Zu Besuch in der SOPTOM bei Carnoules

Von Elke Wallrapp

Mein erster Mitgliedsausweis von SOPTOM (Station d’observation et de protection des tortues des Maures) stammt aus dem Jahr 1995. Natürlich hatte ich den Wunsch das Schildkrötendorf in Gonfaron einmal persönlich zu sehen und im Jahr 1997 war es dann soweit. Auf diesen ersten Besuch sollten dann noch viele weitere Besuche folgen.
Fast jedes Jahr im Herbst stand das Schildkrötendorf auf dem Programm. Ich schaute mir die unterschiedlichen Schildkrötengehege an, die Änderungen im „Dorf“, die Umbauten, die Ergänzungen, die neuen Erklärungstafeln (die ersten waren auch auf Deutsch), den neu hinzugefügten paläontologischen Pfad, die neu aufgenommenen Schildkrötenarten …! Es gab immer etwas zu entdecken – jedes Jahr wurde das Dorf interessanter und meine Fotos digital.
Auch traf ich dort oft persönlich auf Bernard Devaux, dem Begründer des Dorfes.

Um so gespannter war ich, als ich vom geplanten Umzug des Schildkrötendorfes von Gonfaron nach Carnoules/Var (ca. 12 km entfernt) hörte. Natürlich wollte ich nach der Eröffnung im letzten Jahr auch das neue Schildkrötendorf besichtigen und im Oktober 2017 war es dann soweit.

Ein bisschen Wehmut war dabei, als wir uns auf den Weg nach Carnoules machten. Irgendwie fehlte die gemütliche Fahrt durch die Landschaft und Gonfaron selbst – die engen Straßen, die vielen scharfen Kurven und die Häuser, die mit Schildkrötenmotiven verziert sind. Die Anreise nach Carnoules gestaltet sich viel einfacher. Das neue Gelände liegt direkt an der D97 und ist problemlos von den Autobahnen A57 und A8 zu erreichen.
Der Parkplatz ist an diesem Tag bereits gut gefüllt, Sitzmöglichkeiten bzw. Picknickbänke gibt es leider außerhalb des Schildkrötendorfes (noch?) nicht.

Mehrere Gebäude (u. a. die Schildkrötenklinik) säumen den Weg zum Eingang und zum Ticketschalter. Eines der Gebäude gehört SOPTOM, die hier ihr anerkanntes Zentrum zur Wildtierpflege (Testudo hermanni und Emys orbicularis) betreiben. Hier können z.B. auch verletzte Tiere abgegeben werden.

Es war ein komisches Gefühl für mich – alles war so neu, so anders, größer, moderner…! Spannung machte sich breit.
Am Ticketcounter erfuhr ich erst einmal, dass meine alte Mitgliedschaft nicht mehr gültig ist. Nicht nur das Dorf ist neu, sondern auch die Regularien. Ich bezahlte also die € 15,00 Eintritt und später auch erneut den Soptom Mitgliedsbeitrag, der mittlerweile bei € 45,00 pro Jahr liegt. Er beinhaltet jedoch weiterhin das (irgendwann erscheinende) Magazin „La Tortue“. Was machen wir nicht alles für die Schildkröten, oder?

Durch ein großes Tor betrat ich dann endlich das neue Schildkrötendorf. Der zentrale Platz „Alain Dupré“ ist auf der einen Seite von Gebäuden, dem Kinderspielplatz, dem Picknickbereich begrenzt und auf der anderen Seite beginnt dann endlich der Rundgang durch das neue Schildkrötenrefugium.

Zu allererst wird der Besucher durch die prähistorische Schildkrötenwelt geführt, bevor er zum Schildkrötenkindergarten gelangt und dann endlich bei den vielen verschiedenen Schildkröten landet. Viele informative Tafeln begleiten den Rundgang – welche Arten beherbergt das Schildkrötendorf, welche Gefahren lauern in der freien Wildbahn, Erklärungstafeln zu den einzelnen Schildkrötenarten und wie unterscheiden sich die verwandten Arten…. Leider sind die Texte nur in Französisch und Englisch vorhanden, aber mit vielen Bildern (auch für Kinder geeignet) versehen.

Der Weg führt uns vorbei an Europäische Landschildkrötenarten (u.a. Testudo hermanni, Testudo marginata, Testudo boettgeri), den afrikanischen Arten (u.a. Geochelone pardalis, Geochelone sulcata), den Aldabra Riesenschildkröten (Aldabrachelys gigantea) und an eine große Anlage mit französischen Wasserschildkröten.
Die Anlage wird so genannt, auch wenn die vorhandenen Wasserschildkröten nicht nur in Frankreich vorkommen (u.a. Mauremys leprosa, Emys orbicularis).
Auch amerikanische bzw. vereinzelte asiatische Wasserschildkröten sind in einem weiteren großen Bassin zu finden ( u.a. Trachemys scripta scripta, Trachemys scripta elegans). Überall sonnen sie sich auf künstlichen Inseln und Steinen.

Alle Gehege sind mit vielen Büschen, Sträuchern und auch Unterschlupfmöglichkeiten ausgestattet.
Manchmal sind die Gehege noch nicht vollständig fertiggestellt, aber das neue Schildkrötendorf hatte ja erst vier Monaten geöffnet.

Nach einem gemütlichen, abwechslungsreichen Spaziergang, der jederzeit an einem Picknickplatz unterbrochen werden kann, gelangt der Besucher zum Eingang eines großen Glas- bzw. Treibhauses (400m2 groß)– mit Sicherheit eines der Highlights des neuen Schildkrötendorfes.

Mir wurde fast schwindlig, als ich die Tür öffnete. Heiße tropische und auch stickige Luft waberte mir entgegen – von der Sonne noch zusätzlich aufgeheizt.
Auf der rotbraunen Erde tummeln sich in manchen Gehegen Unmengen Schildkröten und es sieht fast so aus, als würden sie „Nachlauf spielen“.
Andere Gehege sind jedoch noch sehr kahl und unbepflanzt, Schildkröten lassen sich nicht wirklich entdecken, obwohl die entsprechenden Hinweisschilder auf die bewohnenden Arten schon angebracht sind. Vielleicht haben sie sich aber auch nur gut versteckt.
Hier können wir u.a. wieder Spornschildkröten entdecken, aber auch Köhlerschildkröten, Gelenkschildkröten, Flachschildkröten und viele mehr!

Einige Vortragszimmer sind zu durchqueren, um wieder zum Ausgang und zum „Alain Dupré“ Platz zurückzukehren. Vorträge werden regelmäßig zu bestimmten Zeiten gehalten, an denen der Besucher gerne teilnehmen kann.

Ganz neu ist das „Schildkrötenmuseum“, welches den Rundgang fast beendet. Hier werden Schildkrötenobjekte aus der ganzen Welt aus jedem erdenklichen Material ausgestellt. Viele dieser Objekte zeigen die mythologischen Bedeutungen der Schildkröte bei den unterschiedlichsten Völkern. Für mich auch ein sehr interessanter Raum, denn die Mythologie der Schildkröte gehört irgendwie dazu! Von hier gelangt der Besucher in den letzten Schildkrötenraum, den sogenannten „salle aquatique“. Stille ist erwünscht und ziemlich dunkel ist es hier auch.
Viele große Terrarien/Aquarien sind mit besonderen Schildkrötenarten ausgestattet.
Schnappschildkröten, eine Matamata, eine Borneo-Flussschildkröte und noch weitere Arten.
Für mich ein sehr spannender Raum – ich hätte den anmutig schwimmenden Flussschildkröten oder den langsamen Bewegungen der anderen Schildkrötenarten stundenlang zuschauen können.
Durch die besondere Atmosphäre in diesem Raum ist die Zeit schnell vergessen – es sei denn andere Besucher, die diese Ruhe oder Anmut nicht zu schätzen wissen, holen einen in die Wirklichkeit zurück.

Und natürlich endet alles im Souvenirshop, der uns auch einen Blick in die Schildkrötenklinik gewährt. Und ganz ehrlich, können wir Schildkrötenliebhaber nicht immer irgendein Souvenir gebrauchen? Und wenn es nur die Flache Wein mit dem passenden Etikett ist, oder?

Es war ein toller, sehr emotionaler Besuch – wie immer für einmal viel zu viel. Es gibt so viel zu sehen, zu lesen, zu entdecken und zu begreifen – ein weiterer Besuch wird bestimmt in den nächsten Jahren folgen.

Noch nicht alles ist hundertprozentig fertig, aber auch jetzt ist das neue Schildkrötendorf bereits eine Attraktion und einen Besuch wert.

Weitere Impressionen:

 

Text und Fotos: Elke Wallrapp. Alle Rechte bei der Autorin.

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