Neues Innengehege für unsere Spaltenschildkröten

Von Torsten Kiefer

Unsere zwei Spaltenschildkröten (Malacochersus tornieri) leben, wie hier bereits beschrieben, in einem Terrarium mit den Maßen 160 x 100 x 70 cm (B x H x T).
Von anderen Haltern wurde mir aber schon berichtet, das die Tiere aktiver sind, wenn direktes Sonnenlicht ins Terrarium fällt. Was man natürlich auch gut nachvollziehen kann. Da ich das aber mit dem vorhandenen Terrarium und dem Platz nicht in Einklang bringen oder zumindest nicht nach meinen Vorstellungen umsetzen konnte, machte ich mir Gedanken, wie man das Problem am besten lösen kann. Es sollte aber dann immer noch als Büroraum zu erkennen sein.
Christine Dworschak gab mir dann den entscheidenden Impuls. Auf ihrer sehr sehens- und empfehlenswerten Homepage “Spaltenschildkröten” und auch in ihrem Artikel über diese Tiere in der “Schildkröten im Fokus, 02/2016″ hat sie u. a. detailliert den Bau ihres neuen Innengeheges für Spaltenschildkröten beschrieben. Für meine Räumlichkeiten genau das, was ich gesucht hatte. Einfach genial und auch für Nicht-Handwerker genial einfach.tk-sp-04
Zwar musste ich einen Teil meines Schreibtisches dafür “opfern”, aber das war es mir dann auch wert.
Als Material benötigte ich:
• 4 Bücherregale, Maße: ca. 87 x 72 x 36 cm ( B x H x T)
• ca. 3 qm Spanplatten
• Teichfolie ca. 3 x 3 m
• 4 x 80 cm Gliederkette
• 2 Haken zur Aufhängung der Lampen (belastbar je Haken mit 80 kg)
• 2 Gewindestangen (24 cm)
• Leimholzplatten in massiver Buche für die Umrandung:
• 1 x 200 x 30 x 1,8 cm
• 2 x 120 x 30 x 1,8 cm
• Leimholzplatten in massiver Buche für die Lampenaufhänhunh:
• 3 x 100 x 20 x 1,8 cm
Als Beleuchtung kommen dann wieder 2 Bright Sun UV in Einsatz. Des weiteren 2 LED Bulb Glühlampen E37 30 W. Diese Lampen hat Ricarda Schramm für ihre Spaltenschildkröten im Einsatz und auf dieser Plattform ausführlich beschrieben. Da ihr Urteil über diese Lampen sehr positiv ausfiel, wollte ich diese dann auch im neuen Innengehege testen.
Als Unterbau baute ich mir vier Bücherregale zusammen. Einfach und praktisch, da ich in die Regale meine ganze Schildkrötenliteratur griffbereit unterbringen kann. Somit hatte ich dann schon das Außenmaß von ca. 174 x 123 cm. In der Mitte entstand dadurch eine Fläche von ca 124 x 100 cm mit einer Tiefe von ca. 90 cm. Genügend, um auch größere Pflanzen mit tieferen Wurzeln gedeihen zu lassen.tk-sp-01

Der “Innenausbau” wurden mit Spanplatten ausgekleidet und komplett mit Teichfolie ausgelegt und an die Platten festgetackert. Zusätzlich wurden an den Rändern Dachlatten festgeschraubt um die Leimholzplatten als Umrandung später dort zu befestigen.

Die Lampenaufhängung wurde dann auch passend zur Umrandung mit Leimholzplatten gebaut. Außenmaße der Aufhängung: ca. 100 x 24 x 20 cm ( B x H x T ). So hatte ich genügend Platz um die 4 Lampen mit etwas Abstand zueinander anzubringen und Kabel, Zeitschaltuhren und Mehrfachsteckdosen im Inneren gut unterzubringen.
Nun begann die schweißtreibende Arbeit: Das Innengehege musste mit Erde aufgefüllt werden. Zum Glück hatte vor kurzem 50 Meter uns entfernt das Ausschachten für einen Hausbau begonnen. So durfte ich mir dort so viel Mutterboden nehmen, wie ich wollte. Als dann die neue Heimat der Spaltenschildkröten mit Erde aufgefüllt war, zählte ich am Ende 15 Schubkarren von einem Gemisch aus Lehm- und Mutterboden. Die letzten beiden Schubkarrenladungen hatte ich dann noch mit Dolomitkalk aufgewertet.
Danach begann das Strukturieren des Geheges. Wie schon im Terrarium als auch bei unseren Griechischen Landschildkröten im Freigehege habe ich Schiefersteine/- Platten zur Gestaltung der Felsenlandschaft verbaut. Mit Schiefer kann man sehr gut Terrassen bauen und zusätzlich speichert Schiefer hervorragend die Wärme. Natürlich müssen die Steine fest aufeinander liegen und dürfen nicht wackeln. Notfalls sollten die Platten z.B. mit Silikon miteinander verklebt werden.
Als Bepflanzung habe ich Grünlilie (Chlorophytum comosum), Geldbaum (Crassula argentea) und eine große Aloe Vera. Eventuell kommt das eine oder andere noch hinzu.
Die Beleuchtung habe ich so eingestellt, das morgens um 8 Uhr die linke LED-Lampe mit der rechten Bright Sun angeht. Um 10 Uhr folgen die beiden anderen. Gegen 18 Uhr gehen dann in umgekehrter Reihenfolge die beiden ersten Lampen aus und um 20 Uhr die beiden anderen.tk-sp-03

Bedenken hatte ich, ob die notwendige Luftfeuchtigkeit in einem offenen Gehege erreicht bzw. auch gehalten werden kann. Andere Halter mit offenen Innengehege berichteten mir jedoch, das die Luftfeuchtigkeit in den Spalten relativ hoch bei ca. 70% Prozent liegt. Ich habe dann Messungen an den ersten Tagen durchgeführt und es war dann tatsächlich so, das die Luftfeuchtigkeit konstant im Schnitt bei ca. 75 % lag.
Fazit
Spaltenschildkröten sind ja sehr ortstreue Tiere, die in der Regel sehr empfindlich auf Veränderungen in ihrer Umgebung reagieren. So hatte es auch einige Wochen gedauert, bis sich die Tiere nach dem Kauf und den Umzug in den Hunsrück vor 2,5 Jahren aus ihren Spalten getraut hatten. Dies ist auch mit ein Grund, warum ich und auch viele andere Halter dieser faszinierenden Tiere auf eine kombinierte Innen-/Außenhaltung verzichten.
Dementsprechend war ich dann schon sehr gespannt, wie die beiden auf ihr neues ” Heim” reagieren. Am 17.07.2016 erfolgte dann der Umzug. Doch zur Überraschung konnte ich miterleben, das die Tiere, statt fluchtartig in den Spalten zu verschwinden, ihr neues Terrain ausgiebig und in Ruhe erkundeten. Auch nach einigen Tagen sind sie eher selten in den Spalten (immer im Vergleich zu vorher) und berennen und erklettern das neue Zuhause, fressen ganz normal und sonnen sich ausgiebig unter der Bright Sun.
Die neuen LED Lampen bringen ein sehr helles Licht, was meiner Meinung auch zur Aktivität beiträgt. Ein großer Vorteil ist natürlich auch, das die Morgensonne direkt ins Innengehege fällt und zusätzlich für natürliches Licht sorgt.tk-sp-02
Bisher kann ich also festhalten, das es die absolut richtige Entscheidung war, den Tieren ein Innengehege zu bauen. Natürlich werde ich die nächste Zeit beobachten, messen um eventuelle Veränderungen an Tier und Umgebung festzustellen und dementsprechend reagieren. Doch die ersten Tage waren schon ein vielversprechender Anfang!

An dieser Stelle möchte ich noch Christine Dworschak danken, die mit ihrem Bau des Innengeheges mich erst auf diese Idee gebracht hatte und mir bei Fragen immer zur Seite stand!

Der Beitrag erschien zuerst auf Torsten Kiefers Internetseite und wird hier mit Zustimmung des Autors wieder veröffentlicht.
Dort finden sich auch eine Galerie mit zahlreichen weitere Fotos des Geheges. Alle Rechte beim Autor.

 

 

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