Auswirkungen der ungewöhnlich hohen Niederschlagsmengen 2016 (Teil 2): Auswirkungen auf den Speisezettel

Teil 1 lesen Sie hier.

An manchen der häufigen bewölkten und regnerischen Tagen in diesem Jahr konnte ich ein erstaunliches Verhalten bei meinen Europäischen Landschildkröten beobachten.

Wenn sie frühmorgens ihre Tour ins Freigehege starteten, dann machten sie nicht wie gewohnt Halt an leckeren Futterpflanzen zum ersten Frühstück, sondern ließen diese links liegen und marschierten eilig und zielgerichtet zu einem regennassen Wiesenstück. Dort beobachtete ich wie sie mit den Vorderbeinen Grasbüschel zerteilten und unter den Halmen und Pflanzen suchten. Was suchten die Schildkröten dort? Was konnte interessanter sein als Futterpflanzen? Das Foto zeigt das Objekt der Begierde – eine Nacktschnecke.

Rote Wegschnecke
Rote Wegschnecke

Die Schildkröten scheinen zu „wissen“, dass morgens bei Regen solche Leckerbissen anzutreffen sind und auch wo. Sie suchen also tatsächlich gezielt danach. Und haben sie eine Schnecke gefunden, dann beobachte ich die erstaunliche Verwandlung einer sanften Pflanzenfresserin in ein blitzschnelles Raubtier, das die Beute fixiert, schnappt und mit offensichtlichem Genuss verschlingt, wie man es sonst von carnivoren oder omnivoren Schildkrötenarten, z. B. Geoemyda spengleri, kennt.

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Dazu erreichen mich oft Anrufe von Schildkröten-Einsteigern, die ihre Schildkröten beim Schneckenfressen oder mit schleimverschmierten Schnabel entdecken und sich Sorgen machen. „Dürfen meine Schildkröten das fressen? Tierisches Eiweiß?“ und „Schadet der Schleim, können sie daran ersticken?“, so lauten die besorgten Fragen.

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Schneckenschleim
Schneckenschleim

Ich weise als Antwort darauf hin, dass die Schildkröten wohl auch in der Natur hin und wieder Schnecken fressen. Was aber nicht etwa heißen soll, dass sie ansonsten bewusst mit tierischem Eiweiß gefüttert werden sollten. Bei starker Verschleimung aus Maul und Nase nach dem „Festmahl“ setze ich die betroffenen Schildkröten in eine Wasserschale, was meist schnell Abhilfe schafft.

Nur, so viele Schnecken wie in diesem Jahr haben meine Schildkröten wohl noch nie gefunden und gefressen. In den natürlichen Verbreitungsgebieten werden sie wohl kaum so viele Schnecken finden und dann wohl eher Gehäuseschnecken. Ist das noch vertretbar? Wir haben jetzt begonnen frühmorgens vor den Schildkröten die Nacktschnecken zu jagen und möglichst viele aus den Gehegen zu entfernen, damit sie nicht so viele erbeuten können.

Wie halten Sie das?

 

Text und Fotos: Ricarda Schramm, alle Rechte bei der Autorin

3 Kommentare


  1. Hallo Ricarda,

    danke für den tollen Artikel. Ich habe ähnliches beobachtet wie du. Bei mir wurde auch Jagd auf Regenwürmer gemacht.

    Wie du sammele ich jeden Tag die Nacktschnecken ab, die ich finde. Mir fiel dieses Jahr aber auf, dass es deutlich weniger Schnecken waren also sonst.


  2. Auch unter meinen Schildkröten gibt es Tiere, die Nacktschnecken gerne fressen und wissen wann sie diese am besten bekommen und das nicht erst seit diesem Jahr. Es sieht etwas ekelhaft aus und die Vorstellung daran wie Ron in H.P. fast zu ersticken macht es unangenehm.


  3. Hallo,
    Auch wir hatten bei uns im Frühsommer bis in den Hochsommer hinein mit erstaunlich vielen Regentagen zu kämpfen. Erstaunlicherweise war das Nacktschneckenaufkommen nur geringfügig höher als sonst. Wir haben generell nur selten mal eine im Gehege.
    Wenn die Schildkröten eine erwischen, dann dürfen sie die auch fressen. Sollte es mal zu viel werden, dann sammeln wir die Schnecken vorher ab. Extra welche füttern würden wir aber nie tun.

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