Ein Foto – Ein Irrtum – Eine Antwort

„Du musst gerade reden, Du hast doch selbst so eine Schotterpiste mit ein paar spärlichen Jungpflanzen – zu wenig Schatten- und erst recht zu wenig Versteckplätze.“

In den vergangenen Monaten habe ich einige Male diese Kritik zu hören bekommen, wenn es um Gehegebau und Verbesserungsvorschläge ging, die ich gelegentlich gegeben hatte. Und ich war sehr verwundert.
Was redet der Mensch? Erstens stimmt das nicht und zweitens hat der nie meine Gehege gesehen. Wie kommt der darauf?

Bei 20. Landauer Schildkrötentag allerdings fiel es mir wie Schuppen von den Augen. In einem intensiven Gespräch in der Mittagspause brachte mich eine langjährige, sehr engagierte und kompetente Schildkrötenhalterin auf die richtige Spur. Es geht um ein von mir gemachtes, veröffentlichtes Foto mit einem meiner Gehege – und zwar um dieses:

Das Bild entstand im April 2017 und findet sich gemeinsam mit zwei anderen Bildern in Gunda Meyer de Rojas Buch Die Überwinterung von Europäischen Landschildkröten. Gunda hatte mich um Fotos meiner externen Überwinterungsgrube gebeten, da sie in ihrem Buch die verschiedenen Möglichkeiten zur Überwinterung vorstellt und selbst nicht über eine solche Grube verfügt.
Gerne sagte ich ihr zu, fand aber die bereits auf dieser Seite vorgestellte Anlage nicht mehr sehr fotogen. Sie ist vor acht Jahren entstanden, und wie bei einem in die Jahre gekommenen Auto sind die Spuren der Zeit deutlich zu sehen.
Also entschied ich mich, Gunda sozusagen „Erlkönig“-Bilder zu schicken, Fotos des funkelnagelneuen Schlafhauses, das ich gerade erst nach gleichem Prinzip gebaut, an einigen Stellen aber verändert und überarbeitet hatte. Nur war eben dieses Schlafhaus noch gar nicht in Betrieb genommen worden. Die Bilder nämlich entstanden während des Neubaus eines Geheges und etwa einen Monat, bevor die Schildkröten „eingezogen“ sind. Die Drucklegung des Buches stand bevor, ich hätte nicht viel länger warten können, um andere Bilder zu liefern. Leider weisen weder Fließtext noch Bildunterschrift in Gundas Buch darauf hin, dass die Fotos aus der Bauphase stammen. Offen gestanden: Wir haben auch nicht daran gedacht.
Nun geht es in Gundas lesenswertem Buch nicht um Gehegebau, es geht um Überwinterung. Damit ist es meiner Meinung nach durchaus in Ordnung, das Bildmaterial einer neuen Grube zu verwenden, um zu zeigen, wie ich das seit Jahren meine Tiere überwintere. Wenn auch jetzt erstmals in dieser speziellen Grube, aber seit Jahren im Vorgängermodell. An dem Prinzip hat sich nichts geändert.

An der Anlage im Garten aber doch! Da hat sich enorm viel geändert. Ausführlich werde ich die Entstehung dieses neuen Geheges im Rahmen eines neuen Vortrags vorstellen, das erste Mal im Februar 2018 in Wuppertal. Einige weitere Termine gibt es schon, mal sehen, was sich sonst noch ergibt.
Über Gehegebau kann man viel erzählen, auch viel Amüsantes – vor allem, wenn man zwei linke Hände und auch sonst nicht „viel Plan“, aber umso mehr Ambitionen hat. Eine Art „Bautagebuch für Mistviecher-Gehege“ ist derzeit auch in Arbeit, dazu später mal mehr.

Der neue Vortrag ist einer der Gründe, warum ich vom Ausheben der Grube bis in den Herbst hinein zighundert Fotos gemacht habe – von meinen Schildkröten, dem Frühbeet, der Schlaf- und Überwinterungsgrube und eben der Gestaltung der Anlage.
Einige Bilder finden Sie heute hier. Damit möchte ich klarstellen, dass das Bauphasen-Foto keineswegs die Art Tierhaltung zeigt, die ich selbst kritisiere, von der aber spekuliert wurde, dass ich sie betreibe. Wer mich kennt und/oder meine Kommentare in Diskussionen in sozialen Netzwerken gelesen oder meine Vorträge angehört hat, der weiß, dass ich absolut nicht von Schotterpisten begeistert bin, die genauso aussehen wie auf dem oben gezeigten Bild. Geben Sie auf dieser Seite mal den Suchbegriff Schotter ein (oder folgen Sie dem hinterlegten Link), dann finden Sie zudem zahlreiche Anmerkungen von mir zu diesem Thema.

Auch dieses Foto entstand während der Bauphase, noch vor dem Tierbesatz.

Dass meine Schildkröten nicht in diese spärlich bepflanzte Steinwüste eingezogen sind und mich daneben gesetzt und gesagt habe „Jetzt muss es eben alles nur noch wachsen…“, versteht sich von selbst.
Interessant ist, dass es Leser des Buches gibt, die sich haben in die Irre führen lassen und meinen, aufgrund eines einzigen Bildes ein Urteil über meine Schildkrötenhaltung zu fällen, ohne auch nur irgendetwas über die Entstehung und die Geschichte des abgebildeten Fotos zu wissen. Ich hätte- wie gesagt – ja wohl auch so eine Schotterwüste im Garten. Interessant auch, dass es Leute gibt, die bereitwillig etwas, was man fehlinterpretieren könnte, auch aus Prinzip fehlinterpretieren, oder meinen, so ein Foto könne Einsteiger in das Hobby dazu veranlassen, ebenfalls eine Mondlandschaft nachzubauen. Aus diesem Grund hätte das Foto so nicht veröffentlicht werden dürfen, oder zumindest nicht unkommentiert. Dass man vorauseilend anderen Menschen, nämlich den Einsteigern, die Fähigkeit abspricht, sich selbst Gedanken zu machen und ein Urteil zu bilden, finde ich nicht nur in diesem Fall besonders sonderbar, vielleicht sogar ein wenig vermessen.

Im Gehege befinden sich zum Beispiel jede Menge Holzstücke, es wachsen Lavendel und Fingerkraut. Grasbüschel sprießen zwischen den Steinen hervor.

Die während der Bauphase radikal heruntergeschnittenen Sträucher stehen im Sommer mannshoch im Gehege, bieten Versteck- und Schattenplätze und werden von den Schildkröten auch intensiv genutzt.
Viele, unter den Steinen ausgesäte Pflanzen sind längst aufgegangen, auch viel „Unkraut“ und Gras ist wieder da.
Üppig wuchert auch der „Altbestand“ der Pflanzen, die bereits vor dem Gehegebau an Ort und Stelle waren, hier unter anderem die ehemalige Kräuterecke des Beets mit Melisse, Salbei und Liebstöckel. Einige alte Gartentrittbretter habe ich dort belassen, wo der Boden nach dem Regen schnell sehr matschig wird. Es gibt lichte, offene und sonnenbeschienene Stellen, es gibt dicht bewachsene schattige Bereich. Es gibt Bereiche mit reinem Erdboden, es gibt Flächen mit Steinen…


Nur eines gibt es nicht: Eine Schotterpiste.

PS: Und noch etwas gibt es nicht: Ein fertiges Gehege. Es wird weiter gebaut, umgebaut, renoviert, modernisiert, optimiert… Das hört nämlich nie auf.

Text und alle Fotos: Lutz Prauser

2 Kommentare


  1. In dem Buch ist nicht nur dieses Bild abgedruckt, es zeigt auf weiteren Bildern auch Detailaufnahmen der Grube, aber eben auch diese „Gesamtansicht“, damit man sich das besser vorstellen kann.


  2. Tja so ist das mit den lieben Fotos. Manche verstehen nicht, dass es eine Momentaufnahme ist, die eventuell auch nur einen kleinen Teil zeigt. Das Foto war schon etwas ungeschickt gewählt, zumal es scheinbar ja nur um die Grube ging. Dennoch schade, dass man sich dann gezwungen sieht sich so rechtfertigen zu müssen.

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