Mein Schlafhaus und meine Überwinterungsgrube (Teil 1)

Das Schlafhaus im Sommer…

Vor einigen Wochen habe ich auf dieser Seite einen Artikel über die Überwinterung der Schildkröten und die Frage nach dem Eichenlaub gestellt. In diesem Artikel habe ich das rechts stehende Foto eingestellt. Es zeigt unser „Schlafhaus“ und gleichzeitig unsere „Überwinterungsgrube“, belagert von der Katze unserer Nachbarn.   Ich habe einige Anfragen zu dieser Grube erhalten. Wie die denn gebaut sei, wie es von von innen aussehe usw.
Das hat mich dazu veranlasst, den Bau, soweit ich dazu Bilder finden konnte, hier vorzustellen.

Vor allem anderen:

Diese Art ist eine von vielen Arten, Schildkröten über den Winter zu bringen: Eine Art, die wir seit einigen Jahren praktizieren, und von der wir überzeugt sind, dass es gut für unsere Tiere ist. Aber ich muss von vorneherein klarstellen, dass diese Art der Überwinterung nichts für  Halter mit „schwachen Nerven“ ist, und noch weniger etwas für Halter, die das Verlangen haben, auch während des Winters regelmäßig nach ihren Schildkröten zu schauen. Denn das funktioniert nicht. Einmal eingegraben sind die Tiere „weg“, sie entziehen sich jeder Kontrollmöglichkeit. Und noch mehr…
Die Tiere „tauchen“ auch nicht unbedingt selbstständig aus der Überwinterung auf. Sie müssen ausgegraben werden. Das ist jedes Jahr ein Moment großer Unruhe, Anspannung und Sorge: Haben es alle überstanden, geht es allen gut? Und es ist jedes Jahr die große Erleichterung: Ja, es geht allen gut. Ganz hervorragend sogar, denn es dauert in der Regel höchstens zwei bis drei Tage, bis sie anfangen zu fressen und auch die ersten Paarungsversuche lassen kaum länger als eine Woche auf sich warten, wenn das Frühlingswetter passt. In diesem Jahr dauerte beides nicht mal einen Tag.
Ob diese Art von Überwinterung besser ist als andere, kann ich nicht sagen. Ich habe mich bisher gescheut, sie zum Thema zu machen und  darüber zu schreiben, denn wir haben ja erst sechs Jahre Erfahrung damit. Allerdings hat in diesen Jahren alles problemlos geklappt, es hat im ersten Jahr aber eine Menge Nerven gekostet. Und ich weiß nicht, ob das fünfte, das sechste, siebte… Jahr auch gut gehen wird. Aber das weiß man bei Kühlschranküberwinterung letztlich auch nicht.

Wie sieht nun meine Überwinterungsgrube aus, die im Sommer von allen Tieren im Gehege als Schlafhaus genutzt wird?

1. Die Vorüberlegungen

Bevor es ans Bauen ging, habe ich ein paar Überlegungen angestellt:

  • Eine Überwinterung im Kühlschrank hat mich nie wirklich  überzeugt.
  • Ich wollte eine separate Überwinterungsgrube und ein Schlafhaus haben, das nicht im Frühbeet ist. Das hat zum Einen damit zu tun, dass ich so im Frühbeet mehr Platz habe, zum anderen, dass das Hantieren im Schlafhaus mich sonst immer gezwungen hätte, das Dach des Frühbeets zu öffnen und mich hineinzubeugen. Das ist nicht nur unbequem, das verbläst auch die ganze Wärme und damit die Energie, die zum Aufheizen der Luft im Frühbeet genutzt wurde, in die Umwelt.
  • Gleichzeitig wollte ich einen direkten Übergang vom Schlafhaus direkt ins Frühbeet haben.

Damit war der Platz der Überwinterungsgrube gefunden. Die Grube befindet sich direkt neben dem Schlafhaus.  Da wir auf dem Land wohnen, konnte ich schnell in Erfahrung bringen, wie tief im Winter der Bodenfrost ins Erdreich gehen kann. Die Bauern in der Region wissen dies. Wir wohnen im Großraum München, hier kann

…ist Überwinterungsgrube im Winter.

es im Winter schnell zweistellige Minusgrade haben, und das nicht nur eine Nacht, solche Frostperioden können schon eine Zeitlang anhalten. Um auf der sicheren Seite zu sein, musste ich eine Grube schaffen, in der sich die Schildkröten durchaus einen halben Meter eingraben können.
Ich bin kein gelernter Handwerker, man sagt mir gern mal nach, ich habe zwei linke Hände (was ich als Linkshänder heimlich als Kompliment auffasse), aber es war schnell klar, vor dem Bau musste ein Plan her. Das spart Überarschungen, Zeit und Geld.

2. Der Termin

Ich habe die Überwinterungsgrube im Februar 2008 während sehr warmer Tage gebaut, in dieser Zeit waren meine Schildkröten alle im Kühlschrank in Überwinterungsboxen. Die Gelegenheit war gut, denn so konnte ich größere Arbeiten vornehmen ohne Gefahr, das aus Versehen ein Tier die Baustelle erkundet und am Ende Schaden nimmt.
Die Tiere wollte ich so früh noch nicht aus dem Kühlschrank holen, denn ich weiß, dass nach solchen sehr vorfrühlinghaften Tagen schnell eine böse Überraschung kommen kann… Schnee- und Kälteeinbrüche. Nicht immer kommt der Frühling so früh und so durchsetzungsstark wie in diesem Jahr.
Aber in dieser Woche, in der ich Urlaub hatte, war es warm und frostfrei – und damit konnte der Bau beginnen.
Trotz der für meine Verhältnisse guten Planungen musste ich natürlich mehrfach zum Baumarkt fahren, irgendwas vergisst man immer, hat etwas falsch gemessen, gesägt und das Holz ist zu Ende… aber das ist bei mir eher normal.
Leider habe ich die Bauphase nicht in allen Schritten dokumentiert, die Bilder sind auch eher von bescheidener Qualität, aber sie helfen vielleicht doch etwas, sich die einzelnen Bauabschnitte vorzustellen.

3. Der Bau
Als Grundelement dient mir die größte Mörtelwanne, die ich im Baumarkt finden konnte. Für diese Wanne habe ich ein Loch gegraben, das knapp 80 cm tief ist.
Bevor ich die Wanne in das Loch gesetzt habe, wurde unten in das Loch ein Kiesbett eingebracht, sollte es – was bisher noch nie passiert ist – tatsächlich mal zu einer kleinen Überflutung kommen, kann dieses Kiesbett einiges Wasser aufnehmen, jedenfalls erheblich mehr als der schwere Lehmboden, den wir im Garten haben.
Den Boden der Wanne habe ich mit einem Bohrer regelrecht „durchsiebt, sodass Wasser, sollte es jemals eindringen, auch unten wieder austreten kann. Das war eigentlich der schönste Teil der ganzen Arbeit. Und das gleich ganz am Anfang…
Bevor ich die Wanne in das Loch gesetzt habe, wurde sie an allen vier Seiten von außen mit  Styrodur®-Platten verkleidet. Die Platten haben eine Stärke von 30 mm und isolieren somit die spätere Überwinterungsgrube seitlich gut gegen Frost ab.
Die so isolierte Wanne wurde in das Loch gesetzt und anschließend seitlich die Erde wieder eingefüllt.
Die Wanne ist so tief in der Erde eingelassen, dass der Oberrand noch ein wenig unterhalb des normalen Niveaus liegt. Anschließend kam der „Überbau“, eine zunächst ziemlich „wüste“ Konstruktion.
Hierzu habe ich die baumarktüblichen Gartensteine verwendet. Die Steine wurden gesetzt, mit Erde aufgefüllt und schaffen so oberhalb der Überwinterungsgrube einen Luftraum. Von der Außenseite habe ich die Erde aus der Grube für eine Auframpung verwendet, sodass durch die Steine keine „Mauer“ entsteht“, an der die Schildkröten entlang patroullieren und sich den Panzer verletzen könnten. Diese Auframpung ist auf dem Bild recht gut erkennbar.
Ganz wichtig: Einen Stein auf der Seite zum Frühbeetsockel habe ich weggelassen, hier wird später der Übergang zum Frühbeet entstehen.
Damit waren die „Tiefbau“arbeiten abgeschlossen.
Wie schaut nun der Aufbau auf?
Mit Metallwinkeln, die bereits auf dem Bild zu erkennen sind, habe ich einen Holzrahmen, den ich aus einem impräginierten Balken gefertigt habe, auf die Seine geschraubt. Alle oberen Teile sind, sollten sie durch Witterungseinflüsse kaputt gehen, schnell ersetzbar.
Der Holzrahmen bildet gleichzeitig das „Grundelement“ für den Deckel, mit dem Schlafhaus und Überwinterungsgrube verschlossen werden.
Der auf Gehrung gesägte Holzrahmen wurde mit Metallwinkeln an der Innenseite fest verschraubt und anschließend an die anderen Metallwinkel direkt auf die Steine geschraubt.
Hier hat sich, das eher am Rande, wieder bewiesen, dass ich eben kein guter Handwerker bin, denn die Gehrungen sind trotz Führungsschiene eher stümperhaft. Vielleicht hätte ich einfach die flachen Kanten aufeinander lassen sollen. Egal.
Nach sechs Jahren, die dieser Holzsockel jetzt Wind und Wetter, Schnee und Regen ausgesetzt ist, hält er immer noch, so dass ein Austausch wohl noch lange nicht nötig wird.

Teil 2 hier und Teil 3 hier

 

Text und Fotos: Lutz Prauser

5 Kommentare


  1. Das denke ich, passt. Die Kiste kann ja tief genug in der Erde sein, so dass die Kiste vollständig mit Erde gefüllt ist (ich mische Erde mit Sphagnum-Moos) und trotzdem darüber noch ein ebenso hoher Luftraum, den man mit einer Laubschicht füllen kann.
    Viele Grüße
    L.P.


  2. Wie tief ist denn die Mörtelkiste für die Überwinterungsgrube. Reichen für eine THH 40 cm aus?




  3. Vielen Dank, sehr interessant!
    Ich freue mich schon auf Teil 2.

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