Ein weiteres Zichoriengewächs – der Grumolo

In einem Forum berichtete vor einiger Zeit ein User über eine interessante Pflanze, die er in einem Urlaub in Istrien kennengelernt hatte – Grumolo. Er erzählte, dass sie dort sowohl in Gärten als auch verwildert anzutreffen sei und gleichermaßen von den Einheimischen und den dort lebenden Schildkröten gerne verspeist würde.
Da mich natürlich Pflanzen sehr interessieren, die mir bisher unbekannt waren, forschte ich nach.
Grumolo ist ebenfalls eine Blattzichorie, ganz ähnlich dem Catalogna, über den ich hier bereits berichtete. Er ist also ebenfalls ein naher Verwandter der Wegwarte, was sich wiederum im lateinischen Namen zeigt – Cichorium intybus var. foliosum. Die lateinische Bezeichnung von Catalogna und Grumolo ist gleich. Dennoch handelt es sich nicht um genau gleiche Pflanzen. Im Gegensatz zum Catalogna mit seinen länglichen, gebuchteten Blättern, die stark an Löwenzahn erinnern, bildet der Grumolo rundliche Blätter, die in einer Rosette angeordnet sind. Er ähnelt damit mehr dem nahe verwandten Radiccio und auch den Grumolo gibt es außer in der grünen, Grumolo verde, noch in einer roten Variante, Grumolo rosso.

Grumolo bildet Rosetten
Grumolo bildet Rosetten

Für den menschlichen Gebrauch wird folgende Kultur empfohlen:
• Von Mai bis August recht dick breitwürfig oder in Reihen ins Freiland aussäen, für eine kontinuierliche Ernte bis Ende Oktober.
• Alternativ vorziehen und ab Mai auspflanzen.
• Ende Oktober das Laub auf etwa 2,5 cm zurückschneiden, ohne die Herzblätter zu beschädigen.
• Bei starkem Frost eventuell einen Winterschutz auflegen.
• Zur Ernteverfrühung kann man ab Februar ein Vlies auflegen.
• Rosetten nicht zu groß werden lassen, da sonst die Bitterkeit zunimmt.
• Ernten von März bis April, wobei man etwas Wurzeln mit abschneidet.
• Standort: Sonnig, Boden durchlässig, mäßig nährstoffreich
• Saattiefe: flach
Hierzu wird er wie ein Pflücksalat geerntet und mit verschiedenen anderen Salatsorten als Mischsalat genossen.

Neue Blätter treiben nach dem Schnitt
Neue Blätter treiben nach dem Schnitt

Für die Verwendung als Schildkrötenfutter eignet sich der Grumolo aus verschiedenen Gründen sehr gut:
• Entgegen obiger Kulturanleitung kann er praktisch das ganze Jahr problemlos kultiviert werden, auch im Winter, sei es im frostfreien Gewächshaus oder in Kästen auf der Fensterbank. Die Pflanzen stehen damit auch winterwachen Schildkröten zur Verfügung.
• Im Freiland erreicht er eine beachtliche Größe, wenn er nicht als Salat im jungen Zustand geerntet wird.
• Rechtzeitig für den Herbst vorkultiviert, steht der Grumolo dann als Futter bereit, wenn bei uns draußen die Wildkräuter knapp werden.
• Die im Herbst heruntergeschnittenen Pflanzen überwintern, treiben im zeitigen Frühjahr wieder aus und stehen dann bereits als Futter wieder zur Verfügung.
• Ein ganz besonderer Vorteil ist, dass der Grumolo schnittverträglich ist, d. h. er wächst unentwegt nach, wenn er abgeschnitten wird.
• Direkt in das Freigehege gesät, verwildert er, sofern er zur Blüte und zum Aussamen kommt (und nicht vorher von hungrigen Schildkröten vernichtet wird). Hier nimmt er sogar eine Behandlung mit dem Rasenmäher nicht übel.
• Der Grumolo enthält wie die Wegwarte Bitterstoffe und wird als Futterpflanze genauso gerne gefressen.
Bisher konnte ich eigene Erfahrungen mit dem Grumolo nur im Frühjahr und Sommer sammeln, erste Erfahrungen mit der Überwinterung stehen noch aus.

Grumolo-Blüte ähnlich wie die Wegwarte
Grumolo-Blüte ähnlich wie die Wegwarte

 

Grumolo blühend
Grumolo blühend
m Meine Grumolo- und Catalogna-Plantage für den Herbst
Meine Grumolo- und Catalogna-Plantage für den Herbst
Grumolo im Freigehege
Grumolo im Freigehege
Festmahl für eine Schildkröte
Festmahl für eine Schildkröte

Text und Fotos: Ricarda Schramm, alle Rechte bei der Autorin

Bezugsquelle für Samen: http://www.schildkroeten-wildkraeuter.de/sortenrein.html

3 Kommentare


  1. Wir haben ihn bereits vor 15 Jahren angebaut. Saatgut kam aus Italien. Dort wird er auch cicorino genannt. Wir und die Schildkröten haben ihn geliebt.
    Damals in Norddeutschland sind im Winter die Blätter leicht erfroren, aber im Frühjahr ist er wieder problemlos ausgetrieben.
    Danke für die Pflanzenvorstellung, ich hatte diesen probleosen und herrlich bitteren Salat glatt vergessen.


  2. Hab ich auch im Gehege und habe ihn unter dem Namen „Wegeröschen“als Samen gekauft. Die Blüten sind von denen der Wegwarte fast nicht zu unterscheiden.Wird auch gerne gefressen


  3. Mit Herbert haben wir hier, in Österreich einen wirklich exzellenten Pflanzenkenner;)
    Grumolo ist eine kultivierte Wegwarte, wie viele andere Salate auch Chicorée, Catalonier, Radiccho.
    In Deutschland ist Grumolo unter dem Namen Weg-Röschen bekannt und auch in einem bekannten Schildkrötensamenshop erhältlich.
    Übrigens sehen alle Wegwartesalate völlig gleich aus wenn sie ausgewachsen sind, nämlich genau so wie die Wegwarte eben, nur noch sehr viel größer;) – sicherlich an die 2m hoch und zig1000 Samen
    Ich liebe diese, für Schildkröten hervorragende Futterpflanze, weil sie ununterbrochen nachwächst. Man meint, dass von der Pflanze gar nichts mehr vorhanden ist, kaum sind die Tiere jedoch nicht mehr am Futtern, so wächst sie ungehindert nach. Einen Winterschutz habe ich noch nie verwendet, ich sähe die Samen im Herbst aus und schon steht sie für den gesamten Sommer zur Verfügung. Wenn man ihn gelegentlich (inselartig) schützt, so hat sie auch wieder Chancen groß zu werden und ihre Samen für die kommende Saison zu verteilen.

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