Schwarzes Gold Maulwurfserde – ein wertvoller Bodenschatz

„Schwarzes Gold“ auf Nachbars Feld

Kaum, dass im Frühjahr die ersten Sonnenstrahlen die Äcker und Wiesen erwärmen, scheinen sie wie Pilze aus dem Boden zu schießen: Maulwurfshügel, zumeist tief dunkel, bis zu 30cm hoch und einer neben dem anderen. Was dem Gartenbesitzer und Landwirt fast immer ein Ärgernis ist – die Schildkrötenhalter, wie auch die Hobbygärtner freut’s.
Bewaffnet mit Eimer und Schaufel ziehen sie aus, um Maulwurfserde zu sammeln. Und das geht dann das ganze Jahr über so.
Überall in den großen Schildkrötenforen empfehlen die Benutzer den Ratsuchenden, sie sollten sich mit Maulwurfserde eindecken, zur Auffüllung der Frühbeete, als Pflanzerde, als Erde für die Überwinterung usw…

Warum eigentlich?
Maulwurfserde gehört zu den geeigneten Bodensubstraten, die ein Halter von Landschildkröten verwenden kann. Zunächst einmal entstehen diese Hügel längst nicht überall: „Denn Maulwurfshügel signalisieren, dass der Boden als Lebensraum noch gesund ist und die für ihn wichtigen Bodentiere, die dem Maulwurf als Nahrung dienen, reichlich vorhanden sind.“ (Quelle: Natur- und Umweltschutz-Akademie NRW).

Das ganze Jahr über reiche Ernte
Schaufel und Eimer nicht vergessen – und im Zweifelsfall den Eigentümer der Wiese zuvor um Erlaubnis fragen

Maulwurfserde ist also immer ein Hinweis auf einen gesunden Boden. Aber diese Erde weist noch einige weitere Besonderheiten auf. Sie stammt aus ca. 50cm tiefem Erdreich, manchmal aus noch etwas tieferen Erdschichten. Das Aushubmaterial, das beim Graben der Gänge „abfällt“, transportieren Maulwürfe durch nahezu senkrechte Röhren nach oben. Bei diesen Arbeiten entsteht sehr lockere, krümelige Erde, die fast schon siebfein ist. Diese Erde ist selten durchsetzt mit Steinen, Wurzelwerk oder abgestorbenen Pflanzenteilen – es ist also Erde pur.
Erde pur bedeutet übrigens auch, dass diese Erde weitgehend frei ist von Tieren, zumindest größeren, denn Engerlinge, Regenwürmer und andere Erdbewohner, die der Maulwurf bei seinen Grabarbeiten aufstöbert, werden umgehend gefressen. Für Schildkrötenhalter, die ihre Tiere im Freien und im Frühbeet untergebracht haben (z.B. Europäische Landschildkrötenarten), ist dieser Aspekt eher unwichtig. Wer aber tropische Arten im Innenraum in einem Terrarium hält, ist nicht unbedingt interessiert daran, Tiere mit einzubringen. Wer also Maulswurfserde nutzt, läuft weniger Gefahr, ggf. unerwünschte Tiere in ein Terrarium einzuschleppen, als derjenige, der die Erde direkt von der Oberfläche absticht. So transportiert man unter Umständen auch unabsichtlich Ameisen, deren Eier oder Schneckeneier mit ins Terrarium.
Das Gleiche gilt übrigens auch für Pflanzensamen: Maulwurfserde ist zwar nicht zwangsläufig frei von Samen, es besteht aber auch ein deutlich geringeres Risiko, sich unliebsame Gewächse einzuschleppen, die dann in Schlaf- oder Überwinterungsgruben zu wachsen beginnen oder plötzlich im Tropenterrarium gedeihen. Dazu können auch Myzele von Pilzarten gehören, die man mit der Oberflächenerde ausgräbt, und plötzlich sprießen im Terrarium die Pilze.
Auch wenn man natürlich nicht vollkommen sicher sein kann, dass Maulwurfserde schadstofffrei ist, ist doch ein gewisser Teil an Schadstoffen, die die Böden belasten können, durch die Grasnarbe und die obersten Erdschichten ausgefiltert worden. Dies betrifft insbesondere Immissonen durch Abgase. Natürlich schwemmen sich Pestizide und Düngemittel auch in tiefere Erdschichten. Daher ist es wichtig, beim Absammeln der Maulwurfserde nur Wiesen auszuwählen, die nicht an stark befahrenen Straßen liegen und die nicht insektizid- und pestizidbelastet oder massiv gedüngt sind. Ideal sind also Privatgärten, Streuobstwiesen (sofern ungespritzt) oder landwirtschaftliche Brach- und Weideflächen, Bachauen etc..
All diese Vorteile sprechen dafür, Maulwurfserde, wann immer sich die Gelegenheit bietet, zu sammeln und für das heimische Terrarium, das Frühbeet, Freigehege, die Überwinterungsboxen und das Schlafhaus zu verwenden.

Wohlfühlerde im Frühbeet. Zwei, die das wissen müssen.

Auch sollte man nur Maulwurfserde von diesen Brachflächen mitnehmen, wenn die Landwirte nicht gerade zuvor gegüllt/geodelt haben. Und noch ein weiterer Hinweis:
„Im Grünland stellen Maulwurfshügel eine Pionierfläche für die Neubesiedlung von Pflanzen dar. In dem gelockerten Bodenauswurf können Pflanzen Fuß fassen, die sonst in der geschlossenen Vegetationsdecke nur geringe Ansiedlungschancen besitzen.“ (Quelle: Natur und Umweltschutz-Akademie NRW). Maulwurfserde ist also auch geradezu der perfekte Boden zur Ausaat und zur Anzucht von Pflanzen im Freigehege, wie auch sonst im Garten.
Noch ein allgemeiner Hinweis für Gartenbesitzer: Maulwürfe stehen unter strengstem Naturschutz und dürfen auf keinen Fall getötet werden. Wer Maulwürfe im eigenen Garten hat, kann sich eigentlich freuen, dass er gesunden Boden hat. Und auch darüber, dass die Maulwürfe unterirdisch viele Schädlinge (Engerlinge) vernichten. Andererseits richten Maulwürfe bei ihren Grabetätigkeiten Schäden am Wurzelwerk der Pflanzen an. Eine Reihe Maulwurfshügel sind auch nicht unbedingt Zierde eines englischen Rasens. Lediglich die Vergrämung mit biologischen (Duft)mitteln ist erlaubt. Übrigens: Maulwurfserde galt im Volksglauben als Abwehrmittel gegen Flöhe. Diese Wirkung allerdings kann nicht bestätigt werden.

Text und Bilder: Lutz Prauser

Der Artikel erschien erstmalig in der ersten Ausgabe des Onlinemagazins „Testudo Welt“, wurde allerdings für die Wiederveröffentlichung noch einmal aktualisiert.

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