Riesen-Löwenzahn – Was ist das?

Blattzichorie
Blattzichorie

Immer wieder einmal wird über eine Pflanze als Schildkrötenfutter berichtet, danach gefragt oder Jungpflanzen angeboten, die als „Riesen-Löwenzahn“ bezeichnet wird. Wenn auch selten, aber man findet sie auch ab und zu auf Wochenmärkten oder beim italienischen Gemüsehändler. Und auch hier unter der Bezeichnung „Löwenzahn“.
Doch um was handelt es sich bei dieser Pflanze? Eines vorab, es handelt sich keinesfalls um Löwenzahn (Gattung Taxacum oder Leontodon) oder eine verwandte Art. Die zutreffende deutsche Bezeichnung lautet Blattzichorie, Cichorium intybus var. foliosum, im Italienischen wird sie Catalogna oder Puntanelle genannt. Vielleicht kommt dem einen oder anderen Leser nun der lateinische Name bekannt vor….ja, wir kennen Cichorium intybus als die Gemeine Wegwarte. Sie ist es, von der diese Zuchtform abstammt. Die Blattzichorie ist also eine Pflanze aus der Gattung der Wegwarten (Cichorium), wie auch Chicoree, Radicchio und Endivien. Kein Wunder also, dass unsere Schildkröten auch den „Riesen-Löwenzahn“ zum Fressen gern haben.

Blühende Gemeine Wegwarte
Blühende Gemeine Wegwarte

Schaut man sich die Blüten des Catalogna an, dann wird die Verwandtschaft mit der Wegwarte sehr deutlich, sie sehen den Wegwartenblüten zum Verwechseln ähnlich. Auch die Samen der Blattzichorie sind kaum von den Samen der Wegwarte zu unterscheiden.
Die bis zu 60 cm langen, dunkelgrünen Blätter ähneln denen des Löwenzahns, was ihnen den irreführenden deutschen Namen eingetragen hat. Sie enthalten die für diese Gattung typischen Bitterstoffe, die verdauungsfördernd wirken, auch wird der Pflanze eine harntreibende Wirkung nachgesagt.

Die Aussaat kann entweder in Vorkultur in Kästen im Haus ab Februar oder ab Ende März im Freiland erfolgen. Verschiedene Zuchtformen als frühe oder späte Sorten sind in Italien bekannt. Anders als bei der Wildform, der Wegwarte, beträgt hier die Saattiefe aber ca. 1 cm. Die Pflänzchen werden später auf einen Abstand von 30 cm vereinzelt, da die Pflanzen sehr groß werden. Nachfolgesaaten können bis September erfolgen, im Gewächshaus noch später. Geerntet werden kann bis in den Dezember hinein, sofern kein strenger Frost einsetzt, ähnlich wie bei Endivien. Hierdurch steht die Blattzichorie Haltern von tropischen Schildkröten als Futter auch im Winter in größeren Mengen zur Verfügung, wenn sie früh genug gesät wurde. Für die Verwendung als Schildkrötenfutter verzichten Sie bitte auf Düngergaben, was zwar kleinere Pflanzen hervorbringt, die allerdings auch nicht belastet sind.

Löwenzahnähnliche Blätter der Catalogna
Löwenzahnähnliche Blätter der Catalogna

So ganz nebenbei…auch für uns Zweibeiner ist die Blattzicchorie als Gemüse oder Salat ein Genuss. Deshalb folgen hier noch mein Lieblingsrezept als kleine Anregung:

Catalogna-Gratin

Zutaten (2 Personen):

1 Catalogna

250 g Mett, Bratwurstbrät oder Rinderhack (das dann allerdings gewürzt werden muss)

1 große rote Zwiebel

ca. 200g Tomatensoße

40 g Pinienkerne, in der Pfanne ohne Fett geröstet

Zitronensaft

100g kräftigen Hartkäse, z. B. Bergkäse, Appenzeller o. ä., gerieben

1 Prise frischgemahlener Chili

1/2 Becher Creme fraiche

Olivenöl

Zubereitung:

Catalogna in sehr kaltem Wasser einige Zeit wässern, wenn Sie weniger Bitterstoffe möchten. Danach die zarten oberen Blattabschnitte und die dickeren unteren Strünke getrennt in grobe Stücke schneiden. In kochendem Salzwasser zunächst die dickeren unteren Teile 8 min. blanchieren, danach die obernen Blatteile dazugeben und weitere 4 min. kochen lassen. Abgießen. Die kleingeschnittene Zwiebel in Olivenöl andünsten, das Mett dazugeben und kräftig anbraten (bei Rinderhack nach Geschmack würzen), mit der Tomaten soße ablöschen, abschmecken. Eine Auflaufform mit Olivenöl einfetten, abwechselnd Gemüse, Hacksoße, Pinienkerne einfüllen, mit Zitronensaft und Olivenöl beträufeln, mit etwas Chilipulver bestreuen. Zum Schluss mit Klecksen von Creme fraiche versehen und den geriebenen Käse darauf verteilen. Bei 200°C im vorgeheizten Backofen bei Ober-/Unterhitze ca. 25-30 min. überbacken.

Für Salate kann man Catalogna genauso verwenden, wie in Rezepten mit Chicoree, Radiccio oder Endivien. Guten Appetit.

Leider findet man hier in Deutschland sowohl die Samen als auch die Pflanzen nur nach langer Suche oder sehr selten.

Text und Fotos: Ricarda Schramm. Alle Recte bei der Autorin

Bezugsquelle für Samen: http://www.tartaruga-verlag.de/sortenrein.html

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