Golliwoog® – was ist das eigentlich? Ein Interview mit Nadine und Manfred Schrape

Nadine Schrape

Im vergangenen Dezember haben wir Thorsten Geiers Bericht über seinen Besuch in der Gärtnerei Schrape veröffentlicht. Im ostfriesischem Weener werden für den Tierhandel, für Gartencenter und Zoofachgeschäfte Futterpflanzen unter dem Namen Golli-Thek® produziert – unter anderem auch Golliwoog®. Die Pflanze gehört zu den meistgenannten und -empfohlenen Futterpflanzen.
Aber warum?
Was steckt dahinter?
Nadine und Manfred Schrape, die Golliwoog® in ihrem Gartenbaubetrieb erzeugen, haben sich bereit erklärt, uns einige Fragen zu diesem beliebten Schildkrötenfutter zu beantworten und uns einige Bilder zur Verfügung zu stellen:

Was genau ist denn jetzt eigentlich Golliwoog®?
Der botanische Name für Golliwoog® ist Callisia repens, die deutsche Bezeichnung ist kriechendes Schönpolster oder auch Callisia turtle. Der Name Turtle steht nicht, wie viele denken, dafür, dass Schildkröten diese Pflanze fressen dürfen, sondern für die einzelnen Blätter der Pflanze, die schildförmig wie ein Schildkrötenpanzer übereinander liegen.

Wir haben 2005 entdeckt, dass unsere Kaninchen Callisia gerne fressen! Warum, das wussten wir damals noch nicht. Durch eine tiermedizinische Untersuchung, die wir in Auftrag gegeben hatten, fanden wir heraus, das Callisia sehr wertvolle Nährstoffe, Vitamine und Mineralstoffe enthält und dabei viel Wasser speichert. Wir haben uns dann entschieden, Callisia repens als spezielle Futterpflanze auf den Markt zu bringen. Dabei mussten wir jedoch sicherstellen, dass eine Zimmerpflanze, die meistens mit Pflanzenschutz- oder Wuchshemmstoffen behandelt wird, gut von unserer bekömmlichen Futterpflanze zu unterscheiden ist. So gaben wir unserer Futterpflanze den Namen Golliwoog®, welcher dann auch als Marke angemeldet wurde.
Heute wissen wir, wie wichtig es war die Marke anzumelden, denn inzwischen werden auch viele Callisia repens Pflanzen verkauft, die alles andere als Futterpflanzen sind und sogar schädlich für Tiere sein können. Man findet sie zum Beispiel in Gartencentern und Gartenabteilungen von Baumärkten und Möbelhäusern. Oft werden sie gar nicht als Tierfutter angeboten. Viele Kunden denken aber wohl: „Callisia repens, das ist doch das auch nichts anderes als Golliwoog®, das kann ich doch genausogut kaufen.“ Und genau hier liegt das Problem.

Wie unterscheidet sich Golliwoog® jetzt eigentlich von dem im Handel angebotenen Kriechenden Schönpolster?
Im Gegensatz zu Zierpflanzen wird unsere Golliwoog® nicht mit chemischen Pflanzenschutzmitteln oder Wuchshemmstoffen behandelt. Das garantieren wir. Denn für Tiere sind diese Mittel schädlich. Das ist erst einmal das Wichtigste für alle Futterpflanzen. Optisch kann man dies besonders im Winter daran erkennen, dass die mit Wuchshemmstoffen behandelten Pflanzen kompakter und dekorativer aussehen, als unbehandelte Futterpflanzen.
Wir lassen zudem unsere Pflanzen regelmäßig stichprobenartig untersuchen, um eine einwandfreie Futterqualität sicherstellen zu können.
Golliwoog® braucht viel Wärme und Licht. Während im Sommer die Sonne das nötige Licht liefert, versuchen wir im Winter das Licht durch spezielle Lampen zu ersetzen. Wenn wir gleichzeitig auch die Schönheit vom Sommer erreichen wollten, wäre die Pflanze nicht bezahlbar und würde durch den höheren Energieverbrauch der Umwelt schaden. Versuche, die Pflanzen mit anderen Methoden kompakt zu halten, sind leider noch nicht ausgereift und werden daher meist noch mit herkömmlichen Wuchshemmern kombiniert. Bei uns natürlich nicht. Wir möchten euch deshalb bitten, Golliwoog® gerade im Winter als Futterpflanze zu betrachten, da ihre dekorativen Vorzüge erst im Sommer zum Tragen kommen.
Hier möchten wir mal ein Foto von einer Callisia repens zeigen, die im Handel für 1,49€ verkauft wird. Diese Pflanze befindet sich in einem 8er Topf. Wir verkaufen unsere Futterpflanzen in 12er Töpfen! Damit möchten wir kurz darstellen, dass unsere Futterpflanzen nicht zu teuer sind, wenn man zudem bedenkt, dass man immer zwischen 10% und im schlimmsten Fall 40% Ausfall hat! Das kommt natürlich auch auf die Jahreszeit an.

Wie kann ich die Unterschiede erkennen?
Gerade im Winter kann man Golliwoog® wunderbar von einer Zimmerpflanze unterscheiden! Die Golliwoog® ist nicht so gedrungen, sie hat lange Stiele zwischen den Blättern (Internodien). Aber auch sonst sind unsere Futterpflanzen gut zu erkennen. Auf unserem Pflanztopf steht Golli-Thek® der Name unter dem alle unser Futterpflanzen laufen. Außerdem befindet sich in jedem Topf ein Etikett mit unserem Logo drauf. Schaut doch mal, ob ihr noch etwas Interessantes auf dem Golliwoog® Etikett entdeckt.

Kann ich Golliwoog® bedenkenlos an meine Tiere verfüttern? Warum?
Diese Frage können wir ganz klar mit ja beantworten. All unsere Futterpflanzen sind weder mit Pflanzenschutzmitteln, Wachstumshemmstoffen oder sonstigen für Tiere schädlichen Mitteln behandelt.

Welche Qualitätsprüfungen fanden/finden statt?
Seitdem wir Futterpflanzen produzieren sind uns mehrere Dinge sehr wichtig. Zum einen die Untersuchung von unseren Futterpflanzen durch Experten, denn wir sind erst einmal nur Gärtner und nicht allwissend. Zum anderen, dass all unsere Futterpflanzen nicht mit chemischen Mitteln behandelt werden, die in irgendeiner Form für Tiere schädlich sind. Und genau das wird regelmäßig von einem unabhängigen Labor kontrolliert.

Wo kann ich Golliwoog kaufen?
Alle Zoofachgeschäfte hier aufzuzählen wäre ein wenig zu viel des Guten. Deshalb könnt ihr euch auf unserer Internetseite unter https://www.golli-thek.de/shopfinder die Zoofachgeschäfte in eurer Nähe anzeigen lassen.

Und jetzt noch die Frage, die alle interessiert: Warum heißt Golliwoog® eigentlich Golliwoog®? Was hat es mit dem Namen auf sich?
Wie bei vielen anderen Marken auch, ist es ein Phantasiename, welcher der Unterscheidung zwischen Zimmer- und Futterpflanze dient. 2005 gab es noch keine Futterpflanzen in Zoofachgeschäften zu kaufen! Um eine Zimmerpflanze von einer Futterpflanze unterscheiden zu können haben wir all unseren Futterpflanzen einen Namen gegeben.

Vielen Dank an Nadine und Manfred Schrape für dieses interessante Gespräch.

Fotos: Nadine Schrape, Manfred Schrape, Thorsten Geier

1 Kommentar


  1. Hallo liebe Schildkrötenfreunde,
    in dem Artikel über Golliwoog fehlt meines Erachtens die alles entscheidende Frage für Schildkrötenhalter, nämlich welchen Vorteil diese südamerikanische Pflanze eigentlich gegenüber europäischen Wildkräutern wie Löwenzahn, Rainkohl, Wegerich und Co bieten soll, die wir kostenlos in der Natur finden? Mir fällt da außer der Tatsache, dass sie auch im Winter verfügbar ist, nichts ein. Im Winter wiederum sollten aber mediterrane Landschildkröte in der Winterruhe sein. Von den Nährwerten her rechtfertigt eigentlich gar nichts, diese Pflanze als besonders gut geeignet für Landschildkröten herauszustellen und besonders wässrige Pflanzen brauchen sie auch nicht. Im Freiland gewachsene Wildkräuter sind jedenfalls die natürlichere und kostengünstigere Wahl.
    Der Name Golliwoog dürfte übrigens auf die britische Kinderbuchautorin Florence Upton zurückgehen, die im Jahr 1895 für eines ihrer Kinderbücher den kleinen schwarzen „Golliwog“ erschuf.
    Editha K.

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