Fundstücke: Das Mosaik von Aquileia

Außenansicht. Foto Giovanni Dall'Orto

Die Gründung der Stadt im Nordosten Italiens im heutigen Friaul geht auf das Jahr 181 v. Chr. zurück. An der Schnittstelle von Handelswegen gelegen und als Bollwerk gegen die Barbaren des Nordens entwickelte sich die Stadt im römischen Reich zu einer bedeutenden Metropole, doch gewann sie noch größere Bedeutung im Zuge der Christianisierung. Ihr Bischof war nach dem Papst der zweitwichtigste Kirchenfürst.
Die heutige Basilika von Aquileia „Santa Maria Assunta“ fußt auf einem der ältesten Kirchengebäude der Christenheit, das im frühen 5. Jahrhundert errichtet wurde. Doch wurde auch diese Kirche auf einem älteren Gebäude aus der Zeit des Bischofs Theodorus (um 300) errichtet. Besonders berühmt wurde das Bodenmosaik, das aus dieser frühchristlichen Zeit stammt. Eines der Mosaikbilder zeigt den Kampf eines Hahnes mit einer Schildkröte. Natürlich ist die Darstellung nicht rein künstlerisch gewählt, sondern stellt eine Allegorie dar: den Kampf des Tages mit der Nacht, des Lichts mit
der Dunkelheit und des Guten mit dem Bösen. Besonders bemerkenswert bei dieser Darstellung ist zweierlei. Die Schildkröte hat als Symbolfigur in der christlichen Kunst einen relativ bescheidenen Raum. Äußerst ungewöhnlich auch, dass in diesem Mosaik die Schildkröte als Symbol des Bösen verwendet wird.
Die Schildkröte wird hier als erdbewohnendes Wesen, als Wesen der Dunkelheit verstanden, und damit als Sinnbild der Nacht und des Bösen. Sie steht für die Bedrohung für die junge Glaubensgemeinde. Der Hahn, der im Christentum eine wechselnde Symbolik besitzt, ist hier ihr Widersacher. Er steht durch seinen morgendlichen Schrei als Symbol für den anbrechenden Tag, damit für das Licht, das die Nacht überwindet. Als Vogel ist er ein Tier des Himmels. Auch wenn seine Flugkünste beschränkt sind, gehört er in der antiken Weltordnung doch zur göttlichen Sphäre, während die Schildkröte dem Boden, der Erde und damit der Vergänglichkeit verhaftet bleibt. Letztlich symbolisiert der Hahn hier das Christentum allgemein. Das Mosaik selbst lässt leicht erahnen, wer den Kampf am Ende gewinnen wird.

Der Hahn gegen die Schildkröte

Die Gründung der Stadt im Nordosten Italiens im heutigen Friaul geht auf das Jahr 181 v. Chr. zurück. An der Schnittstelle von Handelswegen gelegen und als Bollwerk gegen die Barbaren des Nordens entwickelte sich die Stadt im römischen Reich zu einer bedeutenden Metropole, doch gewann sie noch größere Bedeutung im Zuge der Christianisierung. Ihr Bischof war nach dem Papst der zweitwichtigste Kirchenfürst.
Die heutige Basilika von Aquileia „Santa Maria Assunta“ fußt auf einem der ältesten Kirchengebäude der Christenheit, das im frühen 5. Jahrhundert errichtet wurde. Doch wurde auch diese Kirche auf einem älteren Gebäude aus der Zeit des Bischofs Theodorus (um 300) errichtet. Besonders berühmt wurde das Bodenmosaik, das aus dieser frühchristlichen Zeit stammt.
In dieser Zeit der sehr frühen Kirche stand das Christentum in permanenter Bedrohung durch andere Religionen, aber noch größer war die Gefahr innerer Aufspaltungen und Sektenbildungen. Längst war die Kirche noch nicht in ihren Strukturen gefestigt, in Glaubensfragen allerdings noch viel weniger, es tobten Streitigkeiten um die rechte Lehre. Und so wird die Schildkröte in dem Mosaikbild ebenfalls zum Zeichen des Unglaubens bzw. des Irrglaubens. Warum?

Basilika von Aquileia. Das berühmte Mosaik. Foto Giovanni Dall'Orto

Der aquileianische Kirchengründer Theodorus, auf den auch die Kirchenbauten zurückzuführen sind, war an einem erbittert geführten Streit um die wahre Lehre beteiligt. Und so liegt die Vermutung nahe, dass die Darstellung des Kampfes zwischen Hahn und Schildkröte eigentlich als Symbol für den Streit zwischen den beiden Lehrmeinungen zu verstehen ist. Auf der einen Seite die Arianer in Gestalt der Schildkröte, auf der anderen die Trinitarier, symbolisiert durch den Hahn.
Die Schildkröte, die ihren Kopf einzieht und diesen vor der Welt verbirgt – sie ist das Zeichen der Unkenntnis und der Ignoranz. Sie sieht nichts, und sie will nichts sehen, sie verweigert sich dem Licht und dem Wissen.
Dieser frühchristlichen Bildsprache ist die Kunst bis ins Mittelalter gefolgt – die Schildkröte als Symbol der Nacht und des Bösen, als Zeichen der Unwissenheit und Ignoranz findet sich z.B. in den Malereien von Jacob van Maerlant, Hieronymus Bosch und anderen. Immer am Rand des Bildes, immer sich vom Zentrum des Bildes und damit des Mittelpunktes fortbewegend. Erst im Barock tritt ein neuer Bedeutungszusammenhang für diese Tierart in der abendländischen Kunst hinzu. Aber das wäre schon wieder ein anderes Fundstück…

Text: Lutz Prauser

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