Fressen und gefressen werden…

Fressen und gefressen werden gehört zu den unumstößlichen Fakten im Kreislauf der Natur.
Doch bei allen Bemühungen, seine Tiere so naturnah wie möglich zu halten… diesen Aspekt, dass junge Schildkröten zu begehrten Beutetieren sogenannter Fressfeinde gehören, klammern wir aus. Und sogar noch mehr. Viele Halter tun alles, damit ihr Tiere, vor allem die Schlüpflinge, nicht zur Beute von Mardern, Ratten, Greif- und Krähenvögeln werden.

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Kurz nach Ostern stellte die langjährige Schildkrötenhalterin Corinna Herzig Bilder eine total zerhackten und getöteten Schildkröte in eine Facebook-Gruppe zum Thema Griechische Landschildkröten ein. Die Tiere, so berichtete sie, seien die Beute von Elstern geworden, die in den Bäumen in der Nachbarschaft brüteten.  Corinna Herzig: „Ich habe die völlig ausgefressene Testudo Marginata, eine Nachzucht aus dem Jahr 2014 im adulten Gehege zufällig gefunden.“ Elstern also müssen die Jungtiere aufgespürt, eines getötet und regelrecht aufgebrochen haben. Was genau war passiert?
Corinna Herzig hält seit über 25 Jahren Schildkröten. „Durch einen Hauskauf und Umzug habe ich im letzten Jahr,  Ende Juli, ein neues ca 120 qm Gehege gebaut“, berichtet sie. „Mein altes Gehege war knapp 100qm groß und stand unmittelbar neben zwei großen Birken, auf denen jedes Jahr Elstern brüteten. Dort ist nie etwas passiert. Daher habe ich irgendwann das Thema, die Gehege wegen der Vögel abzudecken, etwas vernachlässigt. Allerdings…“ so schränkt sie ein, „war bei den Nachzuchten immer Hasendraht über dem Gehege befestigt.“

Aber es gibt sie eben doch, die Gefahr von oben.
Corinna Herzig: „In der neuen, erst kürzlich entstanden Gehege hatte ich es aus Zeitgründen noch nicht geschafft, das Nachzuchtengehege abzusichern. Naja,  ist ja nie etwas gewesen. Und dann das. Pünktlich zur Premiere. Die Tiere durften bei schönem Wetter erstmalig raus.  Zufällig fand ich dann im adulten Gehege den aufgeplatzen und aufgehakten, geknackten und fast völlig entleerten Panzer einer Testudo Marginata, einer Nachzucht aus dem vergangenen Jahr. Es waren die grausamen Spuren von schlauen Rabenvögel.“
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„So grausam sollte das Leben der Kleinen nicht enden“, erzählt Corinna Herzig. „Handeln ist angebracht. Umgehend wurde eine Absicherung mit Hasendraht und Vogelnetzen gebaut, natürlich mit der Hoffnung, dass es nie wieder passiert. Die Vögel wissen jetzt, wo sie leichte Beute gemacht haben und wo es geschmeckt hat. Sie sind intelligent, dass ist weiterhin meine große Angst.“

FuF4Ihre Schilderungen wurden von anderen Haltern umgehend bestätigt.  Tatsächlich werden vor allem Jungtiere von Rabenvögeln, zu denen auch Krähen und Elstern gehören, attackiert, vermutlich sogar weitaus häufiger als von Greifvögeln und Eulen, wobei auch dieses schon vorgekommen und dokumentiert ist. Förster haben bei Untersuchungen verlassener Eulenhöhlen in Thüringen auch schon einen Panzer einer jungen Griechischen Landschildkröte gefunden, die aus einem Gehege verschleppt und anschließend gefressen worden war. Aber die Bedrohung betrifft nicht ausschließlich Jungtiere: „Später erfuhr ich, dass unter Umständen auch adulte Tiere von Rabenvögel auf dem Boden attackiert werden“, so Corinna Herzig. Schildkrötenhalter berichten in der Tat davon, dass auch größere Tiere von Krähen angegriffen wurden.

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FuF6FuF5Viele Diskussionen in den sozialen Medien, drehen sich um die Frage, was Gehegebauer denn tun könnten. Einen wirklich effizienten Schutz der Tiere vor allen Fressfeinden gibt es allerdings nicht – zumindest nicht, wenn die Tiere im Freien gehalten werden, was der naturnahen Haltung am Ehesten entspricht. So tragisch es auch ist, muss man als Halter immer ein gewisses „Restrisiko“ eingehen, dass Tiere in Gartenhaltung Opfer von Fressfeinden werden… fressen und gefressen werden, oder eben auch, dass sie gestohlen werden. Denn auch das kommt vor. Ab einer gewissen Gehegegröße ist auch eine Abdeckung nach oben kaum mehr möglich. Zwar wird immer wieder der Rat gegeben, wenn die Schildkröten mal ein Gewicht von rund 500g erreicht hätten, seien sie zu schwer, um von Rabenvögeln weggetragen zu werden, das ist aber auch keine Sicherheit, dass die Tiere nicht direkt am Boden attakiert werden. Zudem sind Rabenvögel durchaus in der Lage, diverse Schutzvorrichtungen zu zerstören, wenn sie unbedingt an ihr Ziel kommen wollen. Oder sie warten einfach auf die berühmte günstige Gelegenheit. Das soll jetzt nicht heißen, man solle gar nichts tun, eher, man solle es den Tieren so schwer wie möglich machen, eben, dass sie merken, dass sie anderswo vielleicht leichtere Beute machen…

Krähen und Elstern lassen sich auch weder leicht verschrecken oder vergrämen. Dank ihrer Intelligenz haben sie sehr schnell auch herausgefunden, ob bei einer Vergrämung tatsächliche Gefahr besteht oder nicht, wie immer wieder zu lesen ist. Da auch sie zu den geschützten Arten zählen, ist eine Bejagung nicht erlaubt.

Text: Lutz Prauser & Corinna Herzig, Fotos: Corinna Herzig. Alle Rechte beim Autor und der Fotografin. Wir bedanken uns für die Überlassung der Bilder.

Der ursprünglich für den 24.04. geplante Beitrag über eine weitere Art, Pflanzen vor zu frühem Fraß durch Schildkröten zu schützen wird auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.

3 Kommentare


  1. Viele Vogelweibchen sind auf Kalk genauso wild wie eierlegende Schildkrötenweibchen. Kalkflächen, Eierschalen und Sepiaschulpe können sie daher in die Gehege locken. Und wenn sie schon mal das sind…

    Sepia und Eierschalen daher am besten nur in den Frühbeeten auslegen.

    Gruß, Editha


  2. Es gehört schon Mut dazu, offen über solche Fälle zu berichten.
    Nur dadurch aber lernen Schildkröten-Halter, ihre Gehege zu schützen.
    Leider werden aber die Betroffenen oft in den offenen Gruppen – wie z. B bei Facebook dann angegriffen.
    So melden sich danach viele, deren Schildkröten ein ähnliches Schicksal erlitten haben, nicht mehr „zu Wort.

    Danke liebe Corinna, für die Fotos, die wir in unseren Gruppen zeigen durften.

    So ist auch grad heute wieder ein schlimmer Hundbiß ein aktuelles Thema.


  3. Danke Corinna Herzig für den Betrag in der Hoffnung, dads wir Schildkrötenhalter uns noch mehr um die Sicherheit unserer Tiere kümmern.
    lg Peter Schmid

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