Klara und Luise – Manchmal ist es besser, Tiere zurückzunehmen…

Ein Erfahrungsbericht von Petra Kösterke

Halter von Schildkröten zu werden, bedeutet lebenslang Verantwortung zu übernehmen – für Lebewesen, die uns total ausgeliefert sind. Auch als Hobbyzüchter trage ich einen Teil dieser Verantwortung, indem ich die zukünftigen Halter meiner Nachzuchten sehr sorgfältig auswähle und über lange Zeit auch ausführlich berate. Was sich in der Theorie so einfach und gut anhört, ist in der Praxis oftmals schwierig. Und nicht immer nimmt die weitere Geschichte meiner Tiere den Verlauf, den ich mir wünsche.
Die Geschichte von Klara und Luise ist ein Beispiel dafür:

Abb.1: Das Gelege im Sommer 2003
Abb.2: Ein „gestellter“ Familienausflug im Sommer 2003

2003 schlüpften (Abb. 1 & 2) am 18. und 21. Juni Klara und Luise, zwei Steppenschildkröten (Agrionemys horsfieldii) . Beide Tiere entwickelten sich, wie alle Geschwistertiere des Jahrgangs, bei ihren neuen Haltern zunächst prächtig. Im ersten Jahr wurde ich regelmäßig über die Entwicklung, ihr Gewicht und ihr Befinden informiert, nicht zuletzt, da die neuen Halter auch noch die eine oder andere Frage an mich hatten. Ich erhielt auch mehrere Fotos (Abb. 3 – 5).

Abb.3: Luise im Sommer 2003
Abb.4: Klara im Sommer 2003

Später kamen von den Haltern nur noch kurze Infos zum Gewicht nach der Winterstarre.
2009 bat ich all meine Schildkrötenhalter um Fotos der Tiere, die sie von mir übernommen hatten. Die Fotos von Klara und Luise (Abb. 6 – 9) erschütterten mich: Innerhalb von fünf Jahren waren die Tiere überaus deformiert. Fehlendes UV-Licht bzw. eine alte UV-Lampe und kaum Sonnenlicht führten zu einer schlimmen Höckerbildung. Die Panzer der Tiere waren weich, die Bauchpanzer viel zu dick.
Spuren eine katastrophalen Haltung. Ich schlug den Besitzern vor, die Tiere zurückzunehmen und man übergab mir die beiden gern. Durch eine schwere Krankheit in der Familie ihrer Halter waren die Schildkröten schon seit langer Zeit „ins Hintertreffen geraten“, wie sie mir erklärten. Es ist zwar verständlich, dass in solchen Fällen Zeit und Kraft für die Tierpflege vielleicht nicht mehr ausreichen, aber dann sollte man die Tiere frühzeitig abgeben, vielleicht auch nur vorübergehend.
Umgehend brachte ich Klara und Luise zu meiner Tierärztin. Sie war schockiert von den beiden „Plattis“ (wegen der extrem flachen, verhöckerten Panzer bekamen sie diese Spitznamen) und untersuchte sie eingehend.

Abb.5: Klara und Luise kurz vor ihrer Abgabe 2003
Abb.6: Klara und Luise vor ihrer Rückkehr 2009
Abb.7: Fotos aus dem Jahr 2009 zeigen…
Abb. 8: wie verwachsen beide Tiere…

Außer der Deformierung und einer starken Verwurmung wurden noch andere Probleme diagnostiziert, die evtl. durch zu lange Innenhaltung, zu wenig Auslauf und zu einseitige Ernährung entstanden.
Da beide Tiere weiblich sind, befürchtete die Tierärztin, dass sich in einigen Jahren bei ihnen Legenot einstellen könnte, was bekanntlich oftmals tödlich endet.
Ich zog den Rat einer weiteren Tierärztin hinzu. Auch sie empfahl eine Total-Operation , eine Hormonbehandlung bzw. einen Panzerausschnitt.
Meine Tierheilpraktikerin riet mir, damit mindestens zwei Jahre zu warten und behandelte Klara und Luise mit sanften Methoden.

Abb.9.: …mittlerweile waren.
Abb.10: Die zurückgekehrten Tiere kamen zuerst ins Gewächshaus…

Die Umstellung der Haltungsbedingungen trug einen großen Teil dazu bei, dass Klara und Luise sich deutlich erholten und munterer wurden.
Sie zogen gleich in ein Gewächshaus (Abb. 10 & 11) und ein Gehege wurde umgehend für sie und Patti erstellt (Abb. 12 & 13).

Abb.11: … und dann endlich ins Sonnenlicht.
Abb.12: Umgehend wurde ein eigenes Gehege errichtet.
Abb.13: Klara erkundet die Baustelle.
Abb.14: Von nun an geht’s bergauf.

Ab sofort erhielten sie viele gesunde Wildkräuter. Immer stehen ihnen nun auch ausreichend Sepia- und Eierschale, getrocknete Kräuter wie Brennnesseln, Bärlauch etc zur Verfügung (Abb. 14 – 21).
Patti ist ebenfalls ein Tier aus meiner Nachzucht. Die Halter gaben sie mir zurück, da sie das Geschwistertier mehrfach gebissen hatte und dieses dann leider an den Folgen gestorben war. Auch bei Patti wurden gravierende Fehler begangen, denn sie lebte mit dem zweiten Tier auf viel zu engem Raum. Leider starten viele neue Schildkrötenhalter mit einen 50 cm Terrarium und tauschen dieses nie aus und bauen auch kein Außengehege. Innerhalb weniger Wochen wurde Patti fast handzahm. Es ist auch nicht wieder vorgekommen, dass sie die beiden anderen Schildkröten im Gehege angegriffen hat.
Schon vor der Winterstarre 2009/10 waren Tierärztin und Tierheilpraktikerin erstaunt über den gesundheitlichen Fortschritt von Klara und Luise. Auch konnten wir beobachten, wie die vorher weichen Panzer langsam „in die Höhe“ wuchsen.

Abb.15: Das neue Gehege im April 2010
Abb.16: Patti, Klara und Luise im April 2010
Abb.17: Eine muntere Dreiergruppe.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Frühjahr 2011 holte ich noch zwei weitere Steppenschildkröten zurück, da die Halter beide sehr krank wurden. Obwohl diese neuen Tiere fast gleich alt sind, waren sie extrem groß und schwer.
Auch hier – ein zu kleines Terrarium und kaum Schatten-Rückzugsmöglichkeiten. Aber diese Zwei hatten bei gutem Wetter wenigstens die Möglichkeit, einige Stunden draußen zu sein. Leider wurden auch sie für einige Monate zu Patienten (Abb. 22 & 23).

Abb.18: Entspannung pur.
Abb.19: Auf Ausbruchsicherheit wurde ebenso geachtet…
Abb.20: wie auf reichlich Futterpflanzen im Gehege.
Abb.21: Klara im Juli 2010…
Abb.22. und im Sommer 2011
Abb 23: Meine fünf Mädels

Durch viele Rückzugsmöglichkeiten, Pflanzen, Höhlen und Blumentöpfe haben alle fünf Mädels jetzt ein einigermaßen artgerechtes Leben in ihrem Gehege.
Viel Leid könnte man den Schildkröten ersparen, wenn sie artgerecht gehalten würden – nicht zu vergessen: auch viel Geld, denn die Arztkosten sind erheblich.

Nachzutragen bleibt:
Alle fünf Tiere stammen aus meiner Zucht und waren während ihrer Zeit bei den anderen Haltern nicht mit anderen Tieren in Kontakt. Ansonsten wäre es äußerst riskant, sie alle sofort zusammen in ein Gehege zu setzen.
Trotz aller Tests – die alten Tiere waren bei allen Test damals herpesfrei; dann ist trotzdem nach Jahren plötzlich die Krankheit ausgebrochen. Ein Tier ist gestorben, trotz aller Mühen. Dadurch, dass ich durch Kollegen ausreichend Erfahrung hatte und die Gruppen immer getrennt gehalten habe, ist das Virus nicht auf andere übertragen worden. Die Tierärztin Dr. Blahak, eine ausgesprochene Expertin auf dem Gebiet, arbeitet ja in unserem Regierungsbezirk, nur ca. 50 km entfernt. Sie ist eine kompetente Ansprechpartnerin, von der ich auch viele Tipps zur Pflege und zur Behandlung mit Injektionen bekommen habe.

Text und Bilder: Petra Kösterke. Alle Rechte bei der Autorin

2 Kommentare



  1. Wir bedanken uns bei Petra Kösterke für diesen Beitrag und freuen uns auf eine weitere Zusammenarbeit.

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