Feuer im Schildkrötenhaus

Von Ralf Czybulinski

Im Leben eines Schildkrötenhalters passieren viele Dinge. Nach fast 20 jähriger Landschildkrötenhaltung dachte ich eigentlich, dass ich fast alles erlebt hätte, das einem passieren kann, was Zwischenfälle in der Schildkrötenhaltung angeht. Ob es nun das Herpes positive Tier war, das in einem meiner Quarantänegehege saß. Die Rattenfamilie und/oder Waldmausfamilie, die mich wahrscheinlich um ein Jungtier gebracht haben. Oder die eine entlaufende, eine fast ertrunkene Schildkröte, usw.
Aber dann kommt dieser eine Moment, wo es plötzlich auf jede Minute ankommen kann.
Am 3. Februar 2018 wechselte ich in den frühen Morgenstunden die Wasserschalen in den Innengehegen meiner Köhlerschildkröten und sorgte durch einige künstliche Regenschauer für ein feuchtwarmes Raumklima in den Gehegen. Während der Wintermonate muss ich drei Mal am Tage einen Wasserwechsel vornehmen, da die Buntnasen sehr gerne im warmen Wasser sitzen, und das Wasser dadurch immer stark verschmutzt wird. Kot, Urin und Bodengrund hinterlassen eine dermaßen braune Brühe, so dass ich häufiger in den Gehegehäusern bin, um eben diese Wasserwechsel durchzuführen.
Am besagten Samstag dann, es war gegen Nachmittag, hatte ich zunächst bei den Rotköpfen im Holzhaus Wasser abgelassen und frisches eingelassen. Als ich zum Haus der Gelbköpfe kam, bemerkte ich die starke Rauchentwicklung an einer der Doppelstegverglasungen der Frontwand. Kleine Flammen loderten unmittelbar neben einem der Holzträger des Hauses.

Feuer im Schildkrötenhaus

Ich rannte zur Eingangstür und öffnete sie. Beißender Qualm bäumte sich vor mir auf, und sorgte dafür, dass meine Augen sofort tränten. Ich konnte keinen Meter weit sehen und musste sofort den Innenraum wieder verlassen… Neben dem Schildkrötenhaus befinden sich zwei Regentonnen, die immer gut gefüllt sind, und ich löschte die offensichtlichen Flammen, bei geöffneter Tür. Langsam erkannte ich den Bodenbereich im Innenraum wieder, und suchte nach den Schildkröten im immer noch stark verrauchten Haus. Vier von fünf Buntnasen fand ich in ihren angestammten Verstecken. Das fünfte Tier konnte ich trotz längerem Aufenthalt im Haus nicht finden. Bei einer Außentemperatur von knapp vier Grad Celsius hatte ich die zuvor „geretteten“ Buntnasen einfach mal auf die Wiese gesetzt. Ob tropisch oder nicht. Lieber kalt an der frischen Luft, als warm und doch erstickt.
Langsam wurde mir übel und Kopfschmerzen setzten ein. Weitere geschätzte fünf Minuten dauerte es dann noch, bis die letzte Köhlerschildkröte als wenn gar nicht wildes passiert wäre, an der Eingangstür vorbeilief. Ich schnappte sie mir und setzte sie zu den anderen auf die Wiese.


Literweise Wasser schüttete ich auf die vermeintliche Ursache der starken Rauchentwicklung. Das Feuer war gelöscht. Doch was war passiert? An besagter Stelle befindet sich ein 500 Watt starker Wärmestrahler. Der Brenner hatte wohl sein Lebensende mit einem großen Knall eingeläutet. Mit anderen Worten, der Brenner platzte und durchschlug das Sicherheitsglas der Lampe. Glühend heiß bohrten sich Teile des Brenners in den Träger der Wand. Die tragenden Balken dieses Schildkrötenhauses bestehen aus alter Eiche mit einer Stärke von 18 mal 18 cm. Zwar reagierte die Sicherung und schaltete sofort den Strom im Haus ab. Aber die glühend heißen Teile des Brenners glühten langsam jetzt im Trägerbalken weiter. Ein Schwelbrand entstand und fraß sich durch den Balken, bis er die Doppelstegverglasung erreichte. Diese fing dann offenes Feuer sobald der Schwelbrand Sauerstoff bekam. Und genau in diesem Moment muss ich wohl um die Ecke gekommen sein. Natürlich spielen sich Horror-Szenarien im Kopf statt, sobald man darüber nachdenken möchte, was hätte alles passieren können. Auch die möglichen Spätfolgen sind mir ja noch gar nicht wirklich bekannt.
Aber wie ging es denn jetzt weiter? Der Brand war gelöscht. Der Rauch war verzogen. Aber es stank nach Rauch und verbranntem Kunststoff im Haus. Ich nahm den Wasserschlauch nachdem ich die immer noch draußen bei vier Grad Celsius wanderden tropischen Landschildkröten ins Quarantänegehege im Wohnhaus gesetzt hatte. Mit dem Wasserschlauch spritzte ich zunächst die Innenwände und Decken ab. Auch die hohe Bepflanzung wurde mit Wasser gesäubert. Das Wasser aus der Wasserstelle wurde abgelassen. Die Wasserschale gereinigt, und dann mit frischem Wasser wieder gefüllt. Der beißende Geruch ließ nach. Aber wie waren denn jetzt die Luftwerte? Und was ist eigentlich mit den Schildkröten? Rauchvergiftung? Eine mögliche Kohlenmonoxyd-Vergiftung? Andere Probleme?
Ein Kohlenmonoxyd-Melder zeigte „grünes Licht“. Und ein befreundeter Feuerwehrmann meinte nach seinen Messungen, dass die Schildkröten bereits am gleichen Tag wieder einziehen könnten. Seitdem beobachte ich die Köhlerschildkröten mit Argusaugen. Sie scheinen aber unbeschadet davon gekommen sein.
Das Loch in der Außenwand habe ich notdürftig geflickt. Die in Mitleidenschaft gezogenen Eichenträger habe ich zusätzlich mit anderen Trägern gestützt. Das Haus wird im kommenden Herbst sowieso abgerissen, da ich zurzeit an einem neuen Tropenhaus baue. Jetzt befinden sich aber vernetzte Rauchmelder in jedem meiner Schildkrötenhäuser. Und jeweils ein ebenfalls vernetzter Kohlenmonoxyd-Melder. Sollte sich ein ähnlicher Zwischenfall wiederholen, schlagen nun die Melder im Wohnhaus zusammen mit den Meldern in den Schildkrötenhäusern zeitgleich Alarm.
Dass ich diese Vorsichtsmaßnahmen erst jetzt installiert habe ist fahrlässig und durch nichts zu entschuldigen. Ich hätte es mir nie verziehen, wenn auch nur eine meiner Köhlerschildkröten durch diesen Zwischenfall ihr Leben hätte lassen müssen.
Der Brandverursacher wurde von mir beseitigt. Das Sicherheitsglas des Strahlers konnte nicht verhindern, dass ein glühend heißer Brennstab sich in das Holz bohrt. Nicht auszudenken, wenn eine Schildkröte davon getroffen worden wäre…
Ich wünsche niemandem, dass er selber mal diese Erfahrung machen muss. Aber dieser Zwischenfall zeigt mir mal wieder ganz deutlich.
Man lernt nie aus, selbst nach über zwanzigjähriger Haltererfahrung…
Brandfrüherkennung wird bei den Planungen zum neuen Tropenhaus eine ganz gro0e Rolle spielen. Wer nun Bilder vom Brand erwartet hätte, den muss ich leider enttäuschen. Denn anstelle Fotos zu machen, habe ich es vorgezogen meine Schildkröten zu retten und das Feuer zu löschen.

 

Text und alle Fotos: Ralf Czybulinski. Alle Rechte beim Autor.

2 Kommentare


  1. Darüber hab ich auch schon nachgedacht. Ich habe für meine Köhlerschildkröten meinen Keller ausgebaut. Wenn es dort brennen würde, würde keiner so schnell merken. Ich brauch auch eine Alternative.


  2. Ein Albtraum…. ich habe zwar nur THBs aber da sind bei sehr kaltem Sommerwetter auch die Wärmelampen an… Danke für den Beitrag, ich werde im Frühjahr auch Rauchmelder einbauen.

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