Gehegebau: 180° Wende bei voller Fahrt (Teil 1)

Eine Anmerkung vorab: Es ist schön und mutig, wenn Einsteiger in das Schildkrötenhobby von ihren Erfahrungen, auch den negativen, berichten und auch diese weitergeben. Im Folgenden schildert Sonja Bader, wie sie zum Umdenken ihrer Haltung angeregt wurde und sozusagen eine 180°-Wende bei voller Fahrt vollzogen hat.

Von Sonja Bader

Alles fing vor ca. 10 Jahren auf dem Geburtstag bei einer Züchterin an…
Schnell waren die beiden ersten griechischen Landschildkröten gekauft und ein kleines Freigehege gebaut. „Mehr brauchen sie ja nicht“, dachte ich.
Ein wenig en Obst / Gemüse und Salat und schon waren alle glücklich. Winterstarre wurde anfangs verkürzt gemacht. „Die Tiere sind ja so klein und jung.“sb-g-01
Das Gehege wuchs nach und nach mit den Tieren. Meine Fütterung blieb weiterhin gleich. Miserabel – wie ich heute weiß!
Immerhin wurde die Winterstarre im Kühlschrank bei Erde und Stroh immer länger.
Als die Tiere in die Geschlechtsreife kamen, verstanden sich unsere beiden Männchen nicht mehr und mussten getrennt werden. Ich entwickelte mein Wissen weiter, wurde älter und nutzte auch hier und da mal das Internet zur Recherche. Leider gibt es im Internet viele verschiedene Meinungen und Empfehlungen – gute und schlechte…
Der erste Schritt war der Beitritt in einer Schildkrötengruppe bei Facebook. Und glaubt mir: Das ist nicht die einzige geblieben. Hier habe ich ganz stolz mein mittlerweile super schön gewordenes Schildkrötenfreigehege gezeigt…
Ganz toll angelegt – mit Rindenmulch, Steinen, Sand und Grasfläche, Versteck, Wasser- & Futterschale. Zusätzlich gab es noch ein tolles Holzhäuschen – extra vom Schreiner gefertigt – für kalte Tage und Nächte sowie die Übergangszeit bis die beiden Schildkrötenmänner wieder in die „Winterstarre-Vorbereitungskiste“ vom Wohnzimmer über den Keller in den Kühlschrank zogen.sb-g-02
In der Gruppe habe ich gleich einen Dämpfer bekommen. Kommentare wie „Das ist überhaupt nicht artgerecht“, „Lass Obst / Gemüse und Salat weg – füttere Wildkräuter“, „Biete deinen Tieren ein Frühbeet mit Technik an“ bis hin zu „Gib deine Tiere ab, wenn du sie nicht artgerecht halten kannst“ war alles dabei.
Das war ein Schock für mich… „Mein Gehege ist doch so toll“, dachte ich. „Und sie fressen doch das Obst und Gemüse so gerne…“
Ich habe viele Tipps und Ratschläge bekommen – welche ich gelesen und teilweise umgesetzt habe – teilweise nicht (Frühbeet mit Strom wollten meine Eltern nicht). Da ich aber mit dem Gedanken spielte auszuziehen, musste es so lange noch ohne Frühbeet und Technik gehen. Es hatte bis jetzt ja auch funktioniert…
Der zweite Schritt war ein kleiner „Schritt rückwärts“. Aber es hat, wenn ich genau nachdenke, auch etwas Positives: Ich wollte weitere Schildkröten. Jetzt, da klar war, dass ich ausziehe und einen großen Garten bekomme – mit allem was das Schildkrötenherz begehrt. Im Netz bin ich schnell fündig geworden. Also habe ich weitere Schildkröten gekauft und ein Provisorium bei meinen Eltern gebaut. Natürlich auch hier wieder ohne Technik. Aber die Zeit war absehbar, bis sie alles bekommen, was sie für ein artgerechtes Leben brauchen. Und entgegen der ganzen Kommentare von Mitgliedern diverser Schildkrötengruppen setzte ich meine Tiere sofort zusammen. Was kann schon so schlimm daran sein?
Doch das Ende vom Lied war, dass ALLE Tiere Herpes positiv getestet wurden.
Jetzt heißt es erst recht – artgerechte Haltung ist oberstes Gebot!!
Der dritte Schritt war der Bau eines neuen, großen und vor allem artgerechten Zuhauses für meine mittlerweile acht griechische Landschildkröten. Es sollen ca. 50qm Südseiten-Freigehege am Hang werden mit ungefähr 4qm selfmade Frühbeet, aufgeteilt in drei Abteile…

Wird kommende Woche fortgesetzt.

Text und alle Bilder: Sonja Bader.  Alle Rechte bei der Autorin

5 Kommentare


  1. Hallo Sonja, vielen lieben Dank für deinen Mut deinen Weg der Schildkrötenhaltung hier so offen zu erzählen. Aus Fehlern lernt man und man kann nur hoffen, dass viele Schildkrötenhalter deinen Bericht lesen. Dann wird ihnen klar, wie wichtig eine naturnahe Haltung und die Einhaltung der Quaranäne ist.
    lg anita


  2. – ich wollte gefällt mit klicken, geht aber nicht ohne dass ich mich irgendwo anmelden muss…
    Also denn so, Sonja dein Artikel gefällt mir und ich freue mich auf die Fortsetzung 👍🏻


  3. Prima, liebe Sonja, deine Offenheit wird sicher viele neue Halter überzeugen!!
    In den FB-Schildkrötengruppen wird evtl. auch so mancher „stille“ Leser dann auch wach!
    Danke.


  4. Hallo Sonja,

    danke für deine Ehrlichkeit und den Mut zur Wahrheit. Dafür einen dicken Daumen hoch. Ich werde diesen Artikel gerne verlinken, wenn künftig wieder solche Gehege gezeigt werden. Dein toller Beitrag wird es einfach machen, die Leute davon zu überzeugen, sich schlau zu machen, Fehler zu erkennen und dann wie du, ein Traumgehege zu bauen.

    Auch die Ehrlichkeit bezüglich der Ansteckung deiner Tiere mit Herpes durch ausgelassene Quarantäne ganz große Klasse. Nur so kann man eine weitere Ausbreitung von Herpes oder auch Mykoplasmen verhindern.

    Ich wünsche mir mehr von diesen Beiträge, weil sie einfach zeigen, dass jeder Fehler machen darf, aber sie dann bei Wahrnehmung abzustellen. Super gemacht.

    PS: Ich habe positive Mykoplasmentiere und ich habe dafür extra eine Facebook-Gruppe gegründet. Ich denke: Aufklärung ist super wichtig.

    Barbara


  5. *klasse* Sonja :-)
    Das ist so ein schönes klassisches Beispiel … danke für deinen tollen Bericht.
    Ich kenne ja dein jetziges Gehege. Wunderschön !

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