Sechs Fragen an Gunda Meyer de Rojas zu ihrem Buch

Im Juni 2017 hat Gunda Meyer de Rojas ihr Buch „Die Überwinterung von Europäischen Landschildkröten“ veröffentlicht. In diesem Buch beantwortet sie 50 Fragen rund um das Thema einer sinnvollen und artgerechten Überwinterung.
Sechs Fragen von uns musste sich die Autorin nun von uns „gefallen lassen“:

Seit Juni ist Dein Buch „Die Überwinterung von Europäischen Landschildkröten“ erhältlich. Was hat Dich bewogen, dieses Buch zu veröffentlichen?

In den letzten Jahren haben sich die Erkenntnisse und Erfahrungen in vieler Hinsicht erweitert:
– Zunehmend mehr Halter überwintern ihre Tiere im Frühbeet oder Gewächshaus und optimieren Methoden und Klimamanagement.
– Untersuchungen zu Überwinterungsproblemen wurden ausgewertet, z.B. zur Panzerröte und Sepsis.
– In herkömmlichen Ratgebern werden meist die Wintertemperaturen von Griechenland oder Italien für Empfehlungen zugrunde gelegt. Inzwischen reisen Schildkrötenfreunde aber auch auf den Zentralbalkan oder ans Schwarze Meer, wo ganz andere Klimaverhältnisse herrschen.

Welche Schlüsse hast Du aus  diesen unterschiedlichen Klimaverhältnissen zum Beispiel im Süden Griechenlands und im Zentralbalkan gezogen?

Das ist in der Tat ein wichtiger Punkt. Im ersten Kapitel „Artensteckbriefe“ gehe ich unter anderem auf die Ansprüche der unterschiedlichen Arten an das Winterquartier ein. Im Lebensraum von T.hemanni boettgeri sind die Klimaverhältnisse im Winter alles andere als einheitlich. Ich rate dazu, den Tieren keinen Temperaturplan überzustülpen, sondern ihr individuelles Verhalten genau zu beobachten. Bei halbwegs naturnaher Haltung, wo sich die Tiere in den Übergangszeiten in einem Gewächshaus oder Frühbeet wärmen können, gleichzeitig aber auch kühle Plätze im Gehege aufsuchen können, wird man ihren unterschiedlichen Bedürfnissen am besten gerecht.

Dein Buch geht nicht den üblichen Weg sondern beantwortet 50 Fragen, die thematisch in fünf Kapiteln gruppiert sind. Wie bist Du auf dieses Konzept gekommen und woher stammen diese Fragen?

In den sozialen Netzwerken tauchen Jahr für Jahr, sobald es auf die kalte Jahreszeit zugeht, dieselben Fragen auf. Der Informationsbedarf ist offensichtlich groß. Ich habe die häufigsten Fragen, die mir während meiner 10-jährigen Moderationstätigkeit in Schildkrötenforen begegnet sind, zusammengestellt. Zunächst hatte ich dazu einen „Online-Ratgeber Überwinterung“ auf meiner Homepage eingerichtet, der sehr gut angewählt wurde. Um noch mehr Halter zu erreichen, beschloss ich, ein Buch daraus zu machen.

In Deinem Buch stellst Du die verschiedenen „Überwinterungsmethoden“ (Kühlschrank, Überwinterung im Frühbeet etc.) gegenüber. Hast Du selbst klare Präferenzen bei der Überwinterung Deiner Tiere?

Im Laufe mehrerer Jahrzehnte habe ich nahezu sämtliche Überwinterungsmethoden ausprobiert. Meine Schildkröten verbrachten den Winter im Keller, Schuppen, Garage, Kühlschrank, Freiland, Frühbeet oder Gewächshaus. Seit einigen Jahren überwintern meine Schildkröten im Gewächshaus.
Ich empfinde es als optimal, da man hier am einfachsten die klimatischen Bedingungen simulieren kann, die die Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum vorfinden. Das ist vor allem bei der Vorbereitung wichtig. Jedoch hat jedes Winterquartier hat seine Vor- und Nachteile. Eine Standardempfehlung möchte ich nicht aussprechen.

Gerade Einsteiger machen sich den Winter über große Sorgen und möchten am liebsten dauernd kontrollieren, ob es den Tieren gut geht. Auch darauf gehst Du in Deinem Buch ein. Was rätst Du Anfängern, mit ihrer Unsicherheit umzugehen?

Ehrlich gesagt – auch den alten Hasen sind nicht immer völlig sorgenfrei. Letztendlich ist es wichtig, dass auch der Halter gut schlafen kann und nicht nur die Schildkröte. Wichtig ist, dass Kontrollen so störungsfrei wie irgend möglich verlaufen. In meinem Buch beschreibe ich ausführlich, worauf man achten sollte und warum man beispielsweise auf Gewichtskontrollen verzichten kann. Im Kühlschrank oder in einer Box im Keller müssen Substratfeuchte und Zustand der Schildkröte häufiger überprüft werden, als bei einer Schildkröte, die tief im Erdreich des Frühbeets oder oder Gewächshauses vergraben ist.

Zuletzt eine Frage, die wohl allen Buchautoren gestellt wird: Gibt es ein neues Projekt? Wird es ein weiteres Buch von Gunda Meyer de Rojas geben?

Fachartikel und Vorträge zu meinen „Spezialthemen“ Überwinterung, Schildanomalien, Wachstum und Gewicht, Futterpflanzen oder Inkubation wird es weiterhin geben. Und natürlich halte ich meine Leser auf der HP www.testudoland.npage.de regelmäßig auf dem neusten Stand. Der Vorteil einer Website im Gegensatz zum Buch ist, dass man sie jederzeit ergänzen oder korrigieren kann. Ein Buch, das wirklich Neues bringt, und nicht nur Altbekanntes neu verpackt, und erfordert jahrelange Recherche. Das wird es in nächster Zukunft nicht geben.

Vielen Dank Gunda Meyer de Rojas für die Beantwortung unserer Fragen.

Hier die beiden Seiten 42 und 43 noch als Leseprobe:

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