren, dort jedoch seit 150 Jahren verschwunden sind.
Alle diese 84 Tiere hätten mindestens ein reinerbiges Elternteil aus der Floreana-Unterart, berichten Adalgisa Caccone von der Yale University und ihre Kollegen im Fachblatt „Current Biology“. Außerdem seien viele von ihnen so jung, dass ihre Eltern noch leben dürften. „Wenn wir diese Individuen finden, können wir sie wieder auf ihrer Ursprungsinsel ansiedeln“, so die Forscherin. „Das ist umso wichtiger, als diese Tiere eine entscheidende Rolle für die Insel-Ökologie spielen.“
Im Galapagos-Archipel lebten einst mehrere Hunderttausend Riesenschildkröten (Chelonoidis nigra), die sich auf den verschiedenen Inseln und in mehreren Vulkangebieten in 15 Unterarten aufgespalten hatten. Die Unterart von Floreana und zwei weitere Unterarten gelten heute als ausgestorben, von einer weiteren ist nur noch ein als „Lonesome George“ bezeichnetes Männchen bekannt.
Bei früheren Untersuchungen im Norden der Hauptinsel Isabela hatten Caccone und Kollegen bereits mehrfach Mischlinge verschiedener Unterarten gefunden. Die wahrscheinliche Ursache sehen sie in Walfängern und Piraten, die das Archipel als Basis nutzten und Riesenschildkröten als lebenden Fleischvorrat mitführten. Überschüssige Tiere wurden wieder an Land ausgesetzt oder schlicht über Bord geworfen.
Für ihre neue Studie analysierten die Forscher Blutproben von fast 1.700 Individuen, die im Gebiet um den Vulkan Wolf auf Isabela leben. Anhand von 12 variablen Erbgutregionen und einer Gen-Datenbank sämtlicher Unterarten versuchten sie dann, die Abstammung der einzelnen Tiere einzugrenzen. Von den 84 Mischlingen, die auf eine Floreana-Riesenschildkröte und eine Wolf-Riesenschildkröte oder eine andere Unterart zurückgehen, sind 30 höchstens 15 Jahre alt. Die Lebensspanne der Riesenschildkröten liegt dagegen bei mehr als 100 Jahren, sodass viele Elterntiere wahrscheinlich noch leben.

Forschung: Ryan C. Garrick, Edgar Benavides und Adalgisa Caccone, Department of Ecology & Evolutionary Biology, Yale University, New Haven; Michael A. Russello, Department of Biology, University of British Columbia–Okanagan, Kelowna, Lady Márquez, Charles Darwin Foundation, Puerto Ayora, Galápagos; und andere

Veröffentlichung Current Biology, Vol. 22(1), R10-R11, DOI 10.1016/j.cub.2011.12.004

 

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