Das separate Schlafhaus – wie und warum

Seit über zehn Jahren überwintern unsere Schildkröten nicht mehr im Kühlschrank sondern in Überwinterungsgruben im Freigehege. Seitdem reißen die Fragen danach nicht ab.
Den Bau der ersten Grube habe ich 2014 auf dieser Seite vorgestellt. Nachzulesen ist das Ganze in einem Dreiteiler hier. Ich hatte damals lange gezögert, ob ich darüber berichten soll oder nicht, ich wollte erst mindestens fünf Jahre Erfahrung mit dieser Methode sammeln. Es wäre nicht in Ordnung gewesen, diese Art der Überwinterung zur Diskussion zur stellen und sogar dafür zu werben und dann vielleicht im Jahr darauf Ausfälle im Tierbestand zu haben.
Mittlerweile aber sind vier weitere Winter hinzu gekommen, nach denen alle Schildkröten gesund, munter, aktiv und ohne nennenswerte Gewichtsverluste aus dem Erdreich zurückgekehrt sind.  Es wird Zeit, das Thema noch einmal zur Sprache zu bringen…
Nachdem ich auf Vorträgen in Kaumberg und Wuppertal darüber gesprochen habe, erhielt ich direkt im Anschluss und später per Mail enorm viele Fragen. Und wann immer ich mich in den sozialen Netzwerken über diese „externe Grube“ äußere, kann ich relativ sicher sein, dass es erneut zu Rückfragen kommt. Die am häufigsten gestellten Fragen beantworte ich in Wort und Bild in diesem Beitrag.

Wie war das denn nun?

Vor genau einem Jahr habe ich ein neues Gehege gebaut und stand wieder vor der Frage, ob ich meinen Tieren eine solche Überwinterungsmöglichkeit zur Verfügung stellen sollte, oder nicht. Um es vorwegzunehmen: Ich habe mich dafür entschieden und eine weitere Überwinterungsgrube nach dem gleichen Prinzip gebaut.


Das eine oder andere, was sich in der ersten Grube, die mittlerweile 10 Jahre alt ist, nicht wirklich bewährt hatte, habe ich geändert, das Grundprinzip aber ist das Gleiche: Den Kern bildet eine Mörtelwanne, deren Boden ich, bevor ich sie verbaut habe, mit Hingabe rund 50 mal gelöchert habe. So verhindere ich Staunässe auf dem Wannenboden. Sollte jemals Wasser eindringen, kann es gleich unten wieder ablaufen. Die Wanne ist seitlich mit Styrodurplatten isoliert; sie steht auf einem Kiesbett, das als Drainageschicht dient und ist in eine aus Pflanzsteinen gebaute Grube eingelassen. Die seitlichen Hohlräume sind mit Erde gefüllt, oben gibt es einen Luftraum für eine isolierende Laubschicht, darüber einen Deckel, der für alle Fälle mit einer Heizung ausgestattet ist.
Im Wesentlichen gilt das, was ich bereits in der Beschreibung meiner ersten Grube geschildert habe, nur habe ich dieses Mal kein Heizkabel sondern eine Matte verwendet, nicht auf Gehrung gesägt und etwas andere Schrauben und Beschläge verwendet. Daher wiederhole ich die Beschreibung des Baus nicht wieder.
Eine nicht gerade gute und nicht maßstabgerechte Zeichnung  soll das Prinzip verdeutlichen. Es fehlt mir zeichnerisch an Talent, ich denke aber, die Querschnittskizze verdeutlicht ganz gut, wie die Anlage aufgebaut ist:

Natürlich ist in der Realität alles nicht so schief wie auf der Zeichnung, natürlich gibt es auch einen direkten Übergang für die Tiere ins Frühbeet, und nur dorthin.
Mein Plan war dabei, dass die Schildkröten im dunklen Milieu übernachten, morgens durch das Licht aus dem Frühbeet (und die Wärme) angelockt werden, abends sich aber ins dunkle zurückziehen können. Und genau das tun sie auch.

Warum nun habe ich mich dafür entschieden?

Eine ganze Reihe an Gründen sprachen damals dafür, diese Art der Überwinterung auszuprobieren. Allen voran natürlich die Erfahrungen anderer Halter mit ihren Überwinterungsgruben sowie die vielen Probleme und Schwierigkeiten bei der Kühlschranküberwinterung, von denen ich gelesen und die ich zum Teil selbst erlebt hatte. Das wollte ich nicht mehr, ich suchte nach Alternativen, fand Überwinterungen im Frühbeet oder Gewächshaus. Aber auch einige wenige Anbauten an das Frühbeet wurden damals, als ich mit dem Bau begann, im Testudo-Forum vorgestellt. Das waren Lösungen, die ich inspirierend und überzeugend fand. Was spricht meiner Erfahrung nach dafür:

  • Ich wollte nun eine solche separate Grube bauen, die auch den Sommer über als geschützter Schlafplatz, als Rückzugsort und Versteckplatz für meine Tiere nutzbar ist. Tatsächlich übernachten alle Schildkröten in der Grube, in den meisten Fällen ziehen sie sich abends ganz allein dorthin zurück. Natürlich kommt es auch immer wieder mal vor, dass ein Tier sich im Gehege einen Schlafplatz sucht, dann aber wird es von mir gesucht und „umgebettet“. Dazu genügt es, den Deckel der Grube leicht anzuheben, das Tier hineinzusetzen und den Deckel wieder zu schließen. Das ist sehr schnell erledigt.
  • Schlafhaus und Überwinterungsgrube sollten auf jeden Fall den Tieren während der Nacht und im Winter auch Sicherheit vor anderen Tieren geben, die ihnen Schaden zufügen könnten. Daher bildet eine Mörtelwanne einen „inneren Schutz“, die Pflanzsteinumrandung und das Kiesbett einen weiteren äußeren Schutz gegen das Eindringen von Ratten, Mäusen und anderen Fressfeinden. Wie gesagt, es gibt nur einen einzigen Ein- und Ausgang – und der führt ins Frühbeet. Im Winter sind sowohl der Übergang zwischen Grube und Frühbeet als auch das Frühbeet selbst versperrt, im Sommer ist nachts nur der Frühbeeteingang zu. Die Schildkröten haben so immer die Möglichkeit, das Schlafhaus Richtung Frühbeet zu verlassen, wann sie es wollen oder sich im Laufe des Tages, wenn das Frühbeet geöffnet ist, sich dorthin zurückzuziehen.
  • Wichtig war für mich auch eine relativ bequeme Handhabung. Ich wollte eine Schlaf- und Überwinterungsgrube haben, in der ich alle Arbeiten erledigen kann, ohne mich selbst in das Frühbeet zu hocken, kopfüber hineinzuhängen oder das Frühbeet vorher abzubauen. Man ist schließlich keine 25 Jahre mehr alt. Es fängt mit der abendlichen Kontrolle an. Deckel auf – ein Blick – alle da – Deckel zu. Und wenn sie nicht auf den ersten Blick zu sehen sind, ziehe ich das Laub etwas auseinander. Fehlt noch immer eine, muss ich sie eben im Gehege suchen.
    Auch das Einbringen der etwa 20cm dicken Laubschicht im Herbst ist schnell erledigt, wenn ich einen Teil des Laubs im Frühjahr herausnehme, geht dies auch ohne größere Verrenkungen. Dies lässt sich in einer Grube neben dem Frühbeet wesentliche bequemer bewerkstelligen.

    Gleiches gilt, wenn ich das Substrat umgraben oder auflockern will. Es kann allerdings auch vorkommen, dass ich die Grube komplett leeren muss, wenn ich mal eine „vermisste“ Schildkröte suche. Das sind etwa 10 Eimer Erde und Moos, die erst herausgeschaufelt und dann wieder hinein gefüllt werden wollen, nicht gerade etwas, was ich im Frühbeet machen möchte. Denn, wenn im Herbst mal eine Schildkröte nicht zu finden ist, dann hat sie sich vermutlich hier eingegraben. Und im Frühjahr, wenn die Winter lang und kalt waren, dann grabe ich die Tiere eben auch wieder hier aus, setze sie weit oben auf die Erde und schichte das Laub wieder darüber.
  • Die Grube ist licht- und Luftzugängig. Den ganzen Sommer über habe ich je nach Witterungslage die Möglichkeit, die Grube tagsüber offen stehen zu lassen, dann trocknet zwar die obere Erdschicht etwas aus, was aber nicht wirklich kein Problem ist, schnell ist die untergeharkt und durch die feuchtere, tiefere Erde ersetzt. Wenn ich will, kann ich morgens die Grube öffnen und die leicht eingegrabenen Schildkröten der direkten Sonnenbetrahlung aussetzen und sie damit früh aus ihren Nachtverstecken locken. Die Erde kann trocknen und „lüften“, in dem ich sie immer wieder mal umwälze. Wenn ich die Grube rechtzeitig am Nachmittag oder Abend schließe, finde ich bei meiner Kontrolle die Tiere alle wieder darinnen. Schließe ich die Grube erst während der Dämmerung, haben sich die Tiere andere dunkle Stellen zum Übernachten gesucht. Das habe ich bisher so relativ gut verhindern können.
  • Ein weiter, wichtiger Grund aber ist, dass die Überwinterungsgruben beachtliche Größen haben, wie das Bild aus der letzten Überprüfung vor dem Winter zeigt: Sie nehmen weit mehr als die Hälfte der Grundfläche der Frühbeete ein. Wenn ich meinen Tieren die volle Grundfläche der Frühbeete zur Verfügung stellen will, bleibt mir also entweder nur, die Grube so zu bauen, dass sie diese Fläche mitnutzen und über den Deckel laufen oder oder ein seitlicher Anbau. Diese Alternative hielt ich für sinnvoller. Im Gewächshaus hätte ich möglicherweise anders geplant, aber die Frage stellt sich in meinen Anlagen nicht.

Und im Winter?

Irgendwann, wenn sich die letzte Schildkröte im Schlafhaus in der Erde eingegraben hat, gibt es eigentlich nur noch wenig zu tun. Laub aus dem Wald holen und in die Grube schütten. Die Luftkammern in dieser Laubschicht isolieren das Ganze nach oben hin.


Danach wird der Deckel geschlossen, der Eingang zum Frühbeet und der Übergang zwischen Frühbeet und Grube verschlossen, dass keine ungebetenen Gäste hinzukommen, und dann werden die Schildkröten für die nächsten Monate sich selbst überlassen. Kein Wiegen, kein Kontrollieren – nichts.
Wer, davon bin ich fest überzeugt, gesunde Tiere sich selbst einwintern lässt, der wird sie auch gesund zurückkommen sehen.
Zentimeterdick lagert sich die Schneeschicht im Winter über Frühbeet und Überwinterungsgrube. Auf dem Deckel der Gruben liegen gewellte Kunststoffplatten als zusätzlicher Schutz. Notwendig ist das nicht, es dient mehr meiner „Befindlichkeit“. Das Thermometer stürzt in die Tiefe, irgendwann erreicht es -16° C. Das ist der Punkt, an dem man nervös werden könnte. Wohlgemerkt könnte. Denn es gibt keinen Grund. Die Schildkröten sind tief in der Erde, frostsicher in ihrer Grube, selbst, wenn ich die Deckelheizung nicht zuschalte und es eine Woche lang Minustemperaturen im zweistelligen Bereich hat.
In der Erde bleiben die Tiere, bis sie zum nächsten Frühling wieder nach oben kommen… oder ich verhalten nachhelfe.

Und ganz wichtig:

Das ist meine Art, meine Europäischen Landschildkröten zu überwintern. Ich komme sehr gut klar damit, meine Tiere auch. Es ist nicht die einzige Art und schon gar nicht die einzig richtige Art. Sie hat – zumindest für einige Halter – nämlich auch erhebliche Nachteile: Eine Kontrolle der Tiere während der Überwinterung ist nicht möglich, es sei denn man schaufelt erst den Schnee über der Grube weg, entfernt das Laub und gräbt die Tiere aus. Das sollte man wissen.

Text und Fotos: LutzPrauser. Alle Rechte beim Autor.

1 Kommentar


  1. Toller Beitrag Herr Prauser!..:-)

    Kann ich aber nur bestätigen!
    Unsere Tiere halten seit 4 Jahren auch ihre Starre in einer Überwinterungsgrube. Meiner Meinung die natürlichste und vom Aufwand auch die einfachste Art der Überwinterung.

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