Auf Schildkrötensafari mit Elke Wallrapp (Folge 52)

Mit Leipzig verbinde ich nicht nur Kunst und Kultur, sondern auch wunderschöne Passagen und Höfe, sowie traditionelle Cafés.
Und eines dieser Cafés stand bei unserem Besuch auf unserer „To do Liste“. Schon von weitem ist das einzigartige Haus mit seinem pagodenartigen Dachaufbau, den aufwendigen Jugendstil Mosaiken an der Fassade und den lebensgroßen kupfernen Elefantenköpfen, die den Eingang beidseitig flankieren, zu sehen.
Da unser Ziel, das „Café Riquet“, Anziehungspunkt für viele Besucher ist, war das Erdgeschoss bereits komplett besetzt und wir mussten in die obere Etage ausweichen. Aber wahrscheinlich sollte das genau so sein, denn sonst hätte ich die nächste Entdeckung nie gemacht.
Als wir nach einiger Zeit das Café über eine Holztreppe, von der aus der untere Raum vollständig überblickt werden kann, verließen, sah ich sie – eine wunderschön gestaltete, große Schildkröte!
Sie verziert, umgeben von wellenartigen Linien, die Holzverkleidung zwischen zwei großen Fenstern. Diese Darstellung deutet auf eine Wasserschildkröte hin.
Das „Riquethaus“ wurde 1908/09 von dem Architekten „Paul Lange“ (1853-1932) errichtet. Viele Details erinnern an den Handel der Firma Riquet mit dem asiatischen Kulturraum. Nicht nur die Außenfassade, sondern auch die hölzerne Inneneinrichtung, reflektieren die Verbindung zu Ostasien und dem Orient.
Neben dem Dachtürmchen, das der chinesischen Bauweise entnommen ist, können wir auf den Wandvertäfelungen des Innenraums viele asiatische Verzierungen aus der Natur (Vögel, Schilf, Bäume) entdecken. Mit sanften Wellenlinien und fließenden Verschnörkelungen wurden sie auf besondere Weise mit der Kunst des Jugendstils verknüpft.
Immer wieder taucht auch der Elefantenkopf, das Markenzeichen der Firma Riquet, als Dekoration auf.
1994/95 wurde der, heute denkmalgeschützte Innenraum, durch den Kölner Architekten „Knut Bienhaus“, originalgetreu restauriert.

Aber wie das Leben manchmal so spielt, reicht eine Schildkröte nicht und man schaut sich um und entdeckt eine zweite. Einfach so, zufällig, ohne Vorkenntnis – auf einem Weg, den wir schon einige Male gelaufen sind.
Wir wollten die nächste Passage besichtigen und liefen die Reichsstraße entlang. Warum auch immer ging mein Blick nach oben, vielleicht von der üppigen Fassadengestaltung des „Specks Hof“ oder von der blendenden Sonne angezogen – ich weiß es nicht.
Auf jeden Fall sah ich sie plötzlich – eine detailliert gestaltete Landschildkröte, auf deren Panzer ein nackter Knabe sitzt und vor sich eine Art umgedrehtes Füllhorn mit einer Hand hält.
Leider gibt es zu dieser Darstellung keine näheren Informationen.
Das Haus wurde 1908 von dem Kaufmann Paul Schmutzler und dem Architekten „Emil Franz Hänsel“ (1870-1943) gekauft. Durch Umbauten, Erweiterungsbauten und Verbindungen mit Nachbarhäusern entstand unter Hänsel in der Zeit von 1909-1929 der größte Messeplatz der damaligen Zeit. Hauptsächlich Schmuck-, Leder- und Accessoires wurden dort angeboten.
Die figürlichen Bronzeplastiken über der Ladenzeile im Erdgeschoss wurden von den Leipziger Bildhauern „Wilhelm und Bruno Wollstätter“ geschaffen. Meistens wird ein Knabe zusammen mit einem tierischen Begleiter (u.a. Löwe, Krake, Adler oder eben unserer Schildkröte) gezeigt.
Vielen Dank an Herrn Rainer Reusch aus Leipzig, der mir sein Wissen zur Verfügung stellte.

Text und Fotos: Elke Wallrapp. Alle Rechte bei der Autorin.

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