Sauer oder mager? – Zeigerpflanzen verraten viel über Bodenbeschaffenheit

Löwenzahn zeigt schwere, stickstoffhaltige Böden an. Foto: Ricarda Schramm

Heimische Wildkräuter können – je nach Häufigkeit ihres Auftretens an bestimmten Orten – ein guter Anzeiger für die Beschaffenheit des Bodens sein. Konkret: Wächst eine bestimmte Kräuterart an einer bestimmten Stelle natürlicherweise besonders häufig, so lassen sich daraus bestimmte Rückschlüsse ableiten. Die Pflanzen sind sogenannte „Zeigerpflanzen“.
Selbstverständlich sind Licht-, Schatten-, Wärme- und Feuchtigkeitsverhältnisse des Biotops ebenfalls wichtige mikroklimatische Bedingungen, die mit entscheidend dafür sind, ob Pflanzenarten sehr häufig, eher selten oder auch gar nicht zu finden sind. Aber eben nicht nur: Eine entscheidende Rolle spielt der Untergrund – der Boden, in dem die Pflanzen wachsen. Unterschiedliche Böden begünstigen oder benachteiligen unterschiedliche Pflanzenarten und sorgen so dafür, dass einige Arten häufig und andere dort gar nicht zu finden sind. Ausschlaggebend ist allerdings nicht, dass diese Pflanzenarten diesen bestimmten Boden bevorzugen. Das Gegenteil ist der Fall: Viele Arten können in diesen Böden, die für andere Arten zu sauer, zu trocken, zu schwer etc. sind, wachsen. Sie verdrängen nicht andere Arten, sie nutzen die Nische durch Spezialisierung aus. Ein Beispiel: Hundsveilchen (Viola canica) gehören zu den Zeigerpflanzen für Böden mit geringem Stickstoffanteil. Es lässt also bei größerem Vorkommen dieser Art darauf schließen, dass der Boden so stickstoffarm ist, dass dort neben Hundsveilchen nur noch wenige andere Pflanzen gedeihen können. Nicht aber, dass Hundsveilchen nur diese Böden bevorzugen.
Viele Arten sind durch Konkurrenten auf sehr saure, trockene und /oder stickstoffarme Standorte abgedrängt worden, obwohl sie auf weniger sauren Böden, sowie bei mittlerer Mineralstoffversorgung

Bevorzugt stickstoff- und nährstoffhaltige Böden: Brennnessel. Foto: Lutz Prauser

ebenfalls bestens gedeihen. Sie ertragen extreme Bedingungen nur besser als andere Arten, die ihnen auf günstigen Standorten durch höheren und rascheren Wuchs überlegen sind. Sie haben also eine „Nische“ gefunden, in der sie gut oder „noch gut“ überleben können, andere Arten aber nicht.
Man sollte sich bewusst machen, dass es sich bei den Zeigerpflanzen um eine relative Abstufung nach dem Schwergewicht des Auftretens im Biotop handelt. Das bedeutet: Es geht um das natürliche Umfeld, nicht um die „gesteuerte“ Ansiedlung von Pflanzen. Um das Beispiel der Hundsveilchen wieder aufzugreifen: Hundsveilchen gedeihen auch prächtig auf stickstoffhaltigeren Böden, wenn sie dort angesiedelt sind und Konkurrenzarten – z.B. im Garten als unerwünschtes Unkraut – entfernt werden. Lässt man allerdings die Veilchen auf diesem Boden „ungeschützt“, werden sie mit der Zeit von anderen Pflanzen „überwuchert“ und verdrängt.
Das bedeutet auch: Der Wuchs dieser Pflanzen im Gelände muss in seiner Menge betrachtet werden. Lediglich drei bis vier Pflanzen indizieren einen Boden ganz anders als mehrere Quadratmeter Pflanzenteppich der gleichen Art.

Saurer Boden
– Adlerfarn (Pteridium aquilinum)
– Hundskamille (Antemis arvensis)
– Rettich, wilder (Raphanus raphanistrum)
– Sauerampfer, kleiner (Rumex acetosa)
– Stiefmütterchen (Viola tricolor)
– Weidenröschen, schmalblättriges (Epibolium angustifolium)

Das vermehrte Auftreten dieser Pflanzen zeigt saure Erde an. Der Boden enthält wenig Kalk und hat einen niedrigen pH-Wert, der deutlich unter 7 liegt.

Alkalischer Boden
– Ackersenf (Sinapsis arvensis)
– Ackerstiefmütterchen (Viola arvensis)
– Esparsette (Onobrychis vicifolia)
– Fünffingerkraut (Potentilla reptans)
– Hohlzahn (Galeopsis)
– Luzerne (Medicago sativa)
– Wegwarte (Cichorium intybus)
– Wiesenknopf, kleiner (Sanguisorba minor)
– Wiesensalbei (Salvia pratense)
– Wiesenstorchschnabel (Geranium pratense)

Das vermehrte Auftreten dieser Pflanzen zeigt alkalische Böden an, also Böden, die einen pH-Wert deutlich über 7 besitzen. Dazu gehören kalk- und/oder magnesiumhaltige Böden.

Schwerer Boden
– Acker-Kratzdistel (Cirsium arvense)
– Ackerschachtelhalm (Equisetum arvense)
– Beinwell (Symphytum officinale)
– Breitwegerich (Plantago major)
– Gänsefingerkraut (Potentilla anserina)
– Hahnenfuß, kriechender (Ranunculus repens)
– Huflattich (Tussilago farfara)
– Kamille, strahlenlose (Chamomilla suaveolens)
– Löwenzahn (Taraxacum officinalis)
– Scharbockskraut (Ranunculus ficaria)
– Weißklee (Trifolium repens)

Größere Vorkommen dieser Pflanzen lassen auf schwere lehmige oder tonige Böden schließen. Diese Böden bilden schnell Staunässe. Sie sind luftarm und schwer zu bearbeiten. In Trockenperioden härten die Böden schnell aus.

Boden mit Staunässe
– Ackerminze (Mentha arvensis)
– Ampferknöterich (Persicaria lapathifolia, auch Polygonum lapathifolium)
– Gänsefingerkraut (Potentilla anserina)
– Hahnenfuß, kriechender (Ranunculus repens)
– Huflattich (Tussilago farfara)
– Schachtelhalm (Equisetum)
– Wiesenknopf, großer (Sanguisorba officinalis)
– Wiesenknöterich (Polygonum bistorta)

Sandboden
– Besenheide (Calluna vulgaris)
– Feldtyhmian (Thymus serpyllum)
– Frühlings-Ehrenpreis (Veronica vera)
– Frühlings-Hungerblümchen (Erophila verna)
– Hasenklee (Trifolium arvense)
– Heidenelke (Dianthus deltoides)
– Saatwucherblume (Chrysanthemum segetum)
– Sandmohn (Papaver argemone)
– Vogelknöterich (Polygonum aviculare)

Diese Pflanzen haben die Nische der sandhaltigen Böden erobert. Es handelt sich um Böden, die eher nährstoffarm und trocken sind. Oberflächenwasser sickert schnell in tiefere Schichten.

Humoser Boden
– Brennnessel (Urtica)
– Ehrenpreis, persischer (Veronica persica)
– Erdrauch (Fumaria officinalis)
– Franzosenkraut, Blutweiderich, Knopfkraut (Galinsoga parviflora)
– Gänsefuß, weißer (Chenopodium album)
– Klettenlabkraut (Gallium aparine)
– Kohl-Gänsedistel (Sonchus oleraceus)
– Taubnesseln (Lamium)
– Vogelmiere (Stellaria media)
– Wolfsmilcharten (Euphorbia)

Krümelige Strukturen, Feuchtigkeit und ein hoher Nährstoffgehalt weisen den humosen Boden aus. Der pH-Wert ist neutral.

Magerer Boden
– Arnika (Arnika montana)
– Braunelle, große (Brunella grandiflora)
– Esparette (Onobrychis viciifolia)
– Frauenmantel (Alchemilla vulgaris)
– Frühlings-Hungerblümchen (Erophila verna)
– Gänseblümchen (Bellis perennis)
– Hahnenfuß, kriechender (Ranunculus repens)
– Hundsveilchen (Viola canina)
– Wegerich, mittlerer (Plantago media)
– Wiesenknopf, kleiner (Sanguisorba minor)
– Wiesenschaumkraut ( Cardamine pratense)

Stickstoffhaltiger Boden
– Ampferknöterich (Polygonum lapathifolium)
– Bärlauch (Alium ursinum)
– Beifuß (Artemisia vulgaris)
– Beinwell (Symphytum officinale)
– Ampfer, stumpfblättriger ( Rumex obtusifolius)
– Franzosenkraut, Blutweiderich, Knopfkraut (Galinsoga parviflora)
– Brennnessel (Urtica)
– Giersch (Aegopodium podagraria)
– Klettenlabkraut (Galium aparine)
– Kohl-Gänsedistel (Sonchus oleraceus)
– Lichtnelke, rote (Silene dioica)
– Löwenzahn (Taraxacum officinalis)
– Malve, wilde (Malva silvestris)
– Rispengras, einjähriges (Poa annua)
– Taubnessel, weiße (Lamium album)
– Vogelmiere (Stellaria media)

Diese Pflanzen weisen auf stickstoffhaltige Böden hin.

Ringelblume: Zeigerpflanze für kalkreichen Boden. Foto: Manuel Pühringer

Kalkreicher Boden
– Ackergauchheil (Anagallis arvensis)
– Ackerglockenblume (Campanula rapunculoides)
– Ackerhornkraut (Cerastium arvense)
– Ackersenf (Sinapis arvensis)
– Ackerwinde (Convolvulus arvensis)
– Adonisröschen (Adonis vernalis)
– Brennnessel (Urtica)
– Ehrenpreis (Veronica)
– Feldrittersporn (Consolida regalis)
– Gamander (Teucrium)
– Hasenklee (Trifolium arvense)
– Hauhechel (Ononis spinosa)
– Huflattich (Tussilago farfara)
– Klatschmohn (Papaver rhoeas)
– Klee (Trifolium)
– Kohl-Gänsedistel (Sonchus oleraceus)
– Leberblümchen (Hepatica nobilis)
– Leinkraut (Linaria vulgaris)
– Löwenzahn (Taraxacum officinalis)
– Ringelblume (Calendula officinalis)
– Rittersporn (Delphinium)
– Sichelmöhre (Falcaria vulgaris)
– Taubenskabiose (Scabiosa columbaria)
– Taubnessel (Lamium)
– Teufelskralle (Harpagophytum procumbens)
– Wegwarte (Cichorium intybus)
– Wiesenknopf, kleiner (Sanguisorba minor)
– Wiesensalbei (Salvia pratense)
– Wiesenstorchschnabel (Geranium pratense)
– Wolfsmilcharten (Euphorbia)

Kalkarmer Boden
– Adlerfarn (Pteridium aquilinum)
– Bauernsenf (Teesdalia nudicaulis)
– Ehrenpreis, dreiblättriger (Veronica triphyllos),
– Fadenhirse (Digitaria ischaemum)
– Feldspark (Spergula arvensis),
– Hundskamille (Anthemis arvensis)
– Saatwucherblume (Chrysanthemum segetum)
– Sauerampfer, kleiner (Rumex acetosa)
– Sauerklee (Oxalis corniculata)
– Schachtelhalm (Equisetum)
– Stiefmütterchen (Viola tricolor)

Im Grunde genommen braucht es keine Zeigerpflanzen, um humose, lehmhaltige und sandige Böden unterscheiden zu können. Es genügt, einen Erdklumpen zwischen den Händen zu zerreiben. Auch Böden, die zur Staunässe neigen, sind als solche einfach zu erkennen. Für die Analyse, ob ein Boden alkalisch oder sauer ist, gibt es Prüfsets im Fachhandel (Gärtnereien, Zoofachhandel), das gute alte bewährte Lackmuspapier, wie man es aus dem Chemieunterricht kennt, tut es zur Not natürlich auch.

Salbei schätzt kalkhaltige Böden. Foto: Manuel Pühringer

Einen Boden als stickstoffhaltig oder nährstoffarm zu charakterisieren, ist weitaus schwieriger. Hier sind Zeigerpflanzen sehr hilfreich. Gleiches gilt für den Kalkgehalt der Böden. Aber mal den Spieß umgedreht: Wenn man weiß, welche Pflanzen auf welchen Böden gedeihen, kann einem dieses Wissen sowohl bei der Futterbeschaffung als auch der Freigehegegestaltung von großem Nutzen sein.

Aber Achtung: Nicht alle der in den obigen Listen aufgeführten Pflanzen gehören zu den Arten, die unbedenklich an Schildkröten verfüttert werden dürfen!

Die Zusammenstellung der Zeigerpflanzenlisten erfolgte auf Grundlage dieser Quellen: Kraut&Rüben (Ausg. 04/2008, S. 60), www.bio-gärtner.de, www.neudorff.de/Garten-Lexikon, www.schildkroetenwissen.de (Pflanzen als Stickstoffanzeiger), www.mein-schoener-garten.de, Aichele, Dietmar u.a.: „Was blüht denn da? “

Der Artikel erschien erstmalig in dem mittlerweile eingestellten Online-Magazin „Testudo Welt“.

Kommentar verfassen