Schädlinge im Schildkrötenhaus – Ralf Czybulinski im Kampf gegen Ratten

Von Ralf Czybulinski

Im Sommer sind sie zwar da, aber irgendwie auch nicht. Ratten und Mäuse. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass die Schädlinge ein Sommer- und ein Winterdomizil haben. Ich halte Köhlerschildkröten (Chelonoidis carbonarius) in meinem Garten. Diese südamerikanischen Landschildkröten lieben es feucht und warm. Somit benötige ich ein Innengehege, in dem es immer zwischen 20 Grad (nachts) und 26 bis 32 Grad (am Tage) warm ist. Zudem benötigen die Tiere eine Luftfeuchte von mindestens 75 und mehr Prozent um sich wohl zu fühlen.

Im Sommer scheinen die Ratten und Mäuse Urlaub zu machen. Pünktlich im Herbst aber, wenn die ersten kalten und nassen Nächte die Oberhand gewinnen findet man erste Anzeichen von Untermietern. Ich wohne sehr ländlich. Aber irgendwie auch nicht. An meinem Grundstück grenzt südlich gelegen ein Bach. Direkt dahinter ein Wald. Südöstlich ein Industriegelände aus dem Kohleabbau. Östlich eine Pferdekoppel mit Stallungen. Westlich und nördlich andere Wohnhäuser mit Gärten. Und nur ich bin derjenige, der Ratten hat? Und immer nur zur kalten Jahreszeit?
Ratte oder Maus? Und wenn Ratte – Haus- oder Wanderrate? Und wenn Maus, Haus-, Wald- oder Wühlmaus? Im letzten Winter waren es Waldmäuse, die ihren „Lagerraum“ in einem meiner Innengehege eingerichtet hatten. Nüsse, Eicheln und andere Früchte landeten über ein kleines Loch in mein Holzhaus der Cherryheads. In der doppelwandigen Holzhütte hatten sie es mollig warm, und sie fühlten sich sicher. Zumal sie sich ja auch an den Futterschalen der Schildkröten bedienen konnten. Im Sommer zuvor verschwand auf wundersame Art und Weise eines meiner Jungtiere aus einem abgeriegelten Gehege. 30 Gramm Schildkröte einfach weg. Wenn man mal eine Waldmaus dabei beobachten konnte, wie sie mit einer Walnuss über Stock und Steine hüpft, dann weiß man, dass auch eine Minischildkröte kein Problem darstellt…

Es sind und bleiben nun mal Allesfresser, und man muss mit so etwas rechnen, wenn man beheizte Häuser, Frühbeete und Wasserstellen im Garten errichtet. Die Waldmäuse wurden durch Schlagfallen bekämpft und waren auch bald Geschichte. Ihre Vorliebe für Nuss-Nougat-Creme besiegelte ein schnelles Ende.
In diesem Herbst waren die Löcher dann aber um einiges größer. Nüsse lagen wieder im Holzhaus bei den Rotköpfen. Auch ein Loch unmittelbar an der beheizten Wasserstelle zeigte die bevorzugte Wohnlage der ungewollten Mitbewohner im zweiten Innengehege. Ursachensuche war ab da sekundär und kann später noch mal überlegt werden. Primär ging es nun darum die unangenehmen Schädlinge wieder los zu werden. Also Mausefallen aufgestellt und warten auf den ersten Erfolg. Die Nuss-Nougat-Creme verfehlte aber ihre Wirkung. Ein sicheres Zeichen für vorsichtige Schädlinge. Eine Köderbox wurde besorgt. Und verschiedene Stellen im Gehege so hergerichtet, dass die Schildkröten nicht mehr hinkommen. Giftköder wurden ausgelegt. Diese Köder müssen natürlich so positioniert werden, dass weder Schildkröten, noch meine Hunde dadurch Schaden nehmen können.

Es dauerte drei Tage, bis die ersten Köder an, und später ganz aufgefressen wurden. An insgesamt zehn aufeinander folgenden Tagen wurden immer wieder neue Köder ausgelegt, und waren ab da am Folgetag verschwunden. Krümelige Reste zeigten, dass die Köder nach und nach gefressen wurden. Durch eine Fixierung konnten die Ratten sie auch nicht im Ganzen wegtragen. Das ist wichtig.
Problem bei Giftködern im Gehege sind etwaige Vergiftungen der Schildkröten direkt durch den Köder. Aber auch Sekundärvergiftungen durch Anfressen vergifteter Tiere oder deren Kot müssen verhindert werden. Es ist eine Art Balance zu finden. Lerne deine Gegner kennen, um sie zu vernichten. Liebe Rattenfreunde. Es tut mir leid, aber für mich sind Ratten nun mal Fressfeinde meiner Pfleglinge, und so muss ich finale Lösungen suchen.
Auch wenn man es nicht glauben mag, aber Ratten sind reinliche Tiere. Also, finde ihre Toilette. Hat man sie gefunden, kann die Köderauslegung beginnen. Denn der Kot der Ratten muss nun immer da liegen, wo keine Schildkröte hinkommt. Toilette für Schildkröten unzugängig machen. Ratten sind vorsichtige Tiere. Bevor sie in Mengen fressen, warten sie erst mal, was passiert. Langzeitköder haben aber die fiese Angewohnheit ihre Wirkung erst nach Tagen zu zeigen. Die Schädlinge fressen weiter. Und durch Farbmittel im Gift verfärbt sich auch der Kot der Tiere. Ein sicheres Zeichen, neben dem Verschwinden der Köder, dass auch gefressen wird.

Hausratten sind nachtaktiv und man bekommt sie nur selten zu Gesicht. Die Überwachungskamera hat da die besseren Chancen. Haben sie sich einmal eingenistet wächst die Rattenfamilie stetig. Daher sollte man nicht zu lange warten. Je größer die Familie, desto größer auch der Hunger. Und irgendwann werden dann die Schildkröten angenagt. Glaubt man meistens leider erst, wenn man es erlebt hat. Ich hatte vor drei Jahren eine Verletzung an einer meiner Schildkröten festgestellt, ohne eine Gefahrenquelle entdecken zu können. Mein Männchen zeigte dann irgendwann ein eigenartiges Verhalten. Es schlief in der beheizten Wasserstelle. Bis ich in seiner angestammte Höhle dann Wochen später ein Ausgangsloch fand. Da wusste ich dann woher die vermeintliche Schürfwunde kam. Man entwickelt irgendwie ein Gespür dafür. Wenn die Tiere sich anders verhalten, ist etwa nicht in Ordnung.
Arbeitet man mit Giften, müssen Vergiftungen anderer Tiere und Menschen verhindert werden. Also müssen die Köder an unzugängigen Stellen ausgelegt werden, die aber von den Schädlingen frequentiert werden. Die Kotablagestellen müssen so gesichert werden, dass vergifteter Kot nicht von anderen Lebewesen aufgenommen wird. Man darf die Umgebung aber nicht so sehr verändern, dass sich die Schädlinge für andere „Toilettenstellen“ entscheiden. Je nachdem wie schnell die Köder Wirkung zeigen, muss regelmäßig nach verendeten Schädlingen gesucht werden. Meine Köhlerschildkröten sind Alles- und Aasfresser. Also muss man früh morgens und auch im Laufe des Tages nach dem Rechten sehen. Da vergiftete Schädlinge Durst verspüren, suchen sie häufig Wasserstellen auf. Also die Wasserversorgung noch penibler überwachen als sonst. Im aktuellen Fall lag eine tote Ratte in einer meiner Schildkrötenhöhlen. Also wirklich genau nachschauen.

Sterben die ersten Ratten, sollte hoffentlich die ganze Bande vom Gift gefressen haben. Denn ab jetzt werden die Köder sicher nicht mehr aufgenommen. Jetzt kann man nur hoffen, dass alle Familienmitglieder das zeitliche segnen. Schädlinge die in den letzten Zügen liegen nicht sofort entfernen. Und wenn dann nur mit beißfesten Handschuhen. Ein Rattenbiss ist sehr schmerzhaft.
Da die Löcher meistens immer unter einem Fundament enden, bleibt jetzt nur noch die Löcher mit geeignetem Material zu verschließen. Ich habe die letzten Male Bauschaum für die doppelwandigen Holzwände verwendet, da damit Gänge in der Isolierung auch großflächig verschlossen werden. Löcher im Erdreich an der Fundament-Platte und an den Punktfundamenten fülle ich mit Flüssigzement. Ich lasse so lange flüssigen Zement in das Loch laufen, bis es gefüllt ist.
Doch wie verhindert man Ratten und Mäuse im Gehege? Kann man vorsorgen? Natürlich spielt Hygiene eine große Rolle. Doch wenn man im Garten beheizte Flächen schafft, reichen Hygiene und Sauberkeit alleine nicht aus. Wenn die Tiere so eine Luxusherberge angeboten bekommen, dann sind sie halt auch schnell da. Die unmittelbare Nähe zu Wald und Bach, gepaart mit einem großen, ruhigen, wilden Garten lockt Wald und Spitzmaus in Richtung beheiztes Gehege. Stallungen und Industriegebiete rufen Wanderraten hervor. Naja und die Hausratte steht in NRW zwar auf der roten Liste der bedrohten Tierarten. Aber irgendwie hat sich das in manchen Orten noch nicht rumgesprochen…

Der Handel bietet Ultraschallanlagen an, mit denen Ratten und Mäuse verjagt werden sollen. Stellt sich mir die Frage, in wie fern der Ultraschall von meinen Schildkröten wahrgenommen wird? Ich bleibe einfach wachsam. Jetzt im Winter werden die Köderboxen alle vier Wochen mal aufgestellt. Die Innengehegewände werden im Außenbereich von Pflanzen befreit, so dass ein Eintrittsloch schnell gefunden wird. Und dann geht es wieder von vorne los.

 

Text und Fotos: Ralf Czybulinski

3 Kommentare


  1. Ihr wist aber das Hausratten geschützte Tiere sind und auf der Roten Liste stehen?
    Von Bundesland abhängig ihr schutzstatus.


  2. Hallo Ralf,

    es ist immer wieder wichtig, auf die unterschätzte Gefahr durch Ratten hinzuweisen, danke für deinen Bericht! Zum Glück hatte ich selbst bisher noch kein Problem mit Ratten, obwohl ich welche im Garten habe. Vielleicht ist das ca. 1 m tiefe Streifenfundament meines Gewächshauses für afrikanische Schildkröten eine ausreichend sichere Barriere gegen Untergraben durch Ratten. Ich habe aber auf meiner Homepage den Bericht eines befreundeten Züchters inkl. entsprechend grauseliger Fotos von einem Rattenangriff auf Sumpfschildkröten:

    http://emys-home.de/FressfeindeRatten.htm

    Meinen eigenen Emysteich habe ich mit mehreren Ultraschallvertreibern gesichert, allerdings hauptsächlich gegen Katzen, die gerne am Teich lauern und mir auch schon eine kleine Emys aus den flachen Randbereichen geangelt haben. Die Emys fühlen sich durch die Ultraschallverteiber übrigens in keiner Weise gestört. Sie sonnen sich in unmittelbarer Nähe. Schildkröten sollen ja nur im sehr niedrigen Frequenzbereich hören. Gut genährte Katzen vertreiben die Geräte nach einigen Wochen dagegen sicher. Aber ich bezweifle, dass sie auch Ratten vertreiben. Hunger tut halt doch mehr weh als die kurzen, scharfen Signaltöne…

    Gruß, Editha


  3. Dieser Artikel ist toll und ich habe es selbst mitgemacht vor 2 Jahren Ratten haben in einer Nacht 18 kleine Schildkröten aus ihrem Haus geholt und gefressen wir fanden die Überreste überall danach im Garten es war furchtbar weil man weiss eine Schildkröte kann sich nicht wehren und auch nicht schreien diese Bilder hab ich bis heute noch nicht vergessen es war schrecklich. Die Ratte haben wir durch Gift erwischt sie war sehr groß und ekelhaft ,aber es brachte mir meine kleinen nicht zurück man darf darüber nicht nachdenken .

Kommentar verfassen