Besondere Gehegepflanzen (6) – Königskerzen

Königskerzen, nicht nur gelbblühende Futterpflanzen / Von Ricarda Schramm

Immer wieder taucht bei einschlägigen Diskussionen die Frage auf: „Fressen unsere Schildkröten denn wirklich die immer wieder erwähnten Königskerzen?“.
Hier sollte man unterscheiden zwischen den Gegebenheiten in den natürlichen Verbreitungsgebieten der Tiere und der Situation bei uns in menschlicher Obhut unter anderen klimatischen Voraussetzungen.
Hier bei uns ist auch im Hochsommer der Tisch reichlich gedeckt, die Auswahl an Wildkräutern riesengroß. Dort, im Habitat, ist der Bewuchs zu dieser Jahreszeit karg und vertrocknet. Da ist man als Schildkröte mehr darauf angewiesen, auch weniger beliebte Pflanzen noch als Futter anzunehmen.
Im Habitat kann man immer wieder Fraßspuren an jungen Blattrosetten von Königskerzen finden und auch die herabfallenden gelben Blüten werden gerne aufgenommen (Abb. 1 und 2).

Abb. 1 Gewelltblättrige Königskerze, V. undulatum im Habitat, Blattrosette Foto: Ricarda Schramm
Abb. 2 Gewelltblättrige Königskerze, V. undulatum, im Habitat, Blüten, Foto: Ricarda Schramm

Die Blüten lassen sich auch hier bei uns sehr gut trocknen und als Zugabe unter Kräuterheu mischen.
Aber einmal abgesehen davon, sind Königskerzen sehr attraktive Pflanzen, die, im Gehege angesiedelt, einen hohen Schmuckwert haben und den Betrachter erfreuen. Durch ihren hohen Wuchs wird verhindert, dass sie durch die Schildkröten ganz abgefressen werden und so können sie sich zuverlässig immer wieder selbst aussäen.
Wir wollen ja versuchen, nicht Käfige zu bauen, sondern kleine Nachbildungen einer natürlichen Landschaft für unsere Pfleglinge.
Die Bemerkung einer Besucherin in unserem Garten soll hier für sich stehen: “Jetzt wo alles hier so schön blüht, sehen Eure Schildkröten-Gehege ja richtig schön aus. So hatte ich mir das gar nicht vorgestellt.“.
Hierzu sollen im Folgenden einige Beispiele Erwähnung finden.

Die Königskerzen, Gattung Verbascum, gehören zur Familie der Braunwurzgewächse, Scrophulariaceae, sind mit etwa 300 Arten sehr reich in Europa Asien und Amerika vertreten und dienen den Menschen schon sehr lange als Heilpflanzen, was sich in einer Vielzahl von deutschen Namensgebungen bemerkbar macht. Neben den meist zweijährigen Arten existieren aber auch mehrjährige und ausdauernde Vertreter. Allen gemeinsam sind die Blattrosetten im ersten Jahr, bei mehrjährigen Arten überdauern diese auch in den weiteren Wintern. Ein Abschneiden der Blütenstände nach dem Verblühen erhöht die Wahrscheinlichkeit des mehrjährigen Wachstums.

1. Großblütige Königskerze, Verbascum densiflorum (Abb. 3)

Abb. 3 Großblütige Königskerze, V. densiflorum Foto: Christian Fischer, cc-by-sa 3.0, Wikimedia

Wuchsform: zweijährig

Wuchshöhe: 50-120 (bis 300) cm

Blatt: breitlanzettlich, ganzrandig, stark wollig-filzig gegen Austrocknung

Blüte: einfach

Blütenfarbe: gelb

Blütenform: rispenförmig

Blütengröße: groß (> 10cm)

Blütezeit: Juni – September

Boden: trocken,gut durchlässig, humus-und nährstoffarm

Frucht: Kapseln

Laub: wintergrün

Laubfarbe: graugrün

Standort: Sonne

Verwendung: Freiflächen, Steppenheide

Wuchs: horstig, aufrechte Stängel

 

2. Kleinblütige Königskerze, Verbascum thapsus (Abb. 4)

Abb. 4 Kleinblütige Königskerze, V. thapsus, Foto: Stan Shebs, cc-by-sa 3.0, Wikimedia

Wuchsform: zweijährig bis mehrjährig

Wuchshöhe: 30-200 cm

Blatt: breitlanzettlich, ganzrandig, dichte Behaarung mit gräulich-gelben, filzigen Drüsenhaaren, Blattrosette dicht an Erdoberfläche

Blüte: einfach

Blütenfarbe: gelb

Blütenform: rispenförmig

Blütengröße: 12-30 mm

Blütezeit: Juni – August

Boden: trocken,gut durchlässig, humus-und nährstoffarm

Frucht: Kapseln

Laub: wintergrün

Laubfarbe: graugrün

Standort: Sonne

Verwendung: Freiflächen, Steppenheide

Wuchs: horstig, aufrechte Stängel

 

3. Schwarze Königskerze, Verbascum nigrum (Abb. 5 und 6):

Abb. 5 Schwarze Königskerze, V. nigrum, Foto: Ricarda Schramm

Wuchsform: mehrjährig

Wuchshöhe: 50-120 (150) cm

Blatt: breitlanzettlich, ganzrandig, unterseitig rauh, filzig, oberseitig jedoch glatt und dunkelgrün, grundständige Blätter meist langgestielt, unregelmäßig gekerbt

Blüte: einfach

Blütenfarbe:: gelb, am Grund oft rotgefleckt, purpur-violette, haarige Staubgefäße

Blütenform: ährig, meist unverzweigt

Blütengröße: 12-20 mm

Blütezeit:: Mai-September

Boden: trocken,gut durchlässig, humus-und nährstoffarm

Frucht: Kapseln

Laub: wintergrün

Abb. 6 Schwarze königskerze, V. nigrum, Blüte, Foto: Ricarda Schramm Fruchtkapseln

Laubfarbe: glänzend dunkelgrün

Standort: Sonne, Halbschatten

Verwendung:: Waldränder, Wegränder, halbtrocken bis mäßig feucht

Wuchs: horstig, aufrechte Stängel

Laub: wintergrün

Laubfarbe: glänzend dunkelgrün

Standort:: Sonne, Halbschatten

Verwendung: Waldränder, Wegränder, halbtrocken bis mäßig feucht

Wuchs: horstig, aufrechte Stängel

 

4. Kandelaber-Königskerze, Verbascum olympicum (Abb.7 und 8):

Abb. 7 Kandelaber-Königskerze, Verbascum olympicum, Foto: cc-by-sa 3.0, Wikimedia

Wuchsform: zweijährig bis mehrjährig

Blatt:breitlanzettlich, ganzrandig, rauh, filzig

Wuchshöhe: 40 – 200 cm

Blatt: breitlanzettlich, ganzrandig, rauh, filzig

Blüte: einfach

Blütenfarbe: gelb

Blütenform: rispenförmig

Blütengröße:: 35-50 mm

Blütezeit:: Juni – August

Boden: trocken,gut durchlässig, humus-und nährstoffarm

Frucht: Kapseln

Abb. 8 Kandelaber-Königskerze, V. olympicum, Foto: Schnobby, cc-by-sa 3.0, Wikimedia

Laub: wintergrün

Laubfarbe: graugrün

Standort: Sonne

Verwendung: Freiflächen, Steppenheide

Wuchs: horstig, aufrechte Stängel, Blütenstand rispig verzweigt, kerzenähnliche Scheinähren

5. Windblumen-Königskerze, Verbascum phlomoides (Abb. 9 und 10):

Abb. 9 Windblumen-Königskerze, V. phlomoides, Foto: Stefan.lefnaer,cc-by-sa 3.0, Wikimedia

Wuchsform: zweijährig

Wuchshöhe: 50-200 cm

Blatt: breitlanzettlich, ganzrandig, rauh, filzig

Blüte: einfach

Blütenfarbe: gelb bis gelb-orange

Blütenform: rispenförmig

Blütengröße: 35-55 mm, schwach duftend

Blütezeit: Juli – September

Boden: mäßig trockene bis mäßig frische Böden, gut durchlässig,

Frucht: Kapseln

Abb. 10 Windblumen-Königskerze, V. phlomoides, Blüte Foto: Stefan.lefnaer, cc-by-sa 3.0, Wikimedia

Laub: wintergrün

Laubfarbe: graugrün

Standort: Sonne

Verwendung: Freiflächen, -Schutthalden, Wegränder

Wuchs: horstig, aufrechte Stängel

6. Mehlige Königskerze, Verbascum lychnitis (Abb. 11 – 13):

Abb. 12 Mehlige Königskerze, Verbascum lychnitis, weiß, Foto: TeunSpaans,cc-by-sa 3.0, Wikimedia
Abb. 11 Mehlige Königskerze, V. lychnitis, gelb,Foto: cc-by-sa 3.0, Wikimedia

Wuchsform: zweijährig

Wuchshöhe: 60-120 (150) cm

Blatt: länglich-eiförmig, an der Unterseite stärker filzig-behaart, Oberseite fast kahl

Blüte: einfach

Blütenfarbe: hellgelb oder weiß

Blütenform: rispenförmig

Blütengröße: 20-40 mm

Blütezeit: Juni – August

Boden: mäßig trocken bis trocken

Frucht: Kapseln

Abb. 13 Mehlige Königskerze, V. lychnitis, weiß, Blüte, Foto Wikimedia/TeunSpaans

Laub: wintergrün

Laubfarbe: graugrün

Standort: Sonne

Verwendung: Weg- und Waldränder, mäßig Trockenrasen

Wuchs: horstig, aufrechte Stängel

7. Purpur-Königskerze, Verbascum phoeniceum Abb. 14 und 15):

Abb. 15 Purpur-Königskerze, V. phoeniceum, Foto: Arpad Horvath, cc-by-sa 3.0, Wikimedia
Abb. 14 Purpur-Königskerze, V. phoeniceum, Grundblätter

Wuchsform: zweijährig bis mehrjährig

Wuchshöhe: 30-80 (selten bis 100) cm

Blatt: unterseits flaumhaarig, oberseits fast kahl, glänzend

Blüte: einfach

Blütenfarbe: dunkel-violett, seltener rosa bis fast weiß

Blütenform: rispenförmig

Blütengröße: ca. 30 mm

Blütezeit: früher als die anderen Arten, Mai-Juni

Boden: trocken, sandig, durchlässig, nährstoffarm

Frucht: Kapseln

Laub: wintergrün

Laubfarbe: graugrün

Standort: Sonne

Verwendung: Trockenrasen, Trocken-Waldränder

Wuchs: horstig, aufrechte Stängel

Leider werden getopfte Pflanzen in den entsprechenden Gärtnereien noch selten angeboten, aber einige wenige Wildpflanzen-Samenhandlungen sind inzwischen im Internet über Suchfunktionen zu finden, die Samen dieser Königskerzen führen.
Einmal im Gehege angesiedelt, säen sich diese über Jahre immer wieder selbst aus.

Text: Ricarda Schramm. Alle Rechte bei der Autorin

Literatur:
SCHRAMM, R. (2010): Landschildkröten-Futterpflanzen. Tartaruga-Verlag, Niddatal
www.tartaruga-verlag.de

1 Kommentar


  1. habe mal gesehen dass ahronstab stark abgefressen war. eines tages sah ich ein Thb männchen, das diese blätter gefressen hat. es war ein nahezu schwarzes tier. gruß heinz

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