Auf Schildkrötensafari mit Elke Wallrapp (Folge 44)

Es sieht fast so aus, als würde sie sich in „ihr Haus“, sprich in ihren Panzer, zurückziehen, die kleine Landschildkröte.
Sie verziert ein rotes schmales Backsteinhaus in der „Grote Oost“ in Hoorn, einer ehemals bedeutenden Hafenstadt in Nordholland.
Drei fledermausartige Kreaturen und ein steinernes Spruchband mit dem lateinischen Zitat „Bene qui latuit, Bene vixit“ (nach Ovid, ein antiker römischer Dichter) umrahmen sie.

Viele alte Häuser mit ihren Fassadenverzierungen sind hier zu finden – aber warum eine Schildkröte?
So genau werden wir das nie erfahren…!
Aber es gibt viele Spekulationen und ein paar davon klingen sehr wahrscheinlich.

Zum Beispiel gab es in Hoorn eine Patrizierfamilie mit dem Namen „Binneblijf“. Sie spielte eine wichtige Rolle im sozialen Leben der Stadt. In der Zeit von 1502-1602 begleiteten Nachkommen dieser Familie immer wieder bedeutende Ämter, wie z.B. Bürgermeister und Schöffe.
In ihrem Wappen war auch eine Schildkröte zu finden.
Gehörte dieses Haus der Familie „Binneblijf“ oder wohnten sie dort?

Erinnern wir uns auch an die Symbolik der Schildkröte.
Das Zurückziehen in ihren Panzer steht für die Häuslichkeit, für die Bescheidenheit, die Zurückhaltung und die keusche Liebe.
Deuten ihre künstlerische Darstellung und der Ausspruch genau das an?
Das Sprichwort wird wie folgt übersetzt: „Wer gut verborgen lebte, hat gut gelebt“, oft auch mit „glücklich lebte, wer sich gut verborgen hielt“ gleichgesetzt.
Geht es hier um das sichere Zuhause, um die sichere Welt in der Familie? Verweisen die fledermausartigen Kreaturen auf die Gefahren von außen?

Fest steht jedoch, dass das eigene Haus als sichere Zuflucht gilt und ist das nicht auch bei den Schildkröten so?

 

 

Text und Fotos: Elke Wallrapp. Alle Rechte bei der Autorin.

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