Wieso war Hermann heute nicht zu finden?

Eine „so kann es gehen“- Sommer – Geschichte

Von Hannelore Müller

Gestern waren Irmgard und Tochter hier, unter anderem, weil wir über die anstehende Kräutertour mit Schildkrötenhaltern sprechen wollten.
Sie waren länger nicht hier und freuten sich besonders darauf, Hermann wieder zu sehen. Hermann war aber nicht zu finden. Jedoch kurz bevor sie kamen, lief er noch im Garten herum. Als er nach dem Kaffeetrinken immer noch nicht da war, suchten wir ihn und fanden ihn seinem Häuschen.
Nach einiger Zeit kam er heraus und lief umher. Als wir ihn das letzte Mal sahen, war er auf dem Weg hinters Haus. Man sieht nicht unbedingt, wenn er wieder zurück kommt. Und wir sahen es nicht. Mein Besuch verabschiedete sich ca. 17.30 Uhr, da ich bald darauf zum Volkshochschul-Kursus fahren musste. Beim Verabschieden kam eine Nachbarin mit 2 Kindern und wollte gerne Schildkröten gucken. Ich musste sie auf ein anderes Mal vertrösten.

Als ich von der Schule zurück kam, wollte ich Hermanns Gehegetor schließen, guckte noch mal ins Häuschen und war erstaunt, dass er nicht drin war. Nun denn, ich ließ das Gehege offen. Kommt ja öfter vor, dass er in der Hecke übernachtet. Auch heute Morgen war er nicht zu sehen. Ich suchte überall. Als er auch heute Nachmittag nicht auftauchte, suchte ich wieder, sogar mit einem langen Stock in der Hand, um in der Hecke im hoch wachsenden Giersch herum zu stochern. Auch im Schuppen suchte ich. Kein Hermann. Hat ihn jemand gestohlen? Haben die Kinder erzählt, dass ich weg fahre und jemand hat ihn mitgenommen? Peter war zu Hause, hat nichts bemerkt. Ohne wirklich dran zu glauben, schaute ich in die Frühbeete im Weibchengehege.
Und – Hermann befand sich auf Micky. Ei, wie kommt der denn da hin??????????
Peter und ich schauen dumm aus der Wäsche.

Ich betrachte Micky, schaue, ob sie verletzt ist. Hermann hat nämlich vor vielen Jahren ein Weibchen schwer im Darm verletzt, weil er mit seinem langen Hornendnagel in den Darm geraten war. Mickys Haut oberhalb des Schwanzes ist abgeschürft, aber nur die oberste Hautschicht, die mit den Schuppen. Also keine offene Wunde. Ich säubere sie. Im Frühbeet finde ich 5 große, etwas zu dünne Kothaufen. Micky muss also vor Stress immer wieder gekotet haben. Befreit vom Peiniger, hat sie dann gleich gefressen.

Unser neuer Nachbar macht gerade Maulwurfshügel platt. Ich bekunde mein Interesse an nicht zu gebrauchender Erde. Da erwähnt er beiläufig, dass eine Schildkröte gestern bei ihm unterwegs war und er sie ins Gehege gesetzt hat. O.k., nun ist schon mal geklärt, wie Hermann in dieses Gehege kam. Es bleibt noch zu klären, wie Hermann zum Nachbarn kam. Das hat er in den 23 Jahren bei mir bisher nicht geschafft. Tja, schnell klärt es sich. Ich hatte eine gerollte Strohmatte schräg an die Mauer zum Nachbarn gelegt. Hermann hat sie als Treppe benutzt, um den halben Meter bis zur Maueroberseite zu schaffen. Dann hat er den Maschendraht, der auf der Mauer endet, weg gedrückt und ist drüben gewesen. Das Grundstück drüben liegt viel höher als unseres.

Also, was lernen wir daraus? Aufpassen und nichts für unmöglich halten. Nun soll doch mal einer sagen, Schildkröten seien blöd, träge, uninteressant!!

P.S.
Hermann ist eine männliche Griechische Landschildkröte der Ostrasse, Testudo hermanni boettgeri, ein Wildfang, und nachweislich seit 1961 in Deutschland.

 

Text und Fotos: Hannelore Müller. Alle Rechte bei der Autorin.

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