Auf Schildkrötensafari mit Elke Wallrapp (Folge 46)

Es sollte ein ganz normaler Sonntagsausflug werden, unser Besuch in Bingen am Rhein. Geplant war eine Wanderung durch die Weinberge, die Besichtigung der Altstadt mit der Burg Klopp, den Wirkstätten der Hildegard von Bingen und zum Schluss ein gemütliches Ausklingen der Tour bei einem Glas Wein am neu gestalteten Rhein- und Kulturufer.

Zwischendurch wurde das geplante Programm jedoch vollkommen unerwartet unterbrochen …, denn auf dem Weg zur Touristinformation sah ich sie, die große Meeresschildkröte, die meinen Blick magisch anzog.

Sofort war der Besuch in der Touristinformation vergessen und ich widmete mich nur noch der Schildkröte!

Unweit des heutigen Zentralbahnhofs befindet sich eine Art Verkehrsinsel mit einem schön gelegenen Brunnen.
Er ist mit einem Frosch, einem Molch und einer Meeresschildkröte verziert.
Einige Bäume und Blumen rahmen ihn ein, und Bänke laden zum Ausruhen und Verweilen ein.

Der Brunnen hat ein flaches, aus Pflastersteinen gefertigtes, Becken mit einem sehr abwechslungsreichem Wasserspiel.
Die Wasserstrahlen verändern sich ständig und kommen aus den unterschiedlichsten Düsen.
Nur die drei Tiere, die am Randes des Brunnens stehen, spucken kein Wasser mehr, obwohl sie in früheren Zeiten dafür bestimmt waren.

Die drei Tiere stammen noch von dem Originalbrunnen, der am 28.05.1936 dort eingeweiht wurde.
Er sollte mit seiner vielfältigen Beleuchtung und seinen umfangreichen Wasserspielen „den Bahnhofsvorplatz verschönern, die Besucher freundlich empfangen und den Ruf von Bingen als Fremden- und Rheinstadt festigen und fördern“.
Für die Steinmetzarbeiten war der Binger Bildhauer Bang verantwortlich. Alle Arbeiten an diesem Brunnen wurden seiner Zeit von Binger Betrieben, unter der Leitung des Stadtbauamtes und der Stadtgärtnerei, durchgeführt.

Im Jahre 2005 wurde der Brunnen, im Hinblick auf die kommende Landesgartenschau 2008, saniert. Die drei Tiere wurden von einem Steinmetz fachmännisch saniert und in den neu gestalteten Brunnen wieder integriert.
Auch heute hat der Brunnen die gleiche Bestimmung wie 1936. Er soll mit seinem begehbaren Becken, den vielen Sprudlern und dem umliegenden Ambiente, als „repräsentatives Eingangstor“ der Stadt Bingen dienen.

Ich finde es ist sehr gut gelungen, und „unser neuer Schildkrötenbrunnen“ ist ein Besuch wert!

Bleibt nur die Frage nach der Meeresschildkröte.
Frosch und Molch sind heimische Tiere, aber die Meeresschildkröte…?
Hat Meister Bang sich an anderen bekannten Brunnen orientiert? Haben Flussschiffer ihm von Meeresschildkröten berichtet, oder hat er diese Darstellung gewählt, weil sie einen Bezug zum Wasser hat?
Wir werden es wohl nie erfahren.

Vielen Dank an die Herren Inboden und Dr. Schmandt (beide Stadtverwaltung Bingen), die mich mit Informationen bezüglich des Brunnens versorgten.

Text und Fotos: Elke Wallrapp. Alle Rechte bei der Autorin.

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