Nachgefragt beim Tierarzt: Darmverschluss

In unserer Reihe „Nachgefragt beim Tierarzt“ geht es dieses Mal um Verstopfungen und Darmverschlüsse bei Schildkröten. Auch diese Erkrankung ist – wie die meisten Schildkrötenerkrankungen – nicht auf den ersten Blick erkennbar. Das machst sie umso bedrohlicher für das Tier. Auskunft gab uns dieses Mal wieder die Münchner Tierärztin Dr. med vet. Nathalie Steidele. Leider stehen uns für diesen Beitrag keine Röntgenbilder von Darmverschlüssen zur Verfügung, die wir auf unserer Seite zeigen können.

 

1. Was ist ein Darmverschluss?

Ein Darmverschluss oder Ileus ist eine Störung der Darmpassage. Diese kann ganz verschiedene Gründe haben. In jedem Fall handelt es sich um eine lebensbedrohliche und schmerzhafte Situation, die ein sofortiges Vorstellen beim Tierarzt notwendig macht.



2. Wie entsteht ein Darmverschluss, wodurch wird er verursacht?

Wie bereits gesagt, gibt es verschiedene Gründe, wie ein Darmverschluss entstehen kann. Zum einen kann der Darm wirklich „verschlossen“ sein, d.h. es liegt eine mechanische Störung vor, die vom Darm oder von außerhalb kommen kann (z.B. Verstopfung durch Kot, Fremdkörper, Massenbefall mit Parasiten, eine Verwachsung, Verdrehung oder Einstülpung des Darms, ein eingeklemmter Eingeweidebruch). Zum anderen kann ein Darmverschluss dadurch bedingt sein, dass es zu einer Lähmung der Darmmuskulatur und somit zum Stillstand der Darmperistaltik kommt, ein sog. paralytischer Ileus. Ursachen hierfür können Entzündungen, Vergiftungen, Durchblutungsstörungen sein, oder ein verschleppter mechanischer Darmverschluss.

3. Woran erkenne ich, ob meine Schildkröten einen Darmverschluss haben (Symptome)?

Wie bei den allermeisten Erkrankungen zeigen Schildkröten auch hier erst sehr spät, dass es ihnen nicht gut geht. Meist fallen dem Besitzer jedoch nur unspezifische Symptome auf, wie z.B. das Einstellen der Futteraufnahme, verändertes Verhalten.

4. Welche Ursachen/Erkrankungen können zu ähnlichen Symptomen führen? Wie kann ich das unterscheiden?

Als Besitzer ist es nicht möglich, die Krankheitssymptome zweifelsfrei einem Darmverschluss zuzuordnen. Selbst der Tierarzt benötigt hierfür zumindest eine Ultraschall – oder Röntgenuntersuchung.

5. Welche Maßnahmen sollte ich sofort ergreifen?

Da die Symptome sehr unspezifisch sind, wie bei den meisten Schildkrötenerkrankungen, sollte bei längerem „komischen“ Verhalten der Tierarzt aufgesucht werden.

6. Wie dringend ist ein Tierarztbesuch?

Da es sich um eine lebensbedrohende und zudem sehr schmerzhafte Erkrankung handelt, sollte schnellstmöglich ein Tierarzt aufgesucht werden. Da ein Tier mit Darmverschluss aufgrund der ungenauen Symptomatik oft erst nach einigen Tagen zum Tierarzt gebracht wird, hängt der Heilungsverlauf sehr von der Art der Darmverschlusses und dem Allgemeinzustand des Tieres ab.

7. Wie wird ein Darmverschluss vom Tierarzt festgestellt (Diagnose)?

Der Tierarzt wird die Schildkröte zunächst untersuchen und dann eine Ultraschall- oder /und Röntgenuntersuchung, vielleicht auch mit Kontrastmittel durchführen.

8. Wie wird er vom Tierarzt behandelt (Therapie)?

Die Therapie ist abhängig von der Ursache des Darmverschlusses, in manchen Fällen wird eine Operation nötig sein.

9. Wie sind die Aussichten auf einen Erfolg der Therapie (Prognose)
?

Die Prognose ist abhängig von der Ursache der Erkrankung, der Schwere der Erkrankung und dem Zustand des Tieres bei Beginn der Behandlung.

10. Was kann ich tun, um in Zukunft einen solchen Darmverschluss zu verhindern?

In jedem Fall sollte die Haltung überdacht werden, das Gehege sollte ordentlich abgesichert sein, Dinge, die von den Schildkröten aufgenommen werden könnten und als Fremdkörper einen Darmverschluss verursachen könnten, haben nichts im Gehege verloren.
Eine jährliche Parasitenkontrolle und ggf. auch –behandlung sollte durchgeführt werden.

Die Informationen stammen von Dr. Nathalie Steidele. Die Fotos stammen von Lutz Prauser und zeigen eine Gelbwangenschmuckschildkröte sowie zwei Seychellen-Riesenschildkröten. Die Bilder wurden aufgenommen im Münchner Tierpark Hellabrunn. Die abgebildeten Tiere leiden natürlich nicht unter Darmerkrankungen, Verstopfungen oder Darmverschlüssen.

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