Ameisen im Frühbeet

Jedes Jahr im Frühsommer fragen sich einige Schildkrötenbesitzer voller Sorge, was sie bloß gegen diese kleinen Krabbler unternehmen können.
Sehr gerne mietet sich dieses fleißige Volk im Frühbeet, welches eigentlich für die Schildkröten erbaut wurde, ein. Hebt man einen Stein oder eine Wurzel hoch, so wuselt es nur so.
Mit Schrecken muss der besorgte Schildkrötenhalter dann feststellen, dass diese kleinen Biester auch schamlos über die Schildkröten krabbeln.

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Was, wenn diese eine Schildkröte beißen oder ihnen womöglich die berüchtigte Ameisensäure ins Auge spritzt?
Sucht man auf einschlägigen Internetplattformen dazu eine Antwort, so findet man viele Tipps und ebenso viele Schauermärchen.
So wird doch tatsächlich die Geschichte erzählt, dass eine junge Griechische Landschildkröte ihr Augenlicht einbüßen musste, weil sie von einer Ameise ins Auge gebissen, oder ihr die Säure in dieses gespritzt wurde.

Eine herkömmliche Ameisenfalle ist da, wo unsere gepanzerten Lieblinge leben, freilich unmöglich. Was den Ameisen den Tod bringt könnte doch auch den Schildkröten schaden.

Tipps von Lavendelöl, Zimtsangen, Kupfermünzen, Essigwasser, Backpulver bis zu der „harten“ Methode mit dem kochend heißen Wasser, findet man rezeptartig alles genau beschrieben. Einige, besonders tierliebende, haben das gesamte Ameisenvolk sogar mittels Blumentopf und etwas Geduld einfach übersiedelt.

Ich selbst habe im Laufe der Jahre so gut wie alles ausprobiert, jedoch völlig erfolglos. Besonders im Wintergarten, bei meinen Testudo kleinmanni, den Ägyptischen Landschildkröten, fand ich ein Ameisennest als besonders lästig. Je mehr ich jedoch versuchte, desto lästiger wurden diese kleinen Quälgeister.

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Letztendlich habe ich mich mit den fleißigen Krabbeltierchen arrangiert und mich mit ihrem Dasein abgefunden – und siehe da, wenn man sie dort wo sie sind, einfach in Ruhe lässt, dann sind sie gar nicht mehr so lästig. Ganz im Gegenteil, sie halten das Frühbeet sauber, tragen Berge von verrotteten Pflanzenresten und sogar Kot weg, lockern den Boden und bringen neue Pflanzen ein, die auf dem, durch Ameisen gelockerten Boden besonders gut an keimen können.
Auch rein medizinisch können sie wahre Wunder wirken. Sie sollen bei Rheuma helfen.
Die Urvölker nutzten die Tiere um eitrige Wunden zu heilen. So schützten sie sich vor einer tödlichen Sepsis, indem sie die brandige Gliedmaße in einen Ameisenhaufen legten. Die Tiere fraßen die bereits abgestorbenen Fleischteile ab und die Wunde konnte, dank der Ameisensäure sauber heilen.

Möglicherweise hat die, angeblich durch Ameisensäure erblindete Schildkröte, einer Ameise ihr Leben zu verdanken, die ihren Instinkten folgend das wunde und eitrige Schildkrötenauge gereinigt und so vor einer tödlichen Sepsis bewahrt hat.

Wie immer dem auch sei, auf jeden Fall sind die Ameisen im Frühbeet immer nur vorübergehende Gäste und wenn man sie nicht stört, dann sind sie meistens im Juli auch schon wieder verschwunden.

Noch nie hatte ich das Gefühl, dass sich meine Schildkröten in irgendeiner Weise von den Tieren gestört fühlen und seit auch ich mich an ihr Dasein gewöhnt und ihre Nützlichkeit akzeptiert habe stören sie auch mich nicht mehr.

 

Text und Fotos: Christine Dworschak. Alle Rechte bei der Autorin
www.griechische-landschildkroeten.at

6 Kommentare


  1. Sehr geehrter Herr Köhler,
    wie ich bereits geschrieben habe, ist es mir durchaus bewusst, dass es das „Problem Ameisen“ in einem kleinen steril gehaltenen Aufzuchtbecken kaum gibt.
    Ich selbst schreibe jedoch lediglich von meinen eigenen Erfahrungen und ich halte meine Schildkröten, wie viele andere Halter auch, bereits von Schlupf an in Frühbeeten mit angrenzendem Außenbereich.
    Ihre Aufzuchtmethode ist sicherlich sehr interessant, jedoch in keiner Weise mit meiner zu vergleichen. Meine Erfahrungen beruhen selbstverständlich nicht auf Methoden, die ich selbst nicht praktiziere. Darum steht ja auch schon in der Überschrift „Ameisen im FRÜHBEET“
    Ich selbst habe vermutlich vom „Hobby Schildkröten“ eine völlig andere Auffassung als Sie. So versuch ich stets in einem kleinen Ausschnitt die Natur so im Einklang zu halten, dass sie möglichst ohne mein Eingreifen funktioniert und walken kann. In diesem Sinne habe ich festgestellt, dass Ameisen in einem entsprechend großen Frühbeet oder Gehege mehr Nutzen als Schaden bringen – genau davon handelt auch mein Bericht.
    Wenn man sich mit Ameisen genauer befasst, dann wird man sehr bald feststellen, dass diese Tiere nicht Nützlinge (sie reinigen, desinfizieren die Umgebung und sie halten sie sogar frei von schädlichen Pilzsporen) sind, sondern auch gezielt in der Medizin angewandt werden.


  2. Sie müssen wohl damit leben, sehr geehrte Frau Dworschak, dass es nicht nur d e n einzigen erfolgreichen Weg der Aufzucht von NZ gibt, sondern mehrere. Ich habe dies immer wieder betont (und werde es auch weiterhin tun): in meinem Buch „Aufzucht europäischer Landschildkröten-Babys“, in Vorträgen, in manchen meiner Schildkröten-Veröffentlichungen und in zahllosen Beratungsgesprächen. Ein Blick in die Natur liefert die Bestätigung, gibt es doch z.B. Sanddünen-Biotope mit sehr harten Bedingungen für Schlüpflinge (wenig Schatten, extreme Boden-Trockenheit, wenige Futterpflanzen und Versteckmöglichkeiten, hohe Oberflächentemperaturen, leichtes Ziel für Fressfeinde wie Schlangen und Vögel)und, nur wenige Kilometer weiter, lichte Pinienwälder mit feuchten Stellen und ausgeglichenem Klima, gutem Pflanzenwuchs, zahlreichen Versteckmöglichkeiten usw. In beiden Biotopen, so unterschiedlich sie auch beschaffen sind, kommen Schlüpflinge hoch und existieren Schildkröten-Populationen(siehe Berichte und Fotos in http://www.schildi-online.eu), warum sollten wir uns also den Kopf darüber zerbrechen, ob eine bestimmte Aufzuchtmethode „besser“ ist als eine andere? Schließlich sprechen wir hier nicht über die Haltung von Schildkröten in der Wohnung auf dem Teppichboden! Dass mir die vorübergehende Haltung einer für den Verkauf gedachten überschaubaren NZ-Gruppe in einem Nagerheim oder Katzen-WC von manchen Züchtern zum Vorwurf gemacht wird, ist schon merkwürdig (zumal Interessenten an meinen Außengehegen sehen konnten, wie Schildkröten auf Dauer zu halten sind), hat sie doch viele Vorteile, vor allem für Anfänger. Einer dieser Vorteile ist, dass diese Art der anfänglichen Unterbringung hygienisch sehr sauber ist. Die tägliche Entfernung von Kot und Futterresten ist eine Angelegenheit von nur wenigen Sekunden, es herrscht ein gutes Klima (im Gegensatz zu manchen überhitzten und schlecht belüfteten Behältnissen)und es gibt, um beim eigentlichen Thema zu bleiben, weder Ameisen noch Fruchtfliegen noch versteckte Schimmelstellen.


  3. Vielleicht zur Ergänzung: Ameisen können auch für den Wasserschildkrötenhalter zum Problem werden, und zwar dann wenn man ihnen ebenfalls ein Frühbeet zur Verfügung stellt, z.B. für die warme und sichere Eiablage, die im Freien ja meist in den späten Abendstunden erfolgt. Meine Emys-Weibchen haben das Frühbeet sehr gerne dafür aufgesucht. Einmal jedoch sah ich wie mein größtes Weibchen wie von der Tarantel gestochen aus dem Frühbeet floh und in Folge davon ihre Eier leider im Wasser verwarf. Als ich nachsah, was die Flucht verursacht haben könnte, sah ich eine Unmenge sehr aufgeregter Ameisen durchs Frühbeet krabbeln. Das Emysweibchen hatte in der Nähe eines Ameisennestes zu graben begonnen und war wahrscheinlich ziemlich unangenehm gebissen worden. Das Frühbeet hat sie danach nicht mehr zur Eiablage genutzt, auch nicht in den Folgejahren. Lektion gelernt…

    Eine aufschlussreiche Geschichte zum Thema Gefährlichkeit von Ameisen für Landschildkröten-Schlüpflinge hat Annemarie Winter bereits vor 10 Jahren erlebt und davon in der „Schildkröten im Fokus“ (1/07) berichtet. Sie beschreibt die Augenschädigung ihrer Jungtiere, sowie eine mögliche Ursache-Folge-Beziehung der Ameisenbisse und stellt Bekämpfungsmethoden vor.

    Mit der Kupfermethode (dicke Kupferdrähte in Nestnähe in den Boden vergraben) habe ich übrigens mehrfach Erfolg gehabt, leider nicht immer. Es hängt wohl auch von Bodenbeschaffenheit und Feuchtigkeitsgehalt ab.


  4. Immer, wenn der Mensch in die Natur eingreift geht mehr daneben als wenn er sie einfach walten lässt. Sei das Gift auch noch so ungefährlich, es ist und bleibt ein massiver Eingriff.
    Wenn man das Schlüpflingsgehege (ich habe meine Schlüpflinge bereits unmittelbar nach dem Schlupf (selbst dann, wenn der Bauchspalt noch nicht ganz geschlossen ist) in einem Außengehege mit Frühbeet (UND AMEISEN! und nicht in einem Katzenklo oder ähnlichen Behälter. Dadurch ist es mir natürlich auch möglich das kleine Territorium entsprechend zu bepflanzen und so den Tierchen dichten Pflanzenfilz zu bieten, in denen sie sich gleich nach dem Schlupf eingraben können, wie es ihrem Naturell entspricht. So haben sie nicht nur guten Schutz von oben, sondern auch eine eine ausgezeichnete Feuchtigkeitsregulierung.
    Wenn man Schlüpflinge in Kunststoffkisten, ohne Pflanzenfilz und in relativ sterilen Substrat aufzieht kann sich ein natürliches Symposium freilich nicht entwickelt.
    Ob es den Schlüpflingen dann wirklich gut tut, wenn man zur chemischen Keule greift?
    Ich glaube, Herr Köhler, wir haben eine völlig unterschiedliche Auffassung von Schlüpflingsaufzucht. In meinem Gehege wäre es undenkbar all den dichten Pflanzenwuchs zu entfernen um Kot oder Ameisen anzusammeln.
    Auch bei meinen adulten Tiere würde ich niemals den Pflanzenwuchs zerstören um alles Leben darin unschädlich zu machen.


  5. Ich stimme dem Vorschlag der Autorin, Ameisen im Schildkrötengehege einfach zu ignorieren, dann zu, wenn es sich,
    erstens, nur um einen schwachen Befall handelt,
    zweitens, um Arten, die die Schildkröten in Ruhe lassen – und,
    drittens, wenn schon größere Schildkröten gepflegt werden, also nicht etwa Jungtiere oder gar Schlüpflinge.
    Bei letzteren besteht nämlich durchaus die Gefahr einer Schädigung durch aggressive Ameisen durch deren ätzende Hinterlassenschaften auf den Augen oder im Rachen. Wie unangenehm selbst für Menschen nur ein einzelner „Ameisenbiss“ auf der Haut sein kann, weiß jeder Gartenbesitzer, der gelegentlich Unkraut im Dickicht jätet.
    Nach meiner Erfahrung gibt es durchaus Ameisen-mittel, die gefahrlos auch in einem Aufzucht-Schildkrötengehege ausgebracht werden können, sei es solche auf der Basis von Diatemeenerde oder mit Wirkstoffen in Köderdosen, in die nur die Ameisen gelangen können. Bei Gehegen mit nur einigen wenigen Nachzuchten können die Kleinen bei einer notwendig erscheinenden Ameisenbekämpfung sicherheitshalber vorübergehend in ein Ausweichgehege (Nagerstall, Katzen-WC usw.) gesetzt werden. Bei einer Bekämpfung in größeren Frühbeeten lässt sich durch Absperren des „behandelten“ Bereiches verhindern, dass Schildkröten mit dem Ameisenmittel in Kontakt geraten.
    Wichtig scheint mir, mehrere Präparate mit unterschiedlichen Wirkstoffen gleichzeitig einzusetzen. Damit konnte ich auch schon Ameisen-Massenansammlungen in Gehegen mit adulten Schildkröten dauerhaft vertreiben. Von den üblichen „Hausmitteln“ halte ich ebensowenig wie die Autorin; sie erweisen sich einfach als wenig wirksam.
    Sinnvoll ist es, das Gehege zu Beginn der Schildkröten-Saison im Frühjahr genau auf etwaige Ameisennester zu inspizieren und während des Jahres die Futterreste und den Kot täglich am Abend zu entfernen.


  6. Danke für diesen Beitrag. Auch ich war ratlos und habe bei den zu lesenden Schauergeschichten immer Gänsehaut bekommen. Je mehr ich mich bemüht habe, die ‚lästigen‘ Gäste los zu werden, desto mehr gab es Rumgekrabbele und aufgeregtes Umherhetzen im Frühbeet. Seit diesem Frühjahr lasse ich die Ameisen einfach in Ruhe, zumal es mir immer so schien, als blieben die Schildkröten ganz cool bei all der Aufregung. Und siehe da, alle sind zufrieden und entspannt.

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