Zu Besuch in Myanmar

Es gehört für mich auf jeder Reise dazu – so wie das Koffer packen und die Reiseunterlagen – die Suche nach Schildkröten. Egal wo ich mich befinde, halte ich unweigerlich nach Ihnen Ausschau. Es spielt keine Rolle, ob es echte Schildkröten oder Schildkrötendarstellungen sind.
So ist das halt, wenn man diesen Tieren verfallen ist…!
Ja, das klingt ein bisschen verrückt.
Ist es wahrscheinlich auch, aber so lange die Schildkröten noch nicht zum alleinigen Reisemotiv geworden sind, habe ich keine wirklichen Bedenken.

Vor kurzem besuchte ich Myanmar! Nicht wegen der Schildkröten, sondern mein Traum war ein Ballonflug über die unzähligen Tempel von Bagan!
Natürlich hatte ich die leise Hoffnung auch hier Schildkröten zu entdecken – immerhin nimmt sie im asiatischen Raum einen besonderen Stellenwert ein.
Steht sie doch einerseits für langes Leben, Wissen und Stärke, wird sie andererseits (leider) oft noch als Nahrungsmittel und in der Medizin eingesetzt.

Jeden Tempel, jede Pagode und auch jede Stupa betrachtete ich genau. Viele Tierdarstellungen konnte ich entdecken, wie z. B. Vögel (Eulen), Nagas (Schlangen), Elefanten, Löwen und viele andere – nicht zu vergessen, die unzähligen Mischwesen (Fantasiegestalten).
Aber keine Schildkröten. Übersah ich sie etwa?
Irgendwann fragte ich unseren deutschen Reiseleiter: Gibt es hier denn keine Schildkröten? Sind Schildkröten in Myanmar bedeutungslos?
Die Antwort kam für mich etwas unerwartet, denn sie lautete schlichtweg nein!
Verständlicherweise war ich ein bisschen enttäuscht.
Doch unser einheimischer Reiseleiter schränkte die Aussage später etwas ein. Er erwähnte einen Tempel mit Schildkröten in Yangon und auch Schildkrötenvorkommen in den Bergen Myanmars.
Ein kleiner Hoffnungsschimmer für mich!

Die ersten Schildkröten begegneten mir auf den Verkaufsständen der einheimischen Märkte oder in Souvenirläden. Dort tummelten sie sich in Reih und Glied als (Opium-)Gewichte aus Bronze, Holzschnitzereien oder als Lackdosen. Ein paar davon mußte ich natürlich erstehen.
Doch insgesamt war das Angebot sehr überschaubar.

Die nächsten Schildkröten begegneten mir dann im südlichen Shan-Staat, in einer kleinen Ortschaft namens Pindaya. Zwei wunderschöne Exemplare verzierten die Theke der Hotellobby (Conqueror Resort). Sie waren alt, aufwendig gearbeitet und als Dosen zu verwenden.

Das war’s dann auch, bis Yangon.
Denn hier erinnerte mich unser einheimischer Reiseleiter an den bereits erwähnten Tempel mit den Schildkröten.
Am Abreisetag machte ich mich dann, inzwischen gesundheitlich leicht angeschlagen, bei circa 40 ° Grad auf den Weg. Teilweise zu Fuß (wer weiß, was ich ja noch so entdecken könnte), etwas später doch lieber mit dem Taxi.
In der Nähe des Yangon Flusses war es dann soweit, ich entdeckte schon von weitem die goldene Stupa des „ Botataung Paya“ und war etwas aufgeregt. Gibt es hier wirklich Schildkröten (im Reiseführer wurde davon nämlich nichts erwähnt)?
Ich verließ das Taxi, bezahlte die Eintrittsgebühr von 6000 Kyad (ca.4€), wurde fotografiert, musste eine Taschen- und Personenkontrolle passieren (ähnlich wie an Flughäfen) und war dann endlich drin.
Zuerst besichtigte ich natürlich das Innere der Pagode mit ihrem bedeutungsvollen Reliquienschrein, die vielen Buddhafiguren und die anderen Schreine auf dem gesamten Tempelgelände.
Dann führte mich mein Weg zu dem, inzwischen entdeckten, Wasserbecken mit den vielen verschiedenen Schildkröten in allen Größen!

Ein mit vielen Fenstern versehener Übergang, einer Brücke ähnelnd, überspannte das Becken. Am Eingang wurde Futter für die Schildkröten verkauft – die bereits vorbereiteten Teller mit Blättern und Popcorn (erst hielt ich es für Blüten, was sich aber nicht bestätigte) warteten auf den nächsten Käufer.
Einige Fenster waren geöffnet, so dass die vielen Besucher die Schildkröten besser beobachten, füttern oder auch fotografieren konnten. Von hier konnte man auch die beiden künstlichen Inseln mit ihren Sonnengittern betrachten.
Viele Schildkröten tummelten sich dort und streckten ihre Füße und ihre Köpfe in die Sonne.
Manche Schildkröten schwammen durch das Becken oder zogen es nach einer Weile vor, in einen, mit Sand gefüllten, vorhandenen Unterschlupf unter der Brücke zu verschwinden.

Immer wieder wurden Fotos gemacht und „Good Luck“ gerufen, denn Glück sollen sie bringen, die vielen Schildkröten vom „Botataung Paya“.

Um die Mittagszeit wurde es plötzlich voller. Viele Besucher packten ihr Essen aus und blockierten die Fenster. An Fotografieren war inmitten der vielen Menschen, Töpfen und Schälchen nicht mehr zu denken. Nun war es auch Zeit, diesen magischen Ort zu verlassen.
Begeistert von einer weiteren sehenswerten Pagode und glücklich doch noch einige Schildkröten in Myanmar gefunden zu haben.

Anmerkung:
An einem der Brückenfenster war ein Plakat der Schildkröten Myanmars befestigt. Vielleicht sollte es bei der Bestimmung der unterschiedlichen Schildkröten helfen oder sie einfach nur aufzeigen. Bestimmen können unsere Leser sie doch auch, oder?

Text und alle Bilder: Elke Wallrapp. Alle Rechte bei der Autorin

1 Kommentar


  1. Vielen Dank für den interessanten Reisebericht und die schönen Fotos aus Myanmar.
    Herzlichen Gruß
    Klaus Lurati

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