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Münchner Reptilienauffangstation vor dem Aus?

Veröffentlicht am | September 10, 2012 | 7 Kommentare

Aktuell wird über die Nachrichtenagentur dapd die Meldung gestreut, die Münchner Auffangstation für Reptilien stehe vor dem Aus. Aufgrund des massiven Zuwachses an Tieren und ihrer langen Verweildauer in der Einrichtung reichten die bisherigen Fördergelder und Spenden nicht mehr aus, erklärte eine Sprecherin am Montag, heißt es in der Meldung, die alle Reptilienfreunde in höchste Alarmbereitschaft versetzen sollte. Denn:“… sollten die Finanzprobleme nicht gelöst werden, drohe Ende Oktober die Schließung der Auffangstation, die einzigartig in Süddeutschland sei, heißt es weiter in der Pressemeldung, die mittlerweile auf den Nachrichtenseiten der Freien Presse, der Welt, der WAZ, der Münchner az  und vielen anderen Portalen zu finden ist.

Die Station platzt aus allen Nähten.

Tatsächlich ist die Lage dramatisch. Derzeit befinden sich nach Angaben der Station über 900 Tiere (Reptilien, Fische und Wirbellose) in den Räumen in München Schwabing und in der Depandance in Riem.
Bei einer Schließung droht den Betreibern, letztlich aber der Stadt München und dem Freistaat Bayern die Aufgabe, für all die Tiere ein neues Zuhause zu suchen. Keine leichte Aufgabe, denn für viele Tiere wie Schnapp- und Geierschildkröten, sowie diverse Gift- und Riesenschlangen, gilt ein Haltungsverbot für Privatleute. Allein 20 Schnapp- und Geierschildkröten müssten dann in vergleichbaren Einrichtungen, in Zoos oder Tierparks untergebracht werden.
Die Unterbringung der Tiere ist schier unmöglich: Wenn die Vermittlung der Tiere zuvor schon schwierig war, wird sich dies auch nicht nach einer möglichen Schließung  ändern. Wenn es keine Plätze gibt, dann wird es auch in absehbarer Zeit keine geben. Wenn es welche gäbe, wären die Tiere längst abgegeben worden.
Bereits jetzt kann die Station keine Wasserschildkröten, großen Echsen oder Riesenschlangen mehr aufnehmen. Laut Pressemeldung besteht nun ein kategorischer Aufnahmestopp für alle Tiere.

Seit sich die Tierklinik der Universität München und der Freistaat Bayern mehr oder weniger aus der Verantwortung für die Station verabschiedet haben und diese in die Hände des Träger- und Fördervereins legten, ist es nicht nur um die Finanzmittel schlecht bestellt, auch fehlt es an einer mittelfristigen Perspektive zur Sicherung des reibungslosen Betriebes der Station. Das ändert aber nichts daran, dass bei weitem nicht nur besitzerlose Fundtiere in der Station landen. Viele Tiere stammen aus behördlichen Beschlagnahmungen. So kommen die Tiere, die der Münchner Flughafenzoll bei seinen Kontrollen findet, ebenso in die Station wie Tiere, die der Zoll auf der Autobahn beschlagnahmt, wenn diese illegal ins Land geschmuggelt werden. Nicht selten werden diese Tiere auch von Tierärzten und Behörden beschlagnahmt, weil die Eigentümer komplett überfordert sind und die Tiere verwahrlosen.
Allein die Aufnahme jedes neuen Tieres kostet die Station etwa 100 € an parasitologischen Untersuchungen, sowie Blutuntersuchungen, um Schädigungen auszuschließen. Sämtliche Neuaufnahmen müssen zudem eine Zeit lang in Quarantäne gehalten werden, um die bereits in der Station befindlichen Tiere nicht mit möglichen Krankheiten zu infizieren. So erklärt es Prof. Dr. R. Hoffmann, der Vorsitzendes des Fördervereins in einem Merkblatt. Da liegt es auf der Hand, dass der Betrieb einer Auffangstation nur mit erheblichen Geld- und Sachmitteln sowie ausreichendem Platz durchführbar ist.

Wenn sich nicht bald Hilfe einstellt, sieht es schlecht aus um die Zukunft des Vereins.
Jede/r kann helfen, z.B. durch

Mitgliedschaft im Förderverein

Spenden (die steuerlich absetzbar sind)
Aufnahme von Tieren
Tierpatenschaften
oder für Unternehmen Sponsoring

Sobald es Neuigkeiten gibt, werden wir an dieser Stelle berichten.

Kommentare

7 Antworten to “Münchner Reptilienauffangstation vor dem Aus?”

  1. Reck Marcel Schweiz
    12. September, 2012 @ 12:48

    Sehr geehrte Damen und Herren
    meine Frau und ich hatten diesen Sommer das Vergnügen, diese Auffangstation zu besuchen und waren begeistert. Die Aerzte unter Dr. Baur und sein Team leisten dort auf wenig Platz unmögliches. Sie halten die Terrarien sehr sauber und sind auf dem neusten Stand der Technik, zum Anschauen sind sie ein Bijou. Es wäre sehr schade, wenn das verloren ginge. München ist doch eine reche Stadt und es sollte doch wirklich möglich sein, dies zu unterstützen. Wir haben auch eine Spende übergeben, aber dies war wohl ein Tropfen auf den heissen Stein. Bitte macht mehr Reklame, damit diese Station ihre wichtigen Aufgaben weiterhin realisieren kann. Mit freunlichen Grüssen Marcel und Lydia Reck, Schweiz

  2. Carmen
    12. September, 2012 @ 19:29

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    ich finde es auch sehr schade, das gerade sie nicht staatlich Gefördert werden, denn es ist wirklich schwer, Reptilien zu Vermitteln. Habe und nehme Schildkröten auf, Pflege sie gesund und versuche sie bestmöglich wieder zu Vermitteln. Leider habe ich nur durch Zufall von ihrem finanziellen Problem gehört und hoffe, das sie mehr Spenden einholen können. Wäre schön, wenn sich die Behörden und die Stadt das wieder unterstützen, denn sie sind wirklich Wichtig, auch was die Artenerhaltung und unterstützung des Zolls unverzichtbar sind. Ich drücke Ihnen alle Daumen das alles wieder gut wird. Lieben Gruß
    Carmen

  3. Lutz Prauser
    12. September, 2012 @ 19:45

    Liebe Kommentatoren,

    vielen Dank für Ihre Kommentare. Wir versprechen, Sie auch weiterhin hier über die aktuelle Entwicklung auf dem laufenden zu halten. Über die gestrige Pressekonferenz wurde ja bereits viel veröffentlicht – alelrdings noch keine konkrete Perspektive, wie es nun weitergeht. Selbstverständlich werden wir auch in Zukunft generell Informationen aus der Reptilienauffangstation hier veröffentlichen, wie wir es ja in der Vergangenheit auch schon regelmäßig gemacht haben.
    Mittlerweile ist eine Welle der Sympathiebekundungen im Netz angerollt, parallel dazu auch eine groß angelegte Spendenaufrufaktion über Reptilienforen, über Facebook, über die dght, über Terraristikshops und andere. Der Förderverein, dessen Mitglied ich bin, tut sein Übriges, um das Finanzierungsloch zu stopfen.

    Besonders traurig ist, dass sich die Hauptverursacher der Misere aus der Verantwortung gestohlen haben und für die Hilfsanfragen taube Ohren haben. Das betrifft u.a. die Bau- und Gartenmärkte und die Tierhandelsketten, die einen erheblichen Teil dazu beitragen, dass leichtfertig Tiere gekauft werden, die die Halter ganz schnell wieder loswerden wollen. Und genau daher rühren die riesigen Bestände an Bartagamen, Wasserschildkröten, Kornnattern, Pythons etc., die in der Station untergebracht werden. Derweil freut sich der Handel über die Umsätze, denn wenn er auch am Tier nicht allzu viel verdient, ist es doch das Komplettpaket aus Terrarien, Lampen, Heizung, Bodensubstraten…. das Geld in die Kasse schwemmt. Das Tier ist ja nur das „Vehikel“.

    Viele Grüße

    Lutz Prauser

  4. Kurt Schaller
    13. September, 2012 @ 10:28

    Ich bin der Meinung sie müssen von den Haltern die ihre Tiere abgegeben, deutlich mehr verlangen. Auch die gesamten Kosten für Tiere vom Zoll und Beschlagnahmungen müssen diesen Behörden in Rechnung gestellt werden. Wer sagt denn, dass die das alles umsonst machen müssen. Sie müssen ganz einfach die Preise anziehen und zwar gewaltig. Die Strafen für illegale Einfuhr muss ausschließlich diesen Auffangstationen zu kommen, damit wären sie über den Berg. Man müsste mal einen Rechtsanwalt prüfen lassen, ob das nicht geht.
    Die saublöden Kommentare in der AZ sprechen eine deutliche Sprache, wie die Stimmung ist. diese Deppen haben noch nie was von einem Tierheim gehört, die werden subventioniert bis zum geht nicht mehr.

  5. Kurt Schaller
    14. September, 2012 @ 11:03

    Hallo Lutz

    wie wäre es denn, wenn man im Facebook ( ich bin nicht Mitglied) einen Boykottaufruf startet, die Bau- und Gartenmärkte und die Tierhandelsketten, die einen erheblichen Teil dazu beitragen, dass leichtfertig Tiere gekauft werden, die die Halter ganz schnell wieder loswerden wollen, sich aber an den Folgekosten nicht beteiligen und jetzt auch keine Spenden für den Erhalt der Auffangstation geben.Es sollte niemand dort irgend etwas einkaufen so lange keinerlei Einlenken vorhanden ist. Das ginge ja gerade auch bei deinem Lieblings Baumarkt ganz schön ins Geld. Ich könnte mir vorstellen, dass auch die Tierhandelketten erhebliche Einbußen hinnehmen müßten, dort wird ja auch Tierfutter gekauft usw.
    War nur so ein Gedanke
    Gruß Kurt

  6. Christine
    17. September, 2012 @ 17:38

    Schade für die Tiere, aber warum sie in einem engen Terrarium mit Wärmelampe und ohne Sonnenlicht im Wohnzimmer halten (die fühlen sich bestimmt in ihrem Herkunftsland in Freiheit wohler)ich empfinde es nicht artgerecht und als falsch verstandene Tierliebe. Wenn die Leute keine Exoten mehr kaufen würden, hätte die Auffangstation das Problem nicht.
    Gruß Christine

  7. Lutz Prauser
    18. September, 2012 @ 17:15

    Der Gedanke ist leider etwas zu kurz gedacht. Denn der mit Abstand größte Teil der hier gehandelten Tiere stammt aus Nachzuchten. Von daher stellt sich die Alternative Leben in Wildnis oder im Terrarium für sie nicht.
    Davon abgesehen halten viele Terrarianer ihre Tiere durchaus artgerecht und habitatsnah, haben Tiere mir hohen Lebensjahren und -erwartungen und zahlreiche Nachzuchten. Es ist also nicht alles an der Reptilienhaltung schlecht.
    Und noch etwas: Das Problem liegt m.E. nicht bei den verantwortungsbesussten Haltern sondern den Leuten, die ohne Sachkenntnis einfach aus einem Impuls heraus Tier und Zubehör kaufen. Und nehmen sich Terrarianer keineswegs schlechter aus als Halter von Kaninchen, Vögeln, Katzen etc. – die ebenfalls zu hunderten hier im Tierheim sitzen. Nur gibt es da eben keine öffentliche Stimmungmache.
    Nur Fische trifft’s da nicht so, denn die landen, wenn der Besitzer sie plötzlich nicht mehr haben will, ja gerne mal im Klo. Auch darüber redet man nur nicht.
    Fakt: Die einzige Stellschraube liegt darin, Tiere nur dann zu verkaufen, wenn der Halter sich das wirklich gut überlegt und sich schlau gemacht hat. Das aber funktioniert nicht, so lange der ben angesprochene Handel am Zubehör schweinemäßig mitverdient. Und so lange der Kunde nicht einsichtig genug ist sondern ggf. in den nächsten Baumarkt rennt – so lange, bis er hat, was er kaufen wollte…

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