Auf dem Monte Pinu – Teil 1

742 Meter über Meersehöhe – so hoch ist der Gipfel des Monte Pinu auf Sardinien. Damit ist der Berg kaum mehr als ein größerer Hügel. Nun liegt er aber relativ nah am Meer (also 0 Meter über NN) und damit darf man ihn großzügig schon als Monte bezeichnen.
Sardinien hat selbstverständlich mehr, Größeres und Höheres zu bieten als den Monte Pinu. Zumindest, wenn man zum Bergwandern oder Klettern auf die Mittelmeerinsel reist, gibt es Beeindruckenderes im Inneren der Insel:


Ist man aber auf Sardinien, um bei einer Wanderung Schildkröten zu suchen, dann ist man im Hügelland der Gallura sehr gut bedient – und damit auch auf dem Monte Pinu.

Ein etwa 11 Kilometer langer Wanderweg führt hinauf den Monte Pinu und wieder herab – einfach zu gehen, denn man überwindet auf der Strecke nicht mehr als 440 Höhenmeter. Die Wanderung führt ausschließlich über Schotter- und Waldwege und stellt damit selbst für unerfahrene Bergwanderer keine große Herausforderung dar. Ausführlich beschrieben ist sie im Rother-Wanderführer Sardinien: Die schönsten Küsten- und Bergwanderungen. 70 Touren. Mit GPS-Daten. Den mitzunehmen empfiehlt sich in jedem Fall, denn die Wegmarkierungen sind nicht so üppig, wie man das vielleicht vom Alpen- oder sauerländischen Gebirgsverein gewohnt ist.

Als wir Anfang Juni 2012 Sardinien bereist haben, haben wir unsere Schildkrötensuche auf den Nordteil der Insel konzentriert – der Gallura, dem Granitgebirge. Dort findet sich außerhalb des Südbalkans das einzige Vorkommen der Breitrandschildkröten (Testudo marginata), die irgendwann, vermutlich schon in antiker Zeit, dort angesiedelt wurden. Ausgerüstet mit vielen Empfehlungen, wo Tiere zu finden sind, und dem bereits erwähnten Wanderführer waren wir zwischen Capo Testa und Olbia, Tempio Pausania und der Costa Smeralda unterwegs – und so eben auch an einem Tag auf dem Monte Pinu:
Früh morgens haben wir unser Auto an der Strazzo la Sarrita stehen lassen und uns auf den Weg gemacht. Von der Wegbeschreibung im Wanderführer her wussten wir, dass wir bei der größeren Runde etwa 11 Kilometer zu gehen hatten, also dreieinhalb Stunden bei normalem Tempo, Pausen nicht eingerechnet. Damit stand uns der ganze Vormittag zur Verfügung um zu wandern, Schildkröten zu suchen und zu fotografieren. Irgendwo würden wir ein  Picknick machen und dann mit deutlich leererem Rucksack den Rückweg antreten.
Da es zwar einen Picknickplatz, aber auf der ganzen Strecke nirgendwo etwas zu kaufen gibt, mussten wir alles mitnehmen – vor allem Trinkwasser in großer Menge (das als Hinweis, wer den Weg auch mal abgehen möchte).

Überwiegend führen breite Schotterwege zunächst durch Kiefernwälder und dann durch Macchia-Landschaften hinauf auf den Monte Pinu. Da wir in der Vorsaison unterwegs waren, trafen wir kaum andere Menschen – von einem Sarden, der seine Hunde mit einem Auto spazieren fuhr, und einer Gruppe Enduro-Fahrer einmal abgesehen.
Immer wieder erlaubte uns der Weg, vor allem nach etwas steileren Passagen, einen freien Blick über die Landschaft:

Deutlich zu sehen war die Zersiedelung und die starke landwirtschaftliche Nutzung der Küstenregion um Olbia. In den etwas flacheren Regionen wird neben Wein- und Olivenanbau überwiegend Weidewirtschaft betrieben – beides führte zu großen Zerstörungen natürlicher Lebensräume für Schildkröten. Hinzu kommt, dass in der Gegend von Tempio Pausania intensiver Korkeichenanbau betrieben wird und die Korkrinde ein wichtiger Wirtschaftsfaktor der Region ist.
Ein Blick vom Berg in Richtung Südosten lässt im Hintergrund die kleine Insel La Tavolara vor den Badebuchten von Porto Istana und Porto San Paolo erahnen. Gut zu sehen ist, wie diesig es morgens gegen 10.00 Uhr noch über der Küstenregion ist. Die Feuchtigkeit zieht vom Meer übers Land und sorgt dafür, dass die Landschaft bis in den Sommer hinein relativ grün ist:

Hoch ist der Pflanzenbewuchs in dieser Region nicht. An einigen Stellen wurde nach verheerenden Waldbränden kräftig aufgeforstet, meist schnell wachsende Kieferngehölze. Überwiegend aber wachsen Sträucher in einer Wuchshöhe bis etwa zwei Meter zwischen den Granitsteinen und -platten. Es ist die typische Mischung aus mediterranen Nadelgehölzen (Kiefern, Wacholder u.a.), Zistrose, Mastix, Rosmarin, Ginster und eben Korkeichen. Das Gestein selbst hat durch Wind und Wetter zum Teil sehr bizarre Formen angenommen:

Kurz vor dem Gipfel führt ein schmaler Weg, für den eigentlich ein Zutritt Verboten gilt, hinauf zum Feuerwachturm.

 

Bei unserer Wanderung war die Sation nicht besetzt, aber auch der Wanderführer weist ausdrücklich darauf hin, dass man sich von diesem Schild nicht irritieren lassen sollte.
Das Plateau zu dem am Ende eine kleine Treppe hinaufführt, zu besuchen, sollte man sich keinesfalls entgehen lassen, denn die Aussicht über die Gallura ist fulminant und gestattet einen Blick auf die eher unberührteren Landschaften im Norden der Insel.
Der Gipfel und sein Plateau markieren etwa die Hälfte der Wanderung.
Nach einer kurzen Pause treten wir den Rückweg an. Und nun wird es auch Zeit, sich intensiver um die Suche nach Schildkröten zu kümmern. Denn erfolgreich waren wir auf dem Hinweg bisher nicht.

 

 

 

Wird in Kürze fortgesetzt… und dann auch mit Schildkrötenbildern.
Text und alle Fotos: Lutz Prauser.

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3 Kommentare



  1. Ich freue mich schon auf die Schildkröten im 2. Teil!


  2. Sehr schöne Fotos, da bekommt man gleich Lust die Koffer zu packen!

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