Auf Schildkrötensafari mit Elke Wallrapp (Folge 45)

Und noch einmal begegnen wir Amsterdam, dem niederländischen Bildhauer Hans’t Mannetje (1944-2016) und einer ganz besonderen Schildkrötendarstellung – wahrscheinlich der bekanntesten in den Niederlanden.
Sie dient als Gedenkstein und ist auch als „Jacob Israel de Haan“ Monument oder „Säulen tragende Schildkröte“ bekannt.

Zu finden ist sie am Übergang der Jodenbreestraat in die Sint Antoniesbreestraat, schräg gegenüber des Museums „Het Rembranthuis“.

Hier wurden in den sechziger Jahren, im Rahmen der Amsterdamer Stadtmodernisierung, eine U-Bahn und eine Stadtautobahn gebaut und sehr viele Häuser, auch die des Judenviertels, fielen dieser Maßnahme zum Opfer. In den siebziger Jahren wurde das Bauvorhaben jedoch durch Bürgerproteste gestoppt.

Aus zufällig gefundenen Relikten der abgerissenen Häuser fertigte Hans’t Mannetje, im Auftrag der Stiftung „Amsterdam verschönt“, im Jahre 1986 dieses Schildkrötendenkmal.

Das Denkmal setzt sich aus mehreren Fragmenten zusammen:

  • ein Steinblock, auf dem früher mal eine Büste von Rembrandt gestanden haben soll (belegt durch Buchstabenreste).
  • eine Schildkröte aus grünlichem Naturstein, der fehlende Kopf wurde ergänzt.
  • eine runde Steinsäule von dem Gebäude der Versicherung „De Algemene“ auf der bekannten Straße „Damrak“.
  • eine Art Sattel, als Übergang zur Säule, aus Marmor gefertigt.

Da das Judenviertel bei der Stadterneuerung am meisten betroffen war, findet sich auf einer Seite des Sockels ein Gedicht von „Jacob Israel de Haan“ (1881-1924, Dichter):
„Der in Amsterdam sagte oft „Jerusalem“
Und nach Jerusalem gekommen
sagte er mit träumerischer Stimme:
Amsterdam, Amsterdam“.

Auf der anderen Seite des Sockels findet sich ein weiterer Text, dieser lautet:
„ Bis hier verschwand das alte Stadtviertel
Von hier begann die Stadterneuerung des Viertels
Zur Erinnerung wurde dieser Grenzstein errichtet“.

Und auf der Säule ist zu lesen:
„Die Zeit geht mit dem Bauwerk dahin, am Ende bleibt nur der Stein“.

Leider gibt es keine wirkliche Erklärung, was es mit der Schildkröte auf sich hat. Vielleicht steht sie hier für Stärke, Überleben und Widerstand oder sie ist ganz zufällig da.
Auf jeden Fall ist das Denkmal als Brücke zwischen dem Alten und dem Neuen zu sehen.

Die Idee dieses Monuments geht auf den Obeliskenträger „Berninis Elefant“, aus dem 17.Jahrhundert, auf der „Piazza della Minerva“ in Rom zurück.

Ganz herzlich möchte ich mich bei Herrn Dr. Herbert Hansen für die Übersetzungshilfe der sehr schwer zu verstehenden, vielen niederländischen Texte bedanken.

Text und Fotos: Elke Wallrapp. Alle Rechte bei der Autorin.

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