Babyboom

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Wir haben als Paar nie Kinder bekommen und bei Schildkröten sollte es nach unserem ersten Versuch wohl auch nicht besser sein.

2016 legten unsere Weibchen Eier wie verrückt. Zuerst fing Kimble an und legte 6 Eier in ihre Grube. Danach legte Brandy nach, natürlich wieder in ihren künstlich hergestellten Hügel in die Erde auf einer Teichfolie.  Brandy vergrub 5 Eier in der Erde und marschierte divenhaft von der Folie.  Ein paar Wochen später war wieder Kimble dran und vergrub weitere 5 Eier. Wir gruben alle  16 Eier aus, markierte sie und legten sie mit der Markierung  nach oben im Brutautomaten ab.  Auf drei Etagen lagen nun die Eier in dem Automaten und wir begannen mal wieder auf Nachwuchs zu hoffen.

Der Brutkasten in Form eines großen Eies stand auf dem Sideboard im Wohnzimmer. Wir hatten unserer Putzfrau nicht den Sinn dieses Dings erklärt und so geschah es…beim Putzen stieß sie das Ei um und die Schildkröteneier purzelten durcheinander. Sie richtete zwar das Ei als Brutkasten wieder auf, jedoch lagen die Schildkröteneier alle verstreut im Brutkasten. Sie waren aus den Schalen gekippt und lagen kreuz und quer an der Tür des Brutkastens.

Mein Mann entdeckte Stunden später nach der Arbeit die Gelege und war völlig außer sich. Wie durch ein Wunder war keines der Eier beschädigt worden, nur lag keines mehr so, dass die Luftblase im Ei noch oben war. Er legte die  Eier wieder behutsam in ihre Schalen und erklärte mir später, dass wir auch dieses Mal keinen Schildkrötennachwuchs bekommen würden.

Ich wollte die Hoffnung nicht aufgeben und versuchte Anzeichen von Leben in den Eiern zu erkennen. Nichts …keine Adern, keine dunklen Flecken, einfach nur weiße Eier mit Eidotter oder so.

Nach der üblichen Bebrütungszeit und  nachdem die Eier sich nicht veränderten, setzte ich mir selbst ein Ultimatum zur Entsorgung.  Um ganz sicher zu gehen, fotografierte ich eines der Gelege und schickte es per whats app an eine Schildkrötenexpertin.

Zwei Minuten später kam die Antwort: „ Herzlichen Glückwunsch, Sie bekommen Babys!“

Meine Hoffnung auf Nachwuchs flammte erneut auf und ich bekam das schönste Hochzeitsgeschenk zu unserem 1. Hochzeitstag: ein gekracktes Ei mit einem deutlich sichtbaren Eizahn eines Schildkrötenbabys.

Ab dem Tag gab es kein Halten, ein Ei nach dem anderen wurde von innen aufgebrochen und die süßen Schildkrötenbabys kämpften sich aus den Eischalen.  Man konnte richtig ihren geknickten Bauch sehen und den heraushängenden Dottersack. Ich war so fasziniert, dass ich mir frei nahm, um nichts von dem Schlupf zu verpassen. Kaum aus den Eiern gekrabbelt, vergruben sich die Kleinen mit einem Fiepslaut auch schon wieder unter der Erde. Die Babys passten in Streichholzschachteln, so winzig waren sie.

Als wir im Freundeskreis erzählten, wir würden Nachwuchs bekommen, fragten alle direkt, wann sie die kleinen Schildkröten sehen dürften. Auf die Idee, dass es ein Menschenbaby sein könnte, ist niemand gekommen.

Und so sind aus den 3 Gelegen 14 kleine Schildkröten geschlüpft, nur zwei Eier waren nicht befruchtet.

Jede Schildkröte hat ihren Namen bekommen :

„ Ronaldo ( Fußballspieler),     Dennis (unser Fliesenleger),       Eddie ( von Eddie, the Eagle –die Schildkröte springt von den unmöglichsten Höhen runter),    Kastina ( eine Eigenkreation unseres Patenkindes),  MoschMosch ( geschlüpft, als wir in dem japanischen Restaurant essen waren),    Pancake ( unsere flacheste Schildkröte- es gibt aber in der Tat eine eigene PancakeSchildkrötenrasse) ,  Tapsy ( einfallslose Namensgebung unseres besten Freundes) , Sammy ( Namensgebung unserer Nichten),   Beauty ( perfekter symmetrischer Panzer), Connor  (10. Schlupf ),    Ocean ( Ocean`s Eleven . 11. Schlupf),  Harry (dreckiges Dutzend -unser 12. Schlupf), Bruce und Lee (uns sind die Ideen ausgegangen).

Alle fragen uns jetzt. „ Und was macht ihr jetzt mit den Schildkröten?“ Unsere Antwort ist immer dieselbe. „ Na was schon, behalten, der Garten wird ein Panzer!“

Wir haben so viel Freude an der Minirasselbande, die ihr eigenes Gehege im Garten bekommen hat, geschützt vor Fressfeinden und den ungestümen älteren Tieren.

Hoffentlich überleben alle unsere 23 Schildkröten die Winterstarre, denn eigentlich kann ich es gar nicht erwarten sie nächstes Jahr wieder alle durch den Garten wuseln zu sehen.

Text und Fotos: Regina Conrad. Alle Rechte bei der Autorin

1 Kommentar


  1. Das ist ja unglaublich, Regina, daß den Tieren trotz des Sturzes (und des anschließenden Verdrehens der Eier) nichts passiert ist! Herzlichen Glückwunsch!
    Ich wünsche euch alles Gute, daß alle Tere die Starre gut überstehen und auch sonst mit den Babys alles gut weiter geht!
    Viele Grüße Eva Maria

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