Mein Schlafhaus und meine Überwinterungsgrube (Teil 3)

Den Anfang von der Errichtung meines Schlafhauses lesen Sie im Teil 1 und Teil 2.

Das neue Schlafhaus war fertig, über dessen Bau ich die beiden vorangegangenen Teile geschrieben habe, war fertig. Die Schildkröten waren ausgewintert.  Jetzt galt es, meine damals sechs Tiere an diese Schlafgrube zu gewöhnen.

6. Die Eingewöhnung
Die Gewöhnung meiner Schildkröten an dieses neue Übernachtungshaus ging überraschenderweise relativ unproblematisch. Von Anfang an konnte ich, wenn ich abends nach der Arbeit heim kam und den Deckel öffnete, immer mehrere Tiere im Schlafhaus vorfinden. Sie hatten den Weg allein gefunden und sich ihre Lieblingsecken reserviert – was bei damals sechs Tieren und vier Ecken ein kleines mathematisches Problem darstellte.
Immer wieder aber kam es vor, dass nicht alle Tiere jeden Abend ihren Weg zu den ihnen zugedachten Nächtigungsplatz gefunden hatten, oder dort einfach nicht schlafen wollten. Ich fand sie im Frühbeet oder den Sommer über im Gehege unter dem Lavendel, dem Rosmarin oder der Segge. Gut, wenn man die Lieblingsverstecke seiner Tiere kennt…
Das war zwar nicht 100% perfekt, aber Schildkröten haben nun mal ihren eigenen Kopf. Da ich die Tiere nun nicht im Freien übernachten lassen wollte, habe ich immer wieder mal das eine mal das andere abends eingesammelt und mit der Hand ins Schlafhaus gesetzt. Aber: Das „Auswärtsschlafen“ wurde Woche für Woche weniger, und irgendwann fand ich abends alle Tiere unter dem Deckel im Schlafhaus.
Ein erstes Mal.
Dann wieder fehlte das eine oder andere.
Ich besserte nach, füllte das Schlafhaus mit noch mehr Sphagnum oben auf, die Tiere krochen abends hinein und morgens, wenn das Licht im Frühbeet anging, auch relativ früh wieder heraus.
Der Spätsommer kam, immer wieder mal war ein Tier nicht dort, wo ich es gern gehabt hätte, aber im Großen und Ganzen war ich sehr zufrieden. Als besonders angenehm stellte sich heraus, dass die Kontrollen zum Kinderspiel wurden. Deckel auf, kurz das Moos durchtasten… Alle da. Gute Nacht.  Der Deckel schließt ziemlich, der Steinkranz und die Mörtelwanne bilden einen wirksamen Schutz gegen Marder und Ratten. Der einzige Zugang zum Schlafhaus geht, wenn der Deckel geschlossen ist, durch das Frühbeet, das abends gut geschlossen wird. Damit sind nachts und im Winter die Tiere sicher vor irgendwelchen Attacken.

Mein Bestand hat sich seitdem verändert, neue Tiere sind hinzugekommen, andere hab ich abgegeben, aber alle Tiere haben sich sehr schnell an das Schlafhaus gewöhnt und alle Tiere finden (immer mal alle paar Wochen eine Ausnahme) abends ihren Weg dorthin. Falls nicht: Ich kenne die Lieblingsplätze der Tiere im Gehege und kann, falls mal ein Tier nicht im Schlafhaus ist, den Stromer schnell unter „seinem“ Ziergrasbüschel ausfindig machen und zu den anderen ins Haus setzen.

7. Die Überwinterung
Ich lasse meinen Schildkröten selbst die Wahl, wann sie sich im Herbst im Schlafhaus eingraben wollen. Frühbeet und Schlafhaus sind zwar beheizt, aber irgendwann ist es dann so weit. Die Tiere „tauchen“ ab. Das passiert meistens Ende Oktober. Die Schildröten haben etwas mehr als einen halben Meter Boden unter sich, in den sie sich eingraben können, dann stoßen sie auf den durchbohrten Boden der Mörtelwanne. Es geht nicht weiter.
Wenn die Tiere sich bereits ein par Zentimeter eingegraben haben, kontrolliere ich sie ein letztes Mal. Ich grabe noch mal etwas in der Erde herum, zähle alle Tiere durch, setze sie wieder in die Erde und lasse sie entscheiden, ob sie noch tiefer runter wollen oder nicht.
Und gleich vorweg: Sie wollen.
Bevor ich den Deckel schließe, fülle ich den Luftraum im Schlafhaus komplett mit Eichenlaub auf. Locker geschichtet liegt das Laub auf der Erde und bildet eine gute Isolation nach oben. Den Übergang zum Frühbeet verschließe ich mit einigen großen Pflastersteinen. Auch der Eingang zum Frühbeet wird verschossen, so dass für Marder und Ratten kein Durchkommen ist. Dann kann der Winter kommen.
Dass der kommt, und das die Schildkröten dann „auf sich gestellt“ sind, ist mir klar. Über den Deckel des Schlafhauses lege ich zwei alte Webteppiche und dann stelle ich (wie im ersten Beitrag auf dem Bild zu sehen), eine alte Kunststoffplatte schräg darüber. So halte ich den ärgsten Regen von der Überwinterungsgrube weg.
Wenn es dann aber schneit, dann kommt diese Platte weg. Und irgendwann liegen dann gern auch mal 50 cm Schnee oder mehr direkt auf dem Deckel der Grube. Wenn dann der Schnee auf dem Deckel liegt, kann ich es mir sogar erlauben, die Deckelheizung auszuschalten. Frost gab es in meinem Schlafhaus noch nie.

Für mich bedeutet das: Bis auf die Temperaturdaten, die mir das Funkthermometer übermittelt, habe ich keine Information. Ich weiß nicht, wie es den Tieren geht, ich kann es nicht kontrollieren. Denn dazu müsste ich nicht nur die Berge von Schnee (auf dem Foto ist das Schlafhaus rechts neben dem Frühbeet) entfernen, ich müsste auch rund 10 Eimer Erde herausholen, wenn die Tiere wirklich ganz unten in der Mörtelwanne sind.
Und dass sie in kalten Wintern dort sind, weiß ich mittlerweile, denn sie graben sich tief ein. Nicht alle sind immer ganz unten, aber die eine oder andere Schildkröte ist tatsächlich einen halben Meter tief in der Erde. In diesem äußerst milden Winter allerdings fand ich fast alle Tiere in der oberen Laubschicht. Eine saß sogar schon oben auf.

8. Die Auswinterung
Für die Auswinterung suche ich ein geeignetes Wochenende, entferne das Laub und grabe die Tiere aus. Die Tiere werden kontrolliert, ich prüfe, ob sie auf Berührung reagieren, also die Beine einziehen, ob am Bauchpanzer irgendwelche roten Flecken zu sehen sind und m Kopf, vor allen an den Augen alles in Ordnung ist. Danach setze ich sie zurück in die Grube auf die Erde und decke sie anschließend mit Laub leicht und ganz locker wieder zu.
Dieser Eingriff in den natürlichen Ablauf ist notwendig, da die Grube in einem schattigen Eck im Gehege liegt. Es würde viel zu lange dauern, bis die Schildkröten tief in der Erde mitbekommen, dass es Frühling geworden ist. Auf der anderen Seite verhindert diese Platzwahl, dass die Tiere bei vorfrühlinghaften Temperaturen zu viel Wärme in der Erde mitbekommen und plötzlich Anfang Februar „auf der Matte stehen“.
Wenn ich sie aus der Tiefe hervorgeholt habe, räume ich noch den Übergang zum Frühbeet frei und dann dauert es meistens nur noch ein oder zwei Tage, bis alle Schildkröten aktiv sind, aus dem Laub herausgekrabbelt kommen und sich sehen lassen. In diesem Jahr allerdings waren fast alle Tiere fast ganz oben, so dass das Ausgraben weggefallen ist. Trotzdem habe ich die Grube zumindest halb ausgeräumt, die Erde kräftig gewälzt und einen weiteren Eimer Sphagnum-Moos eingemischt. Wieder war festzustellen, dass dieses Erde-/Moosgemischt schön feucht bleibt, aber nicht nass ist. Es bleibt krümelig und locker, was dem Grabeverhalten der Tiere sehr entgegen kommt.
Die Tiere sind sehr schnell aktiv, fressen und es dauert nur wenige Tage, da wollen die Männchen sich mit den Weibchen paaren. Einziger Nachteil dieser Überwinterung ist, dass sich am Übergang zwischen Deckel, Rahmen und Steinen immer wieder mal Ameisen im Winter ansiedeln. Sobald aber der Deckel regelmäßig geöffnet wird, wird es den Ameisen dort ungemütlich. zur Not helfe ich mit Zimt nach.
Ein schöner Nebeneffekt war, dass die Überwinterungsgrube schon zweimal kleinen Erdkröten so gut gefallen hat, dass sie auch dort überwintert haben. Man ist ja gern Gastgeber.
Die Tiere „wintern“ sich also mehr oder weniger selbst aus und können dann ach selbst entscheiden, ob sie baden wollen oder nicht. Ich reinige sie auch nicht von der Erde, die am Panzer klebt. Das ergibt sich innerhalb von ein bis zwei Tagen von selbst. Gewogen werden sie bei mir auch erst einige Tage, nachdem sie aus der Erde gekommen sind.
Den Sommer über lasse ich die Grube tagsüber oft aufstehen. Die Sonne trocknet die obere Schicht Substrat ab, sodass ich es immer wieder „untergrabe“, gegebenenfalls sogar mit etwas Wasser nachfeuchte.

Fazit:
Ich kann diese Methode, die Schildkröten zu überwintern, nur denen empfehlen, die den „Kontrollverlust“ aushalten können. Mal eben zum Kühlschrank, den Deckel auf und nachschauen, das geht eben nicht.
Wenn die Witterung passt und ich die Schildkröten ausgrabe, bin ich selbst immer etwas nervös. Das muss ich zugeben.
Nach und nach finde ich sie alle, die letzten Tiere – wie bereits erwähnt – meist ganz unten. Dieses Jahr allerdings habe ich alle Tiere ganz weit oben, zum Teil nicht mal mehr in der Erde, sondern in der Laubschicht gefunden.  Aber es gab auch Jahre, da musste ich rund sechs Eimer Erde aus der Grube holen, bevor ich das erste Tier gefunden habe.  Dreckstarrend, dass man es kaum noch als Schildkröte identifzieren konnte. Ein erster Check:  Sie leben alle. Gottseidank. Der Sommer kann kommen.


Text und Fotos: Lutz Prauser

Drei Nachträge:

Der Übergang zwischen Schlafhaus und Frühbeet ist derzeit von der Größe her für meine Tiere ausreichend. Ob das auf Dauer so passen wird und ob alle Tiere (derzeit fünf) langfristig in der Grube genug Platz zum Überwintern haben werden, wird die Zeit zeigen. Wenn nicht – dann wird eben wieder was anderes gebaut. Ist ja nicht das erste Mal, dass im Gehege etwas umgebaut werden muss, sicher auch nicht das letzte Mal.

Ich habe mir angwöhnt, bei ungewöhnlich starken, langanhaltenden Regenfällen eine alte Kunststoffplatte schräg über das Glashaus zu stellen. Ich bin zwar sicher, dass trotz starker Regenfälle kein Wasser in das Haus eindringt, aber ein zusätzlicher Schutz kann nie schaden. Diese Platte ist auf Bildern in Teil 1 zu sehen. Befestigt ist Platte nicht, nur beschwert durch zwei alte Holzleisten.

Im milden Winter 2013/2014 geschah in meinem Gehege etwas völlig Überraschendes. Vor etwa drei oder vier Jahren hatte ich von einer befreundeten Schildkrötenhalterin eine Tüte Knoblauchrauke-Samen bekommen.  Den Samen hatte ich im Gehege ausgebracht, aber von den Pflanzen nie viel gesehen. Sei es, dass der Samen gar nicht erst aufgegangen war, sei es, dass die Schildkröten die Keimlinge gleich zusammengefressen hatten, kaum dass sie aus der Erde kamen. Dieses Jahr aber ist die Knoblauchrauke geradezu im Gehege explodiert: Und zwar rings um das Schlafhaus, das so kaum noch zu sehen ist.

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